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Mikrocomputergestützte Kommunikationshilfe für Sprachbehinderte:

MAC-Apple-System fördert Selbstbewußtsein

03.06.1983

LONDON (CW) - Technische Kommunikationshilfen für Behinderte basierten bislang vorwiegend auf elektronischen Schreibmaschinentastaturen. Solche Apparate sind relativ schwerfällig in der Bedienung, voluminös und unhandlich. Da sie in kleinen Stückzahlen produziert werden, sind sie außerdem recht teuer. Seit der Erfindung des Mikroprozessors und der persönlichen Computer (PC) ist diese Situation in einem rapiden Wandel begriffen.

Patrick Poon, Forschungsassistent am King's College der Londoner Universität entwickelte im Rahmen eines Projekts für seine Doktorarbeit einen Computer zu einer praktikablen Kommunikationshilfe. Das Ergebnis nennt sich MAC.

Die Apparatur arbeitet mit MAC-Software, die in Verbindung mit einem Apple-Computer eingesetzt wird. Sie setzt sich zusammen aus dem eigentlichen Computer und der Tastatur, einem TV-ähnlichen Bildschirm, Plattenlaufwerken und Interfaces. Die Tastatur wird von Helfern wie Lehrern, Eltern oder Betreuern benutzt, der Behinderte selbst arbeitet an speziellen Schnittstellen.

Aktionsfähigkeit begrenzt

Anzahl und Art dieser Schnittstellen sind individuell auf die jeweilige Behinderung abgestimmt. Sie sind so konstruiert, daß auch Menschen mit starkem Handtremor, damit umgehen können oder daß selbst die leichtesten Bewegungen der Gesichtsmuskulatur ausgewertet werden können. Die von Patrick Poon entwickelte Software kann vom Lehrer, den Eltern oder dem Betreuer des behinderten Menschen zusammengestellt werden. Bei Bedarf läßt sie sich auch jederzeit abändern. Gegenwärtig werden in einem großangelegten Versuchsprojekt 20 derartige Programme getestet.

Das MAC-Apple-System macht es möglich, auf dem Bildschirm zu schreiben, Korrekturen vorzunehmen oder Bilder und Diagramme zu zeichnen. Es kann entweder als Stand-alone-System schreiben oder an Lehrer, Familienangehörige oder Besucher und selbst an andere Behinderte, die mit einem entsprechenden Computer arbeiten. Der Rechner druckt diese Texte auch aus.

Beim Schreiben benutzt der Behinderte die auf dem Display sichtbaren Typen, darunter auch Satzzeichen und spezielle Symbole zum einfachen Redigieren. Ferner kann er aus einer ebenfalls auf dem Display sichtbaren Liste ganze Wörter auswählen. Je nach den individuellen Bedürfnissen stellt der Lehrer verschiedene Schnittstellen her oder ändert die Display-Einrichtung. Der Computer speichert - selbst in abgeschaltetem Zustand - die geschriebenen Texte und läßt sie auf Knopfdruck auf dem Bildschirm erscheinen.

Da die Aktionsfähigkeiten behinderter Menschen teilweise sehr begrenzt sind, ist es wichtig, diese mit technischen Hilfsmitteln so weit wie irgend möglich zu nutzen. Der MAC-Computer führt deshalb Textverarbeitungsfunktionen automatisch aus wie beispielsweise das Betätigen der Rücktaste und das Setzen von Punkten am Satzende. (Eine weitere Automatikeinrichtung setzt nach einem Punkt zwei Leerschritte und beginnt den folgenden Satz selbsttätig mit einem Großbuchstaben; nach einem Komma erfolgt ebenfalls automatisch ein Leerschritt.)

Bedeutende Rolle in der Sprachtherapie

Der wichtigste Vorzug, den das MAC-System schwerbehinderten Menschen bietet, ist psychologischer Natur: Apple-Computer werden von jedermann benutzt; sie sind nicht speziell für Behinderte konzipiert, so daß diese sich nicht als Außenseiter zu fühlen brauchen, die nur mit Spezialapparaturen umgehen können. Sie verwenden ein technisches Hilfsmittel, das auch von gesunden Menschen benutzt wird, und das trägt sehr zur Stärkung ihres Selbstbewußtseins bei.

Im Vergleich zur normalen Sprache ist eine Konversation mit Hilfe des MAC-Systems nach wie vor sehr langsam. Die Kommunikationsgeschwindigkeit variiert zwischen einem und acht Wörtern pro Minute, wodurch eine direkte Unterhaltung recht schwerfällig ist.

Aus diesem Grund wird das System vorwiegend als Schreibhilfe in Schulen eingesetzt. In der Charlton-Park-Schule in London beispielsweise wird es zur Unterrichtung von behinderten Kindern verwendet - und zwar für direkte Zwiegespräche zwischen Schüler und Lehrer während zwei oder drei Wochenstunden. In dieser Schule wurde ein spezielles Zentrum für diese Art von Unterricht für den gesamten Zuständigkeitsbereich der Inner London Education Authority (Bildungsbehörde für die Londoner Innenstadt) eingerichtet.

Mit dem MAC-System kann vielen Kindern geholfen werden: Jungen und Mädchen, die an athetotischer Zerebrallähmung (einer Gehirnlähmung, die motorische Störungen der Finger und Hände zur Folge hat), Lesestörungen und anderen Behinderungen leiden, können auf diese Weise einen Teil ihrer bisher versäumten Schulausbildung nachholen.

Ein 15jähriger Junge beispielsweise ist heute in der Lage, mit Hilfe eines Fußschalters mit acht verschiedenen Schaltpositionen Bilder und Diagramme, einschließlich geometrischer Figuren, zu zeichnen. Seine Zeichnungen zeigen eine beachtliche grafische Begabung, so daß er jetzt einen Mathematikkurs mit dem Ziel des "Certificate of Secondary Education" (qualifizierender Hauptschulabschluß) absolviert.

Doch nicht nur Kinder können von dem MAC-System profitieren - so ist ein behinderter Architekt dank der neuen Kommunikationshilfe seit einiger Zeit imstande, zumindest in begrenztem Umfang seinem Beruf nachzugehen. Das System soll auf die Bedürfnisse aller Menschen mit Sprach-, Lese- oder Schreibschwierigkeiten abgestimmt werden können; außerdem eigne es sich für Wort- und Quiz-Spiele. Das Kommunikationsgerät könnte ferner ein bedeutende Rolle bei der Behandlung von Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, oder in anderen Bereichen der Sprachtherapie spielen.