Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.07.1993

Macintosh-Schmiede wird komplett umstrukturiert Spindlers erste Tat: 2500 Leute werden Apple verlassen muessen

CUPERTINO (IDG) - Noch fliessen die Informationen ueber die Reorganisation im Hause Apple spaerlich. Sicher ist nur, dass kuenftig 2500 Mitarbeiter weniger fuer den kalifornischen Hersteller arbeiten werden.

Von der Entlassungswelle - knapp zwei Wochen nach Spindlers Ernennung zum CEO angekuendigt - sind in Europa rund 400 Angestellte betroffen. Besonderes Augenmerk bei der Restrukturierung liegt offenbar auf Apples Enterprise Systems Division (ESD), die stark verkleinert, wenn nicht sogar ganz aufgeloest werden soll.

Die Reorganisation, ueber die Apples Strategen bereits seit dem 9. Juni beraten, duerfte nach Informationen der CW- Schwesterzeitschrift "Computerworld" nicht nur den bisher sakrosanten Bereich Forschung und Entwicklung betreffen (siehe auch CW Nr.28 vom 9. Juli 1993, Seite 23: "Fuer neuen Apple-Chef Spindler steht ein hartes Sparprogramm an"). Nach Angaben von Apple werden auch organisatorische Veraenderungen vorgenommen. "Die gesamte Organisation des Konzerns wird veraendert", erklaerte eine Sprecherin der Apple Deutschland GmbH. Ueber Einzelheiten der Restrukturierung sagte sie unter Hinweis auf in Kuerze zu erwartende Veroeffentlichungen jedoch nichts.

Im Zuge der Veraenderungen koennte Insidern zufolge jedoch die erst vor zwei Jahren geformte Enterprise Systems Division (ESD) unter die Raeder geraten, die vor allem Server-Systeme entwickelt und sie zusammen mit Netzwerkprodukten an Grosskunden verkaufen soll. "Es gibt Geruechte, dass ESD aufgeloest wird", erklaerte IDC-Direktor Brent Williams. Das mache zwar wegen der Finanzsituation Sinn, "aber es kostet Apple Glaubwuerdigkeit" bei Konzernkunden, fuegte der Analyst hinzu. Netzwerkprodukte duerften hingegen im Angebot der Mac-Schmiede verbleiben, sollen aber in die Verantwortung von verschiedenen Divisionen fallen, so Branchenkenner.

Chris Le Tocq, Servicedirektor bei Infocorp, Santa Clara, haelt eine moegliche Zerschlagung von ESD ebenfalls fuer falsch: "Es waere kontraproduktiv, wenn Apples Anstrengungen, im High-end-Sektor Fuss zu fassen, ihren Fokus verloeren.

Unternehmensnahe Quellen gehen jedoch von einer weiteren Diskussion ueber dieses Thema aus. "Es ist noch nichts definitiv entschieden", sagte ein Insider.

Nach Informationen der "Computerworld" empfindet Spindler ESD deshalb als Dorn im Auge, weil es der Gruppe nicht gelungen sei, den Grosskundenbereich so schnell zu penetieren, wie man gehofft hatte. Ausserdem wuerden einige US-Konzerne darueber nachdenken, ob sie Kaeufe von Mac-Rechnern nicht zurueckstellen sollen.

Welche Divisionen der Company von den Entlassungen betroffen sein werden, die sich auf 16 Prozent der 16 000 Mann starken Gesamtbelegschaft erstrecken, ist noch nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die blauen Briefe sehr kurzfristig verschickt werden duerften. Vermutlich finde der Stellenabbau aber in erster Linie im Vertrieb und in der Verwaltung des Herstellers statt, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Industrieanalysten.

Um die Kosten abzudecken, muss Apple das Ergebnis des dritten Quartals mit einer ausserordentlichen Ausgabe von wahrscheinlich 250 bis 300 Millionen Dollar belasten.

Die Situation des Mac-Herstellers war in den vergangenen Monaten schwieriger geworden, weil einerseits der Preiskrieg unter den PC- Anbietern an Intensitaet weiter zunimmt und damit auf die Margen und Profite drueckt. Andererseits lassen neue Technologien wie der bereits lange angekuendigte Personal Communicator Newton nach wie vor auf sich warten. "Die Entlassungen sind notwendig, um Gewinn- und Umsatzwachstum zu beschleunigen", so die offizielle Erklaerung von Apple.