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27.06.1975 - 

European Computer Services Conference

Märkte, Prozente, Chancen

"Service-Rechenzentren aller westeuropäischen Länder, vereinigt Euch! So werdet Ihr zum Gesprächspartner für die Brüsseler Europa-Strategen." Dies etwa war die Botschaft von Christopher Layton, bei der EG Oberster Planer eines europäischen "Plan Calcul", zur Eröffnung der ECSC 75 in Brüssel.

Die European Computer Services Conference war ein Erfolg. Es besteht eine gute Chance, daß sich die ECSC als wichtigste europäische Veranstaltung für die Computer Services Branche etablieren wird.

Aus fünfzehn Ländern kamen immerhin 163 RZ-Fachleute, um sich in mehreren Workschops zwei Tage lang intensiv mit Internationalen Problemen der Service-Rechenzentren auseinanderzusetzen.

BRÜSSEL - Eingeladen hatten die nationalen Verbände VDRZ (Deutschland), CSA (Großbritannien), INSEA (Belgien), FDE (Dänemark) und COSSO (Niederlande).

Die Teilnehmerstruktur war jedoch noch nicht ausreichend repräsentativ. Sehr stark vertreten waren britische Unternehmen. Sie machten über ein Drittel der beteiligten Firmen aus (46). Deutsche (12), niederländische (13) und belgische Unternehmen (13) stellten gemeinsam das zweite Drittel.

Der Rest verteilte sich auf 11 weitere Nationen. Aus Frankreich kamen nur 4 Firmenvertreter.

Definitionsprobleme

Konferenzsprache war Englisch. Daran kann es jedoch nicht gelegen haben, daß erhebliche Verständigungsgeschwierigkeiten auftraten. Zum Beispiel, als es um die Frage ging, was denn nun eigentlich unter "Computer Services" zu verstehen sei. Datenerfassungs-Services, der Verkauf von Software-Paketen, Auftragsprogrammierung, Facilities Management und andere Dienstleistungen wurden in recht unterschiedlichem Maße der

Branche Computer Services zugeordnet. Besonders in Deutschland ist das Service-Angebot der Freien Rechenzentren relativ breit gestreut.

Der Zwang zur Diversifikation ergibt sich hierzulande allein dadurch, daß bei der unübersehbar geringen Nachfrage für Datenverarbeitung außer Haus eine Spezialisierung auf eine oder zwei Service-Arten unwirtschaftlich ist.

Ein wenig erfolgreicher sich in den letzten Jahren die Spezialisierung in Hinblick auf Branchen und Anwendungen zu sein. Insgesamt gesehen überwiegt bei deutschen Service-Rechenzentren Unsicherheit bei der Frage, mit welchem Service-Angebot man in Deutschland erfolgreich und das heißt, unter anderem, profitabel, arbeiten kann.

Optimismus auf schwacher Basis

Optimismus kann man den Service-Rechenzentren nicht absprechen. In Brüssel wurden statistische Zahlen und Prognosen verarbeitet, die einen neutralen Beobachter in Erstaunen versetzen mußten.

Amon Aviner, Hamburg, legte als einer der Hauptredner zum Thema "Marketing Strategy" umfangreiches statistisches Material vor über die gegenwärtige Struktur des Marktes in Deutschland. Der Anteil der externen EDV am Gesamt-EDV-Markt wäre demnach sehr hoch. Zum Beispiel sind laut Aviner 88 Prozent EDV-Benutzer im Handel (mit mehr als 10 Beschäftigten) Firmen, die DV außer Haus nutzen. Im Bereich Energieversorgung und Bergbau sollen gar 59 Prozent aller Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten DV außer Haus betreiben. Solche Werte sind nicht repräsentativ für das ganze Bundesgebiet. Leider wurde in Brüssel versäumt zu erwähnen, daß diese Zahlen bestenfalls für Bayern Gültigkeit haben und dort auch nur für Gebiete außerhalb der Ballungszentren. Eine entsprechende Untersuchung hatte 1973 das bayerische Wirtschaftsministerium und der Landesverband der bayerischen Rechenzentren durchführen lassen.

Zukunftsmärkte

Interessante Vorschläge konnte man in Brüssel von M. Stevenson (Quantum Science) hören. Er äußerte die Ansicht, daß Service-Rechenzentren nicht die Konkurrenz kleiner kommerzieller EDV-Systeme als Alternative zur DV außer Haus zu fürchten hätten Vielmehr könne es ein Zukunftsgeschäft sein, als OEM-Vertreter für diese Produkte aufzutreten und den Anwendern Turnkey-Systems anzubieten, die mit dem Service-Rechenzentrum verbunden sind.

Einen zweiten Zukunftsmarkt sah Stevenson im sogenannten Electronic Mailing.

Dieser Markt, der in der Tat in den USA gegenwärtig diskutiert wird und praktisch eine neue Form der gegenwärtig verfügbaren Kommunikationsangebote der Post darstellt, erscheint in Deutschland in naher Zukunft illusorisch. Es ist kaum anzunehmen, daß der Monopolist Bundespost es Privatunternnehmern gestatten wird, EDV-Kommunikationsnetze als Ersatz für die konventionelle Kommunikation (Brief, Telex etc.) aufzubauen.

Europa hinkt hinterher

Der US-Markt ist im Vergleich zu Europa in vieler Hinsicht wesentlich weiter entwickelt. Während Dienstleistungen, wie zum Beispiel Facilities Management in Europa noch nahezu unbekannt sind, ist dieser Geschäftszweig in den USA bereits der mit Abstand größte im EDV-Service-Markt. Ähnliches gilt für die sogenannten NIS Network Information Services. Der Umsatz in diesem Bereich ist in USA fast dreimal größer als in Europa.

Anders dagegen sieht es im Markt für Software Services aus. Hierzu zählen Auftragsprogrammierung und die Vermietung von EDV-Fachleuten, - ein Geschäft, von dem die größten EDV-Beratungsunternehmen in Deutschland noch immer leben. Quantum Science schätzt, daß in Europa für solche Dienstleistungen 50 Millionen Dollar mehr an Jahresumsatz erreicht wurden als in den Vereinigten Staaten. Diese Schätzung ist in bezug auf die Relation sicher gut, denn man weiß, daß auf der anderen Seite Software-Pakete in den USA seit Jahren wesentlich erfolgreicher vermarket werden.