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05.10.1979

Macht "Kleincomputer" -Trend Rechenzentren entbehrlicher?

"Kleinbetriebe fahren mit ,Außer-Haus-DV' besser als mit eigenen Kleincomputern", meint Heiner Kanning von der GfA exdata in Nürnberg. Die gleiche Ansicht vertritt Peter Lange-Hellwig, Geschäftsführer beim Verband Deutscher Rechenzentren e. V. Hannover. Die Zusammenarbeit mit einem RZ, so der Hannoveraner, vermeide große Investitionen und zeitliche Verzögerungen. Aber gerade Terminprobleme waren für Peter Pflüger, Inhaber der Heinrich Pflüger KG in Wunstorf, ausschlaggebend, sich einen eigenen Rechner zu ordern. Allein sein Monatsabschluß sei heute 20 Tage eher erstellt als in früheren Zeiten. Die COMPUTERWOCHE befragte zwei RZ-Leute und drei EDV-Erstanwender, ob "Außer-Haus-DV", angesichts der Entwicklung auf dem "Kleincomputer"-Sektor, noch aktuell ist.

Hilko Frerichs, DV-Leiter, R. Trauernicht & Co. KG. Ostgroßefehn

Seit 1972 werden bei uns, neben der Fakturierung im Hause, Buchungssätze und Statistikbewegungssätze auf Lochstreifen erfaßt und extern im Rechenzentrum zum Teil vierzehntägig oder monatlich für die Finanzbuchhaltung und für Statistikzwecke verarbeitet und ausgegeben. Die Auswertung des Rechenzentrums entspricht inhaltlich den Anforderungen eines Handelsunternehmens unserer Größenordnung (zirka 230 Mitarbeiter). Der Zeitraum zwischen den Auswertungsläufen genügt jedoch von der Aktualität der Daten nicht den Anforderungen der Unternehmensleitung, der Abteilungsleiter oder den Sachbearbeitern. Erfassungsfehler können erst nach der Auswertung im Rechenzentrum erkannt werden und können nur kostenverursachend im nächsten Abrechnungslauf korrigiert werden. Zudem verfälschen sie die Gesamtauswertung.

Die fehlende Aktualität in erster Linie sowie die fehlende Möglichkeit einer selektiven Auswertung, dazu die weitere Arbeitsgebiete in die externe Verarbeitung zu übernehmen (zum Beispiel die gesamte Auftragsabwicklung), führte zu der Entscheidung, ein eigenes System zu installieren. Nach einer detaillierten Grundlagen- und Funktionsanalyze aller Unternehmensbereiche sowie der Entwicklung eines Sollkonzeptes durch einem Unternehmensberater wurde erkannt, daß die Probleme in unserem Hause durch die Installation eines arbeitsplatzorientierten EDV-Systems, das die Möglichkeit der Dialogverarbeitung im Multi-Programming gewährleistet, zu lösen sind.

Die Auswahl des Systems erfolgt in Anlehnung an die vom Unternehmensberater erarbeiteten Hardware-Anforderungen.

Heiner Kanning, Leiter Vertrieb, Geschäftszweig Rechenzentren, GfA exdata, Nürnberg

Ist Datenverarbeitung außer Haus angesichts der Entwicklung auf dem Sektor der Klein Computer aktuell? Wir meinen: Ja mehr als je zuvor, denn: Der Markt der Datenverarbeitung beschäftigt sich im Augenblick mit dem Preisverfall und den Leistungssteigerungen der Kleincomputer. Dies beschränkt sich aber nicht nur auf den Wettbewerb mit dem EDV-außer-Haus-Markt der klassischen Rechenzentren, sondern betrifft zumindest ebenso stark die "große" EDV wie auch die typischen Anbieter der mittleren Datentechnik.

Service-Rechenzentren, die in ihrer Handlungsweise unflexibel bleiben, treffen hier natürlich auf zunehmende Schwierigkeiten, denn allein mit Batch-Verarbeitungen für Buchhaltung und Lohn- und Gehaltsabrechnung sind kaum Lorbeeren zu verdienen.

Wir glauben, diese Markttendenzen schon frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert zu haben.

In Zusammenarbeit mit Verbänden und anderen überregionalen Organisationen der Wirtschaft sind Speziallösungen für eine bestimmte Zielgruppe entwickelt, die in den meistern Fällen so große Computerkapazitäten benötigen, daß sie mit Kleincomputern nicht oder nur unzureichend zu realisieren sind. Diese sogenannten Branchenlösungen enthalten zur Komplettierung selbstverständlich Finanzbuchhaltung und Lohn- und Gehaltsabrechnung.

