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15.07.1994

Mac und PC: Die beiden Welten sind schon laengst verbunden

Mac und 80x86-Rechner sind, zumindest von der DOS-Windows-Warte aus, immer noch zwei voellig verschiedene Welten. Die Liste der Klagen ist lang: Daten seien unlesbar, die Konvertierung verursache graue Haare und allen Muehen zum Trotz liessen sich manche Dateien einfach nicht oeffnen, heisst es. Doch die Rechner mit dem Apfellogo lesen schon seit Jahren muehelos PC-Disketten, und so zugeknoepft, wie viele PC-Anwender meinen, sind sie nicht.

Von Renate Regnet-Seebode*

Kontaktfreudig in Sachen DOS-PC ist der Mac spaetestens seit Oktober 1988. Damals fuehrte Apple mit dem Mac IIx das sogenannte FDHD-Laufwerk (FDHD = Floppy Disk High Density) ein, heute besser bekannt als Superdrive. Damit war hardwareseitig die Voraussetzung geschaffen, dass der Mac neben seinen eigenen auch DOS- und Atari- Disketten lesen und beschreiben kann. Soll ein auf DOS-Hardware gespeichertes Dokument von einem Mac gelesen werden, sind aber noch zwei weitere Bedingungen zu erfuellen. Sowohl das physikalische als auch das logische Aufzeichnungsformat muessen uebereinstimmen.

Grundsaetzlich kuemmert sich das jeweilige Betriebssystem um das physikalische Format, also um die Frage, welche Bytes an welcher Stelle der Floppy unterzubringen sind. Wer eine Diskette aus der anderen Welt lesen oder beschreiben will, benoetigt also entsprechende Tools, die wissen, von welcher Stelle der Floppy welche Informationen auszulesen sind. Sie emulieren dann die Funktionen des jeweils anderen Betriebssystems zum Lesen und Schreiben der Dateien.

Ist die physikalische Huerde zwischen den Systemen ueberwunden, muss noch das zweite Problem geloest werden - wer schon einmal versucht hat, Dokumente zwischen verschiedenen Programmen auszutauschen, weiss, wovon die Rede ist. Jede Applikation nutzt im Prinzip ein eigenes Dokumentenformat. Erst neuere Standardprogramme besitzen vielfaeltige Im- und Exportfunktionen. Gaengige Programme wie Word fuer Windows, Excel, Wordperfect, Pagemaker oder Lotus 1-2-3 unterstuetzen heute zumindest das Format ihrer Pendants auf den anderen Plattformen.

Datentransport ueber die serielle Schnittstlle

Sie erkennen im allgemeinen automatisch, ob es sich um die Mac- oder DOS-Windows-Variante eines Dokuments handelt. Auch die Formate des Windows-basierten Bildbearbeitungsprogramms Photostyler stimmen mit denen von Adobes Photoshop auf der Macintosh-Seite ueberein. Dokumente lassen sich so leicht austauschen - vorausgesetzt natuerlich, dass die physikalische Huerde genommen ist.

Abgesehen vom Datentransport via Floppy koennen die Dateien auch auf anderen Wegen zwischen den Rechnerwelten hin und her transportiert werden. Die einfachste und billigste Option eroeffnet die serielle Schnittstelle, ueber die der Mac wie der PC verfuegen. Allerdings hat der PC eine Schnittstelle nach RS-232-Standard, waehrend Apple beim Mac die differentielle Variante nach RS-422 implementiert hat. Mit der entsprechenden Verkabelung ist aber auch dieses Problem zu meistern.

Mit einem Standard-Terminalprogramm gelangen die Dateien in die andere Rechnerwelt. "Kermit" beispielsweise ist fuer beide Plattformen verfuegbar, aber auch ein Dateitransfer via X-, Y- oder Z-Modemprotokoll ist inzwischen mit Shareware, die fuer beide Plattformen existiert, moeglich.

