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12.06.1992 - 

Integrationsbeispiel mit DECKienzle, IBM-Host und AS400

Macintosh-Anwendungen laufen in heterogenen Netzen

Der Apple Macintosh ist längst kein Dateninsulaner mehr. Er läßt sich dank einer Vielzahl von Netzwerkprodukten in heterogene Umgebungen einbinden. Das ebnete den Weg in Unternehmen und die öffentliche Verwaltung.

"Wer sich für einen Apple Macintosh entschieden hat, sitzt auf einer Dateninsel." Diese Mär - der Mac II mit seinen Steckplätzen führte sie ad absurdum - trieb lange Zeit die kuriosesten Blüten. Wer in Unternehmen unbedingt mit einem Macintosh arbeiten wollte oder mußte, dem blieb manchmal nichts anderes übrig, als den Rechner auf den Etat für Büromöbel zu buchen.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Und vorbei sind auch die Zeiten, in denen der Macintosh hauptsächlich von Werbeagenturen und Grafikern, also im DTP-Bereich, eingesetzt wurde. Mehr und mehr öffnen sich auch (Groß-)Unternehmen und Behörden dem Macintosh.

Wichtigstes Thema dabei ist die Integration der Macs in die bestehende Rechnerumgebung, also die Anbindung an Großrechner und an Computer der Mittleren Datentechnik sowie natürlich die Einbindung in PC-Netzwerke.

Daß das kein Problem mehr ist, beweist unter anderem die schleswig-holsteinische Gemeinde Harrislee, direkt an der dänischen Grenze gelegen. Im Verwaltungbereich hat diese Gemeinde eine große Aufgaben zu lösen. So hat sich die Einwohnerzahl von 5241 im Jahre 1961 auf 10 825 im Jahre 1991 mehr als verdoppelt. Im gleichen Zeitraum siedelten sich 124 Gewerbebetriebe an, davon 25 Betriebe aus Skandinavien, insgesamt 1634 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Das Haushaltsvolumen wuchs in dieser Zeit von 1 Million auf rund 37 Millionen im Jahre 1991. Dieser Zuwachs will verwaltet werden - und in Harrislee gleich zweisprachig, denn die Gemeinde hat zahlreiche Einwohner dänischer Staatsangehörigkeit.

Das DV-gestützte Verwaltungskonzept wurde mit einem Macintosh-DEC-Kienzle-Netzwerk verwirklicht. Bereits 1983 wurde die DV, basierend auf Unix und Hardware von DEC und Kienzle, in den Bereichen Einwohnermeldeamt und Finanzabteilung eingeführt. In allen anderen Bereichen arbeitete man zunächst noch konventionell.

Datentransfer problemlos möglich

Als auch die anderen Verwaltungsbereiche umgestellt werden sollten, fiel die Wahl auf den Apple Macintosh. Heute kommen in Harrislee 25 Macs zum Einsatz und das Netz wird ständig ausgebaut. Seit Anfang 1992 kommuniziert das Macintosh-Netz über eine Ethernet-Verbindung mit dem Unix-System von DEC-Kienzle. Jeder Macintosh läßt sich im Netzwerk wie ein DEC-Kienzle-Terminal nutzen, und auch der Datentransfer zwischen beiden Rechnersystemen ist möglich.

Die Netzverbindung erstreckt sich über alle drei Etagen des Bürgerhauses, in dem die Gemeindeverwaltung untergebracht ist. Im Appletalk-Netz angeschlossen sind elf Macintosh SE, zehn Macintosh LC, drei Macintosh Plus und ein Macintosh IIci als Server. Eingebunden sind auch Ausgabegeräte wie zwei Laserwriter NTX, ein Laserwriter Plus, drei HP Deskwriter. Das Appletalk-Netz hat über Ethernet Zugang zum Kidan-Netz der DEC-Kienzle-Anlage, in dem der Großrechner PCS sowie elf DEC-KienzleTerminals miteinander verbunden sind.

Alle Anwendungen in dem Konzept werden mit herkömmlichen Softwareprogrammen durchgeführt, die auf die Anforderungen der Gemeinde zugeschnitten sind: Hypercard, Omnis und Filemaker Pro als Grundlage für Datenbanklösungen, Ragtime 3 für Textverarbeitung, Kalkulation und Statistik sowie Macterminal zur Kommunikation mit der Datenbank Juris. Eingesetzt werden die Systeme außer bei der Organisation von Wahlen in den Bereichen Schreibdienst und Formularwesen, in der kommunalen Wohnungsvermittlung sowie der Erstellung des Haushaltsplanes, bei der die Macs und die DEC-Kienzle-Systeme besonders intensiv zusammenarbeiten.

Die Planung und Realisierung dieses Netzwerkes erfolgte in Zusammenarbeit von Peter Schmehl, Leiter der Datenverwaltung in Harrislee, und Werner Diekmann vom Systemhändler Computer Laser Center Nord GmbH.

Auf den Wunsch von Unternehmen und Behörden nach Unterstützung bei der Konzeption und Installation von Netzwerken baut auch die Darmstädter Unternehmensberatung MHE, die sich auf die Bereiche Office Automation und DTP spezialisiert hat, beides Anwendungen, die ab einem gewissen Volumen ohne Netz nicht vorstellbar sind.

MHE-Geschäftsführer Ulrich Heimes gibt sich optimistisch: Die zentralen DV-Abteilungen großer Unternehmen konzentrieren sich oft auf Großrechner und Terminals, seltener auf gemischte Netzwerke. Deshalb werden häufig Berater eingesetzt.

