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21.03.1997 - 

Kolumne

"Lust an der Leine"

Manchen Phänomenen kommt man mit purer Ratio nicht bei: Oder können Sie erklären, warum so viele Zeitgenossen am ersten Tag der Sommerferien nichts Besseres vorhaben, als sich in den Mega-Stau zwischen München und Salzburg zu stürzen? Schließlich kämen sie fast zur gleichen Zeit in Rimini oder Jesolo an, wenn sie einen Tag später losfahren würden.

In die gleiche Kategorie rational nicht erfaßbarer Ereignisse gehört die CeBIT. Was wollen die vielen Leute in Hannover? Weshalb nehmen sie die Strapazen eines Messebesuchs - Staus (sic!), Gedränge auf dem Messegelände, schlechtes Essen und miese Unterkunft - auf sich? Ginge es nur um das Sammeln von Informationen, ließen sich diese weit effektiver direkt vom Hersteller oder via Internet (www.cebit.de) besorgen. Deshalb muß die in diesem Jahr wahrscheinlich 600000 Messebesucher etwas anderes in die Leine-Stadt getrieben haben. Genauso, wie es für die Stausteher am Irschenberg einen anderen Grund für ihr Dortsein geben muß als den, möglichst schnell nach Italien zu gelangen.

Nur welchen? Vielleicht ist es pure Bauernfängerei: Weil viele Anbieter zwischen Januar und März nichts anderes tun, als ihre potentiellen und tatsächlichen Kunden auf die CeBIT einzuladen, fallen die Anwender trotz alljährlicher Enttäuschung immer wieder auf die Anpreisungen und die angekündigte Show der Hersteller herein und glauben, es gäbe tatsächlich etwas Besonderes zu sehen. Gleichzeitig wird die Erwartung des semiprofessionellen PC-Nutzers durch Berichte und Anzeigen in Hochglanzmagazinen und Tageszeitungen geschürt. Diese Erklärung taugt allerdings nur für jene, die noch nicht abgehärtet sind und Werbebotschaften für bare Münze nehmen. Da DV-Anwender normalerweise aber mit einiger Intelligenz gesegnet sind, greift sie zu kurz.

Der wahre Grund ist viel naheliegender: Genauso, wie es viele Menschen gibt, die sich kaum etwas Unterhaltsameres vorstellen können als ein Wochenende im Stau, gibt es auch viele DV-Anwender, denen die CeBIT einfach Spaß macht. Ob es sich dabei um das gleiche, leicht masochistische Lustgefühl handelt, das ganz normale Menschen in eine Achterbahn mit Fünfer-Looping treibt, wissen wir allerdings nicht. Verwunderlich ist nur, daß es so viele sind.