Das kommerzielle Programm "Laplink Plus", das hierzulande von Hersteller Traveling Software mangels Interesse nicht mehr verkauft wird, nimmt dem Weltenbummler nicht nur die Arbeit mit der Verkabelung ab und bietet eine komfortable Bedieneroberflaeche zur Steuerung des eigentlichen Dateientransfers, sondern kommt auch mit zahlreichen Konvertiertools. Damit ist zum Beispiel ein DOS-Word-Dokument problemlos in eine Mac-Word-Datei umzuwandeln. Aehnlich bequem ist "Mac Link Plus 7.0" von der US-Firma Dataviz (Distributor: Prisma, Hamburg, rund 400 Mark). Das Programm, das Daten von einem DOS-Rechner zum Mac und vice versa uebertraegt, kommt neben dem entsprechenden Kabel gleichfalls mit zahllosen Konvertierroutinen daher. Es liest rund 600 Formate aus drei verschiedenen Rechnerwelten (Mac-OS, DOS-Windows, Unix) und konvertiert diese waehrend des Datentransfers selbsttaetig.

Wer lediglich reine Textdateien uebertraegt, fuer den bietet Apple das Zusatzprogramm "Dateien konvertieren" an, das im Lieferumfang des Mac-Betriebssystems enthalten ist. Es unterstuetzt nicht nur das Formatieren, Lesen und Schreiben von DOS- oder Pro-DOS- Disketten, sondern wandelt auch die einzelnen Buchstaben der unterschiedlichen Alphabete in die richtigen Zeichen fuer die Zielplattform um. Es herrscht zwar weitgehende Uebereinstimmung, was den ASCII-Code betrifft (nur 7 Bit!), aber jenseits von ASCII 128 scheiden sich die Geister. Ein DOS-ue praesentiert sich auf dem Mac beispielsweise als "oe", und die IBM-Grafikzeichen sucht man vergebens. Die Faehigkeiten von "Dateien konvertieren" lindern zumindest die schlimmsten Probleme, staendigen Grenzgaengern duerfte das Programm mit seinen zahlreichen Arbeitsschritten aber laestig werden.

Erst ist der exakte Filter festzulegen, dann muss man die entsprechende Datei auswaehlen, das Ziellaufwerk angeben, den Konvertiervorgang starten, die Datei moeglicherweise umbenennen und abspeichern, ehe sie sich am Mac mit dem gewuenschten Programm weiterbearbeiten laesst. Die Software "Dateien konvertieren" ist uebrigens nicht nur auf den Dateienaustausch via Floppy spezialisiert, sie wandelt auch Dokumente um, die auf seriellem Wege oder ueber das Netz zum Mac gelangen.

Eine aehnliche Funktionalitaet und Bedienweise wie "Dateien konvertieren" bietet die kommerzielle Loesung "Mac-In-Dos" fuer den PC (Hersteller: Pacific Micro). Damit lassen sich MFM-kodierte Disketten - also Floppies im Mac-High-Density-Format - formatieren, lesen und beschreiben. Das Mac-typische GCR-Format bei Disketten doppelter Dichte, das rund 800 KB Speicherplatz bietet, wird allerdings nicht unterstuetzt - der Standard-PC- Floppy-Controller stoesst hier an Hardwaregrenzen. Die Bedienoberflaeche von "Mac-In-Dos" aehnelt der des Norton Commanders.

Komfortabler geht es Mac-seitig mit den Tools "PC Exchange" von Apple, "DOS-Mounter" vom US-Hersteller Dayna sowie "Access PC" aus dem Hause Insignia Solutions zu. Als Kontrollfelder installiert, verrichten sie ihre Dienste transparent im Hintergrund. DOS- Disketten werden wie Mac-Floppies behandelt. Sie erscheinen als Sinnbild auf dem Schreibtisch (mit PC-Label), Kopieraktionen sind ganz Mac-like via Drag & Drop moeglich - Sie muessen lediglich das Datei-Icon auf das Diskettensymbol ziehen. Beim Einlegen einer nicht-initialisierten (Initialisieren entspricht im DOS- Sprachgebrauch dem Formatieren) Floppy erweitern diese Tools den Formatierdialog um die DOS-Option. Eine automatische Konvertierung unterstuetzt allerdings keines dieser Programme.