Ein MHE-Klient ist die ebenfalls in Darmstadt ansässige BTS Broadcast Televisions Systems, eine Tochtergesellchaft von Philips und Bosch. Das Unternehmen beschäftigt im deutschen Hauptquartier rund 1200 Mitarbeiter. Weitere 800 werden in Einrichtungen in Salt Lake City im amerikanischen Bundesstaat Utah sowie im niederländischen Breda eingesetzt.

Bei BTS kommunizieren mehrere 100 Terminals mit Großrechnern der 42xx-Serie von IBM. In einer Zone dieses Netzwerks verrichten 13 Macs und drei PCs ihren Dienst. Diese sind über Gateways von Tri-Data mit dem IBM-Host verbunden, wobei jeder Arbeitsplatz direkten Zugriff auf die Host-Daten hat. Alle Macs und PCs können auf die ins Netz eingebundenen Drucker, je einen Laserwriter IIf und NTX, zugreifen.

Ein Macintosh in diesem Netz fungiert als Server und hat zwei hauptsächliche Aufgaben. Über diesen Server wird die zentralisierte, automatische Datensicherung abgewickelt, als Sicherungsgerät kommt ein DAT-Streamer mit 2 GB Kapazität von Wang zum Einsatz.

Ein Macintosh als Server ist, so Heimes, deshalb nötig, weil zwar die PCs jeden Macintosh als Server akzeptieren, nicht aber umgekehrt. Die zweite Funktion des Servers ist der zentrale Versand von Fax-Mitteilungen. Der Filetransfer spielt derzeit noch eine eher untergeordnete Rolle.

Die von MHE gespielte Zukunftsmusik klingt gut. So soll auf einem via Novell Netware eingebundenen Server eine relationale Datenbank vorgehalten werden. Eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht gefällt, gute Chancen hat jedoch Oracle.

Eine perfekte Arbeitsplanung notwendig

Dabei soll über eine Remote-Lösung beispielsweise auch den BTS-Niederlassungen in Salt Lake City und Breda die Nutzung der Datenbank ermöglicht werden.

Auf die Datenfernübertragung ist auch die in München ansässige Firma Schreiner Etiketten und Selbstklebetechnik angewiesen. Das mittelständische Unternehmen mit 130 Mitarbeitern bietet außer Etiketten für die Pharmaindustrie und technische Branchen auch Spezialprodukte wie ein spezielles Papier für Reinräume an, die in einer ausgelagerten Fertigungsstätte in Oberschleißheim bei München produziert werden.

Das Unternehmen wickelt pro Jahr zirka 10 000 Aufträge mit einem Durchschnittswert von 3000 bis 5000 Mark ab. Um die optimale Auslastung der Maschinen zu gewährleisten, ist eine perfekte Arbeitsplanung notwendig.

30 Macs im unternehmensweiten Ethernet integriert

Die ursprünglich bei Schreiner im Auftragswesen eingesetzte Lösung von Mannesmann-Kienzle wurde vor einiger Zeit aus Kapazitätsgründen gegen eine AS/400 von IBM ausgetauscht. Mit ein Grund dafür war die Verfügbarkeit einer speziellen Software für Druckereien. Für den Einsatz der Mittleren Datentechnik entschied man sich, weil man keine entsprechend leistungsfähige Lösung auf PC-Basis fand.

Dem DV-Team um Leiter Jochen Knapp war dabei klar, daß nur das Auftrags- und Rechnungswesen auf der AS/400 erledigt werden sollte. Für die übrigen Bereiche wollte man vernetzte, dezentrale Arbeitsstationen einsetzen.

Die Macs kommunizieren über das Gateway Netaxcess von Andrew NPG via zwei Server mit der AS/400. Der lokale Server ist ins Ethernet eingebunden und ordnet seine bis zu 21 Sessions teils dediziert zu, teils hält er sie dynamisch.

Schreiner unterhält ein eigenes Schulungszentrum, dessen Print- und Fileserver sowie rund 30 Macs in das unternehmensweite Ethernet eingebunden sind. Der Zugriff auf die AS/400 erfolgt über eine 5395-Steuereinheit von IBM und Datex-P.

Der Zugang zum Localtalk-Netz, in dem Drucker sowie ein Belichter von Linotype hängen, erfolgt für die Benutzer vollkommen transparent über Gateways. Nach und nach sollen auch diese Ausgabegeräte ins Ethernet integriert werden.

Die in der entfernten Produktionsstätte stationierten Macs hängen an einer 5395-Steuereinheit und sind, mit Twinax-Karten ausgerüstet, ebenfalls in das Netz eingebunden.

Probleme hatte man bei Schreiner während der Installation des Localtalk-Netzes. Ein Kritikpunkt waren die Adapter, auch der alte Adapter des Belichters harmonierte nicht mit den anderen Stationen. Zu vertrauensselig war das DV-Team darüber hinaus bei den Herstellerangaben über die maximale Kabellänge und die Anzahl der Anschlüsse. Man hat, so Knapp, einiges Lehrgeld bezahlt, bevor alles einwandfrei lief. Anders beim Ethernet, wo mit der Installation des letzten Anschlusses keine Probleme mehr auftraten.

Die unter dem Strich positiven Erfahrungen mit der Macintosh-Anbindung lassen auch das DV-Team von Schreiner Zukunftspläne schmieden. So soll auch der Außendienst, ausgerüstet mit Macintosh-Laptops, mit der Zentrale kommunizieren können.

*Monika Thiel ist freie Journalistin in München. Stefan Horst ist Journalist und Inhaber der Conga-Medien-Kanzlei, München.