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24.06.1988 - 

Vorstände akzeptieren Abhängigkeit - Hersteller konstatieren "heile Welt"

luK-Technik: Steuerungsfunktion unbestritten

MÜNCHEN (bi) - "Nutzungsbilanz der Informations- und Kommunikationssysteme" zogen etliche Vorstände von Großanwendern jetzt auf dem jüngsten Kongreß des Münchner Kreises. Auf der "Anklagebank", so Promotor Eberhard Witte, saßen die Anbieter. Harte Verurteilungen gab's Indes kaum, außer für das offenbar unvermeidliche Marktschreiertum der DV-Branche.

Groß- und Größtanwender hatte Eberhard Witte, Motor des Münchner Kreises, auf's Podium gebracht, Fast Bekenntnischarakter hatten ihre Vorträge, wie es Friedrich Ohmann, Sprecher der Siemens AG, in der abschließenden Manöverkritik der Hersteller formulierte. Datenverarbeitung ist demzufolge in den vergangenen 15 Jahren vom vereinzelt eingesetzten Rationalisierungsinstrument zu dem unternehmensweit übergreifenden Steuerungs-Tool, dem strategischen Instrument schlechthin geworden. Unternehmenserfolg und Position im Wettbewerb sind unmittelbar vom mehr oder weniger gekonnten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik abhängig, Diese Lektion hatten offenbar besonders gut gelernt Reiner Gohlke, Vorstandsvorsitzender der Bundesbahn und Horst Münzner, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, Wolfsburg. Wie bei der Bahn vollziehen sich luK-Entscheidungen auch hier - seit Mitte der 70er Jahre allerdings schon - auf Vorstandsebene und bei Einzelprojekten in direkter Abstimmung mit dem Vorstand. Beide Vortragende betonten die Einbindung der Systeme und ihre Bedeutung über die eigentliche Unternehmens-, ja Ländergrenze hinweg. So räumte Münzner beispielsweise der einheitlichen Schnittstelle zum Lieferanten große Bedeutung bei und Gohlke der Einbindung in globale Informations- und Buchungssysteme. Die Partner sollen mit in die Logistikketten einbezogen werden.

Stolz ist der einstige IBM-Mann auf das "echte offene Netz" das die Bahn als einziges Unternehmen in der Bundesrepublik vorzuweisen habe; allerdings warte man noch auf die Anwendungen, zum Beispiel auf den elektronischen Frachtbrief. Immerhin ist diese Neuerung in Sicht. Termin: Ab 1. Januar 1990 in europäischen Ländern. Mangelndes Verständnis beklagte Gohlke, der sich vorgenommen hat, die einstige Behörde Bundesbahn in ein modernes. Dienstleistungsunternehmen zu verwandeln, beim Bundesrechnungshof. Diese Behörde ihrerseits verharre im traditionellen Denken und verlange, daß sich IuK-Technik unter dem veralteten Gesichtspunkt des Rationalisierungseffektes rechne. Die Bahn aber müsse eine Markenartikelpolitik betreiben, konkret von einem Schalter aus "alles" verkaufen, also Transport, Hotelbuchung und weitere Dienstleistungen unterschiedlicher Art. John Diebold, als US-Sprecher auf dem Podium pointierte hierzu: Wichtig sei zu fragen, was es koste, wenn man den Einsatz von luK-Technik unterlasse.

Lieber Klartext als Krokodilstränen

Die Vorträge dieser Großanwender im Vorstandsrang suchten zu vermitteln v daß sich die Rolle des Herstellers zu Gunsten der Know-how-Träger in den Unternehmen selbst verschiebt. Ihr Einfluß scheint demzufolge in den Chef- Etagen zu. zunehmen, auch weil Herstellerversprechungen und die eigentliche Realisierung in den Unternehmen immer noch auseinander klafften.

Da gefiel neben diesen Krokodils. tränen dann doch der Klartext, den Heike von Benda redetet besser. Zuständig für das "Landessystemkonzept" in Baden-Württemberg, mochte sie sich ausgehend von ihren Erfahrungen nicht so ohne weiteres den gängigen Redensarten von Integration und offenen Systemen anschließen; mehr als deutlich erteilte sie auch Unix, eine Absage: "Wir glauben nicht, daß es zu einer Betriebssystem-Standardisierung kommt." Und: "Wir haben Kontakt zu Brüssel auf genommen. Die EG beabsichtigt nicht Unix festzuschreiben." Aber das Betriebssystem sei letztlich gleichgültig. Einen "unendlich weiten Weg" zu einer einheitlichen Benutzeroberfläche in der "Integrierten Bürokommunikation" glaubt Frau von Benda vor sich. Es fehlten noch wichtige Funktionen in den Produkten, zum Beispiel in der elektronischen Post; auch gebe es noch keine elektronische Unterschrift, jedenfalls keine, die für die Öffentliche Verwaltung Gültigkeit habe. Im ganzen registrierte Frau von Benda einen Prozeß der Enttäuschung"; die Rezepte seien zu pauschal. Die Risiken würden nur verhalten dargestellt.

Die zirka 15 Vortragenden, die durchwegs stark von der klassischen EDV her argumentierten" (Karl Hinrich Vöge, Nixdorf), vermittelten in der Tat mehrheitlich das Bild einer heilen Welt" (Frank Berger, DEC), oder doch den Eindruck, die Dinge fest im Griff und Akzeptanzhürden überwunden zu haben -"kein Thema mehr bei VW", war da beispielsweise zu hören. Integration im Fertigungssektor und von dort ausgehend in das Gesamtunternehmen hinein ist in den fertigungsorientierten Unternehmen auf dem Wege, im Bürobereich noch ein weites Feld. Summa summarum: Ohne Informations- und Kommunikationstechnik und zwar im Rang einer strategischen Waffe' geht in den Großunternehmen nichts mehr.

Auf dem Weg zum Mengenmarkt im Mittelstand und im privaten Bereich gibt es nach wie vor viele Fragen. Sie artikulierten sich denn auch unterschiedlich im Rahmen der Abschlußdiskussion, die offenbar von Marketing-Spezialisten im Plenum angeführt wurde. Sie vermissen für diesen Markt das einheitliche Marketingkonzept von Post und Herstellern. "Eine Fülle von Unzulänglichkeiten" wurde registriert. Aber dieses war ja nicht das Thema des Kongresses gewesen, sondern: "Nutzungsbilanz moderner Informations- und Kommunikationssysteme aus Anwendersicht."

Eine "Fülle von Anregungen" fiel für die zahlreich im Kongreßpublikum vertretenen Herstellervertreter ab. Und auf dem Podium konzertierte man den Anwendern "in Einzelfällen" sogar das größere Können als den Herstellern.