Klick auf die Datei oeffnet die Software gleich mit

Dafuer lassen sich einer Mac-Applikation die DOS-typischen Namenserweiterungen zuordnen. Anders als bei DOS-Programmen wird Mac-Anwendungen ein Dokument nicht ueber die Extension zugewiesen, sondern ueber die unsichtbaren Attribute "Type" und "Creator". So koennen Sie beispielsweise Ihren "*.DOC"-Dateien Mac-Word zuordnen. Beim Doppelklick auf ein DOS-Dokument wird dann automatisch Word gestartet: DOS-Disketten mit Mac-Komfort! Bei allen drei Mount- Tools lassen sich die Listen, die die Zuordnung der Extensions zu Mac-Applikationen regeln, beliebig editieren.

Die Mount-Tools gestatten, dass reine Mac-Dateien auf DOS-Medien gespeichert werden - was nicht selbstverstaendlich ist. Im allgemeinen besteht eine Mac-Datei aus zwei Komponenten - der sogenannten Ressource- und der Data-Fork. Ein in anderen Rechnerwelten unuebliches Konzept, das leider im Bereich der Datenfernuebertragung vom Mac auf den PC Kopfzerbrechen bereitet. Die drei Programme loesen dieses Problem, indem sie zusaetzlich unsichtbare Dateien und Verzeichnisse anlegen, in denen sie die Mac-spezifischen Daten speichern. Diese Dateien werden uebrigens unter dem Norton Commander sichtbar. Modifizierungen auf der DOS- Plattform sind aber nicht empfehlenswert, sonst lassen sich die Daten vom MAC aus spaeter nicht mehr korrekt ansprechen.

Den Transfer von Mac-Dateien, bei denen nur die Data-Fork verwendet wird, via DFUE, bewaeltigt nahezu problemlos fast jedes Terminalprogramm. Sind aber auch Komponenten der Ressource-Fork zu uebertragen - dort werden gewoehnlich Programmcode, Icons, Fensterdefinitionen und aehnliche Datenstrukturen abgelegt -, sieht die Sache anders aus. Dies ist immer der Fall, wenn selbstextrahierende Dokumente oder Applikationen auf Fernreise via Modem geschickt werden.

Binaerdateien verwandeln sich in 7-Bit-ASCII-Code

Sind Sender und Empfaenger Macs, wird das Mac-Binary-Format eingesetzt, das im Prinzip Ressource- und Data-Fork zu einem langen Bit-Strom vereint. Will man jedoch Binaerdateien, zu denen auch Grafiken zaehlen, ueber eine Nicht-Mac-Mailbox oder einen DOS- Rechner verschicken, muss man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, um Plattform-typische Konvertierfehler zu vermeiden. Die Loesung heisst: BINHEX4-Format. Damit laesst sich eine Binaer- in eine Pseudotext-Datei mit 7-Bit-ASCII-Code verwandeln und ohne Dateneinbusse problemlos versenden. Der Groessenzuwachs gegenueber der Ursprungsdatei betraegt dabei etwa 30 Prozent. Der Empfaenger muss selbstverstaendlich ueber den entsprechenden Rueckkonvertierer verfuegen.

Der letzte Schrei in Sachen Mac-PC-Verbindung ist "Timbuktu" von Farallon (Distributor: Prisma, Hamburg, rund 980 Mark). Ist die Software auf beiden Plattformen installiert, kann ein Mac oder PC damit via seriellem Kabel oder uebers Netz seinen Kollegen vom eigenen oder fremden Lager in die Karten schauen und diese auch fernsteuern. Mit dem "Timbuktu Windows Phonenet Kit" wird auf einem Windows-PC das Appletalk-Protokoll sowie "Timbuktu fuer Windows 3.1" mit einer Phonenet-Karte installiert. Jeder Rechner ist damit in der Lage, sowohl als Host, sprich als Gastgeber, dem man auf den Schirm blicken darf, oder als Gast zu agieren. Letzterer uebernimmt immer den aktiven Part und holt sich etwa den Bildschirminhalt mehrerer Gastgeber gleichzeitig auf den Monitor, kopiert Textpassagen oder uebertraegt Dateien im Hintergrund. Fuer den Datenaustausch sind weder Server noch Gateway notwendig. Von wegen, dass der Mac eine Insel bildet!