Wesentliche Vorteile im EDV-außer-Haus-Markt gegenüber den Kleincomputerherstellern sehen wir darin, daß eine EDV-außer-Haus-Lösung problemlos ohne große Investitionen und zeitliche Verzögerung bei jedem Anwender eingeführt kann. Gerade die Zielgruppe der EDV-Erstanwender mit geringen EDV-Know-how und fehlendem EDV-Fachpersonal wird durch ausgereifte Service-Programme und intensive Betreuung, Organisation und Schulung der Mitarbeiter optimal bedient. Auf Dauer nutzt der Anwender kostenlos die ständigen. Programmverbesserungen und notwendigen Programmveränderungen bei neuen gesetzlichen Anforderungen und hat die Gewähr, nicht nur durch EDV-Spezialisten, sondern durch erfahrene Organisationsspezialisten betreut zu werden. Alle Probleme mit der immer schwieriger werdenden Personalsituation auf dem EDV-Markt nehmen wir dem Anwender durch unsere Mitarbeiter ab.

Carl Leisau, Inhaber der Firma Carl Leisau, Hamburg

Die Vorteile eines eigenen Computers gegenüber der "Außer-Haus-DV" sind meiner Meinung nach folgende:

- Die Mitarbeiter identifizieren sich eher mit einer eigenen Anlage, die sie täglich sehen und unter Umständen auch bedienen können als mit einem Rechenzentrum, das nur hin und wieder namentlich erwähnt wird, anonym und nicht greifbar ist. Die Entwicklung bei uns ist so weit gegangene, daß wir sogar auf den Einsatz eines Operators verzichten können. Jeder meiner Mitarbeiter wurde quasi als eine Art Operator ausgebildet und hat Zugang zum Computer.

- Ein weitere Vorteil ist die Einsatzhäufigkeit. Der eigene Computer kann jederzeit nach den betrieblichen Erfordernissen eingesetzt werden. Es müssen nicht alle vorliegenden Daten auf einmal eingegeben und entsprechende Programme gefahren werden. Das Timing bestimmen wir selbst und müssen uns nicht an den Terminen der Rechenzentren orientieren. Wichtige Geschäftsvorfälle können ohne Abstimmung mit einer weiteren Institution vorgezogen werden.

- Ebenfalls ein großer Vorteil ist die Einsatzbreite eines eigenen Rechners. Wir können beispielsweise auch kleinere Programme fahren, die bei einem Rechenzentrum in der Regel unwirtschaftlich und zu teuer wären.

- Das Personal eines Rechenzentrums ist nach unseren Erfahrungen mehr technisch ausgebildet als kaufmännisch. Es hat von den Aufgaben und der Struktur des Auftraggeber-Betriebes nur wenig Kenntnis und kann sich daher mit der Aufgabenstellung nur schwer identifizieren. Unsere Probleme werden von den eigenen Leuten am eigenen Computer besser gelöst, als ein Rechenzentrum sie jemals lösen könnte.

Der einzige, von mir errechnete Nachteil der eigenen Anlage ist der, daß ein Rechenzentrum billiger arbeitet. Aber durch die größere Effektivität und Flexibilität ist eigentlich der Kostennachteil aufgehoben.

Peter Pflüger, Inhaber der Heinrich Pflüger KG, Wunstorf

Bei vordergründiger Betrachtung ist die Datenverarbeigtungsanlage nur für den Rechnerhersteller wirtschaftlich. Einen Teil der Mehrkosten einer eigenen DV-Anlage kann man durch Einsparung in der Erfassung von Buchhaltungsdaten und durch ein geringeres durchschnittliches Zahlungsziel hereinholen. Interessant wird die DV-Anlage erst durch die zusätzlich möglichen Programme, wie Lagerbestandsüberwachung, Gehaltsabrechnung und Mahnprogramme.

Ein ganz wichtiger Punkt bei unserer Entscheidung für eine eigene DV-Anlage ist die Unzuverlässigkeit der Post, die häufig Briefe, die für uns bestimmt waren, anderen Firmen zustellte.

