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14.11.1975 - 

Programmfehler entlarvt Rentenbetrüger

LVA Lübeck zahlte 40000 Mark für "Tote Seele"

LÜBECK - Ein 23jähriger Verwaltungsangestellter der Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein in Lübeck tauschte letzte Woche sein Büro mit einer soliden Zelle im Untersuchungsgefängnis. Zu seinem Verhängnis wurden ihm seine Kinder: Elf an der Zahl; aber allesamt erfunden. Der "Vater" der erfundenen Kinder war noch weniger real: Ein mittlerweile verstorbener Mann des Jahrgangs l908, der bereits von drei Jahren seine endgültig letzte Rente von der LVA Lübeck bezogen hatte. Der Trick des BAT-7-Angestellten war ebenso simpel wie raffiniert. Aus einer "Totenakte", so der versicherungstechnische Ausdruck, hatte er einen neuen Rentenfall konstruiert. Doch statt die neu angelegte Akte mit den realen und plausiblen Daten aus der Totenakte vor der Datenerfassung für die DV-Weiterverarbeitung vom zuständigen Sachbearbeiter abzeichnen zu lassen schmuggelte er den Akt unter die übrigen Erfassungsunterlagen. Man wundert sich, aber es klappte.

Der Computer - übrigens eine gemeinsam mit der Seekasse und der LVA Hamburg benutzte Siemens 4004/151 in Hamburg - tat, wie ihm geheißen. Er zahlte an den betrügerischen Angestellten beziehungsweise auf das Konto eines Komplizen rund 40000 Mark aus: Deklariert als Rentennachzahlung für die letzten drei Jahre. Der junge Mann kaufte sich für das erschwindelte Geld unter anderem einen italienischen Sportwagen. Das brachte ihn wohl auf die Idee, die LVA auch durch die Computer-Hintertür um einen kleinen Zuschuß für die Benzinkasse zu bitten. Er erfand für die "Tote Seele" (Nikolai Gogol) elf Kinder, für die er einen Kinderzuschlag auf sein wohlverdientes Ruhegeld beantragte: Ablauf wie oben.

Doch diesmal versagte der Computer die Hilfe am Grabe. Genauer: das Programm flippte aus. LVA-Direktor Dr. Gerhard Blum: "Das Programm ist nicht in Ordnung. Bei zweistellige Kinderzahlen läuft es nicht." Es gab ein Fehlerprotokoll, die quicklebendige Totenakte mußte manuell bearbeitet werden, die Karteileiche wurde identifiziert der Wiederbeleber verhaftet. Bei neun Kindern wäre also alles klar gelaufen!

"Das ist aber ein absoluter Einzelfall", kommentiert Dr. Blum, "in Zukunft kann das nicht mehr passieren, weil wir neue Absicherungen eingeführt haben." Durch Querinformation aller im VDR (Verband Deutscher Rentenversicherungsträger) vertretenen Anstalten werden die Abwehrmaßnahmen bundesweit realisiert. Zweifel bestehen noch darüber, ob denn nun das fehlerhafte Programm bereinigt werden soll. Denn wäre es fehlerfrei gewesen, bezöge der "Vater von elf Kindern" seine Rente noch heute. Unter über 700000 bei der LVA Lübeck geführten Versicherungskonten dennoch - laut Dr. Blum - ein Einzelfall. Ein Einzelfall?