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Darpa unterstützt portables Mehrprozessor-Betriebssystem:


25.03.1988 - 

Mach wirbelt die Unix-Welt durcheinander

WASHINGTON, D. C. (IDG) - Das Us-Verteidungsministerium unterläuft die Unix-Standardisierungen: Während die meisten der existierenden Unix-Derivate unter einen Hut gebracht werden sollen, hat die Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) mit "Mach" einen anderen Weg eingeschlagen.

Das neue Betriebssystem, das an der Carnegie-Mellon-Universität entwickelt wurde, basiert auf dem Berkeley-Unix 4.3 BSD und ist speziell auf verteilte und Mehrfachprozessorsysteme abgestimmt. Auch die Berkeley-Version wurde 1969 in ihren Anfängen vom US-Verteidungsministerium unterstützt.

Die Entwicklung ging von zwei Seiten aus: Zum einen stellte die Strategic Computing Initiative der Darpa eine neue Betriebssystem-Architektur für die Parallelverarbeitung vor, die aber nicht von den bestehenden Unix-Versionen unterstützt werden konnte. Zum anderen wurden immer mehr neue Funktionen in den Unix-Kernel eingebettet, so daß dieser seine vielfach gerühmte Einfachheit verlor. Dazu Avadis Tevanian, Mach-Entwickler bei der Carnegie-Mellon-Universität: "Der Mach-Kernel kann als Rückkehr zur alten, fast vergessenen Unix-Philosophie, nämlich der Einfachheit, angesehen werden."

Steven Squires, stellvertretender Direktor des Information Science and Technology Office der Darpa, macht aber zugleich deutlich, daß er nicht beabsichtige, mit Mach in Konkurrenz zur AT&T/Sun-Kooperation oder dem National Bureau of Standards (NBS) zu treten: "Wir werden alles daran setzen, die Vorteile von Posix zu nutzen, doch wir warten nicht auf den neuen Standard. Die Darpa wolle sich nämlich nicht von Posix einengen lassen.

Für Squires sind Standardisierungen nicht per se ein Gewinn; sie können seiner Meinung nach sogar Schaden anrichten: "Standards eröffnen wunderbare Möglichkeiten, wenn sie richtig konzipiert werden; sie können jedoch eine Katastrophe verursachen, wenn sie nicht ausgereift sind ".

Indes sind schon einige DV-Hersteller auf den Mach-Zug aufgesprungen - unter anderem die Encore Computer Corp. oder auch die BBN Advanced Computer Inc., die das Betriebssystem für ihren neuen Rechner GP 1000 benutzt. Warum sich BBN gerade für Mach entschieden hat, erläutert deren Betriebssystem-Manager Carl Howe: "Fest stand, daß wir Unix einsetzen wollten. Auf den ersten Blick war System V zwar als kommerzielles Produkt sehr interessant, doch die meisten unserer Kunden kamen von der Berkeley-Seite. BSD-Unix hingegen ist nicht auf die Parallelverarbeitung ausgerichtet."

Einen entscheidenden Vorteil von Mach sieht Howe darin, daß Carnegie-Mellon die maschinenabhängigen Features isoliert hat. Das Betriebssystem sei in zwei Modulen verfügbar, von denen eines aufgrund seiner Rechnerunabhängigkeit ohne weiteres implementiert werden könne. "Mach hat Chancen, der Nachfolger der Berkeley-Systeme zu werden, während die AT&T/Sun-Version den kommerziellen Bereich abdecken könnte", prophezeit Isaac Nassi, Vice-President für die Forschung bei der Encore Computer Inc. Auch die Sequent Computer Systems Inc. setzt das neue Betriebssystem auf einem ihrer Balance-21000-Modelle ein. Das Unternehmen wolle allerdings noch abwarten, wie sich die Akzeptanz von Mach entwickle, gab ein Sprecher zu erkennen. Erst wenn die Darpa den Vertrieb der Software - wie schon zu Berkeley-Zeiten - massiv unterstütze, werde Sequent das Betriebssystem kommerziell vertreiben.

Die Darpa, so Squires, habe sich bereits dazu entschlossen, ein von Carnegie-Mellon verwaltetes Projekt zur Distribution von Mach finanziell zu unterstützen. Geplant ist, ein elektronisches Netz aufzubauen, über das neben der Darpa-gesponserten Software auch die Dokumentation sowie die nachfolgenden Updates bezogen werden können. Das Vertriebsnetz soll in etwa einem Jahr fertiggestellt sein.

Entgegen der Darpa-Erklärung, daß Mach nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Unix-Systemen angetreten sei, wirft Howe doch Fragen über die Zukunft von Unix auf: "Abzuwarten gilt, ob die Anwender bis Mitte der neunziger Jahre auf Version 5 von System V warten, oder ob sie zu Carnegie-Mellon überwechseln werden. Warum sollte man nicht einen Standard nehmen, der schon verfügbar ist?"