Es reicht eine fehlgeleitete Postsendung, um unsere gesamtem Kunden- oder Lieferantenadressen in andere Hände geraten zu lassen. Außerdem ist für den Postweg selbst mindestens eine Woche für Hin- und Rücksendung einzukalkulieren. Addiert man zu dieser Woche die Verarbeitungszeit des Datenverarbeitungsbetriebs und die vorangegangene Erfassungszeit im eigenen Betrieb, so kommt man auf etwa 14 Tage für eine Liste, in der die offenen Posten der Kunden verzeichnet sind. Eine dermaßen veraltete Liste für den Außendienst wertlos. Sehr ähnlich ist es bei den Mahnungen, die außer Haus geschrieben wurden. Bei der Betrachtung der Kosten einer DV-Anlage ist auch nur der Differenzbetrag zwischen einem guten Fakturierautomaten plus einem Erfassungsgerät für die Buchhaltungsdaten zu einer eigenen Anlage in Rechnung zu bringen.

In unserem Fall war zuvor das Erfassungsgerät für die Buchhaltungs- und Fakturdaten ein Locher, der das Geräusch einer mittleren Dampframme verursachte und dessen Verlust wir keineswegs nachtrauern.

Die Erfahrung, die wir bisher sammelten:

1. Die Fakturen sind acht bis zehn Tage früher erstellt.

2. Das durchschnittliche Zahlungsziel sank um zehn bis fünfzehn Tage.

3. Der Monatsabschluß ist 20 Tage früher fertig.

4. Eine Person (plus Pkw), die früher zirka drei Tage pro Woche mit dem Inkasso beschäftigt war, wurde überflüssig da der Außendienst mit entsprechenden Listen ausgestattet und, unterstützt durch regelmäßige Mahnungen, diese Arbeiten übernehmen konnte.

5. Die Buchhaltung wurde aus einem etwas unübersichtlichen Zustand herausgebracht -denn der Rechner zwingt zur Ordnung.

Peter Lange-Hellwig, Geschäftsführer, VDRZ - Verband Deutscher Rechenzentren e. V., Hannover

Wenn die rund 250 Service-Rechenzentren der Bundesrepublik auf einen Schlag die Computer abklemmten, wären die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft nur mit denen eines Generalstreiks vergleichbar Von den rund 1,5 Millionen Unternehmen in Deutschland dürften etwa 1 Million unmittelbare EDV-Anwender sein. Von dieser Million wiederum sind mehr als 900 000 Unternehmen computerlos, sie werden von den Service-Rechenzentren bedient.

Die stattliche Zahl von insgesamt 184 791 Computern - einschließlich kleinster Anlagen und Terminals - versperrt häufig den Blick auf die gesamtwirtschaftliche Durchdringung der EDV, die ausschließlich durch den Datenservice ermöglicht wird.

Wenn wir nur von der Hardware ausgehen, so ist allgemein bekannt, daß der Wirkungsgrad einer Produktionsmaschine um so höher ist, je größer sie gewählt wird. Bei Computer-Maschinen ist dies nicht anders. Schon aus dieser - rein hardwaremäßigen - Überlegung resultiert, daß ein Kleinbetrieb, wenn er partiell einen Großcomputer nutzt, besser fährt als mit einer eigenen Kleincomputeranlage.

Mit den sinkenden Hardwarepreisen und dem Ansteigen beziehungsweise der Kopflastigkeit der Folgekosten gewinnt die Bedeutung der Rolle der Service-Rechenzentren als ausgelagerte, gemeinsame Stabsabteilung einer Vielzahl von Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Gemeint sind insbesondere die steigenden Personalkosten und die noch mehr steigenden Anforderungen an die Qualifikation des EDV-Personals in Management und Bedienung. Auch die kleinste Anlage will bedient sein, das Argument der Kleincomputer-VBs, die Geräte seien so problemlos, daß jedermann sie ohne weitere Ausbildung schon mit dem einfachen Führerschein bedienen könne, kann allenfalls zur Erheiterung beitragen. Die Personalkosten für EDV-Beschäftigte stiegen in den letzten zehn Jahren um mehr als 300 Prozent, der Bundesdurchschnitt aller Beschäftigten dürfte bei 180 Prozent liegen.

Das Service-Rechenzentrum liefert die EDV-Auswertungen, die EDV-Beratung, das Maintenance für die Implementierung der Auflagen neuer Gesetze, Verordnungen und deren Änderungen vertragsgemäß, termingerecht und zu variablen Kosten.

Trotz dieser Überlegungen ist das Service-Rechenzentrum keineswegs die "Arme-Leute-EDV". Eine Vielzahl von Großunternehmen nutzt partiell das Spezialwissen und die. Spezialanwendungen des DV-Service. So kennen wir mehrere Fälle, in denen zu Beispiel die Lohn- und Gehaltsabrechnung für mehr als 10 000 Mitarbeiter in einem Service-Rechenzentrum abgewickelt werden, während der Auftraggeber selbst eine größere "inhouse-Anlage" besitzt.