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13.03.1981 - 

Trentinian fordert für Softwareproduzenten der Komponistenstatus:

Mäzene finanzieren kreative Software

DÜSSELDORF (je) - Die Vergabe von Information sollte schleunigst mit einer dazu adäquaten Gebühr verbunden werden, verlangte Comte Marc de Trentinian in seinem Referat "Wer schützt unser Wissen?" anläßlich der zurückliegenden Trainingskonferenz der Polymedia GmbH in Düsseldorf. Trentinian, Geschäftsführer der Münchener Siclos GmbH, wies warnend auf die großen Summen hin, um die es bei den Innovationen der westlichen Industrieländer gehe, und auf den allzu leichten Know-how-Transfer mittels der modernen Kommunikationsmittel.

Geradezu in eine Kassandra-Rolle begibt sich Trentinian mit dem Satz: "Die Geschichte zeigt am Beispiel von Ägypten, Hellas und dem Römischen Reich deutlich genug, daß man Ideen haben, sie sogar erfolgreich übertragen und dennoch untergehen kann." Die westliche Welt, warnt der Adlige, fängt sehr langsam an zu begreifen, daß die optimistische Vorstellung, das Tempo des Fortschrittes könne ausreichen, um die Auswirkungen des Innovationstransfers an nicht innovationsreiche Länder auszugleichen, nicht der Realität entspricht.

Entgegen manchen sehr zurückhaltenden Traditionen bezüglich der Verbreitung heimischer Techniken sehe unsere westliche Gesellschaft offenbar eine Art großzügiger Spende in der Verbreitung der Kreativität einiger weniger Mitglieder, die allerdings nicht gefragt wurden, ob sie damit wirklich einverstanden seien.

Man verfahre in dieser Hinsicht so lasch, konkretisiert Trentinian, daß "die Japaner dabei sind, uns mit unserem eigenen System zu schlagen, indem sie mehr Geld aus den bei uns angemeldeten Patenten bekommen als wir selbst und Spezialisten verfallene, also inzwischen ungeschützte Ideen anderer hervorholen, die sie dann unter Berücksichtigung neuer Technologien als eigene Patente eintragen lassen."

Die Finanzvolumina dieses Szenarios skizziert Trentinian folgendermaßen: Auf europäischer Ebene betragen die Kosten für die Forschung rund zwei Prozent des jeweiligen Bruttosozialproduktes; in den Vereinigten Staaten beläuft sich der entsprechende Betrag auf 2,3 Prozent. Dies bedeutet, daß etwa fünf Prozent des Umsatzes sämtlicher Unternehmen - anders ausgedrückt zirka die Hälfte des Kapitals sämtlicher westlicher Unternehmen - für die Innovation ausgegeben wird.

Es handelt sich hierbei um Beträge, die in der gleichen Größenordnung liegen wie der Gewinn, den alle Unternehmen erwirtschaften, oder die den Kosten für die Begleichung der Ölimportrechnung entsprechen - zumindest bis 1978 (32 Milliarden Mark). Rechnet Trentinian vor: "Diese Investitionen, wenn man sie noch so nennen darf, werden im günstigsten Falle nach geltendem Gesetz in 20 Jahren abgeschrieben sein und bis dahin für maximal 100 000 Mark pro Jahr weltweit verbreitet, so daß die Interessenten die schwachen Schranken des Gesetzes eifrig umgehen können."

Träger und Inhalt

Auf dem Gebiet der Informatik - Trentinian versteht darunter getreu der französischen Herkunft des Begriffs sowohl die kaufmännische Datenverarbeitung als auch die Verarbeitung von Bild und Ton und sämtliche Analog- und Digital-Automatisierungstechniken - ist nach Beobachtungen des Münchners ein rascher Übergang zur Masssenproduktion festzustellen, wobei der Verkaufspreis pro Einheit rapide sinke und der prozentuale Anteil der Komponententeile (Hardware) am Verkaufspreis stark abnehme. Es wird in diesem Zusammenhang immer sinnvoller werden, meint Trentinian zwischen Träger und Inhalt zu unterscheiden, "Begriffe, die mir persönlich geeigneter erscheinen als Hardware und Software".

Dabei sollte man, schlägt er vor, vielleicht noch weiter unterscheiden zwischen festgelegtem Inhalt (gefertigte EDV-Programme und kommerzielle Filme) und vom Konsumenten selbst hergestellten Inhalten. Diese Unterscheidung sei wichtig, weil damit klarer dargestellt werden könne, wo die von den Softwarehäusern angebotenen Produkte in bezug auf den gesamten Markt angesiedelt seien.

Trentinian setzt seine Hoffnung darauf, daß aufgrund einer Normierung der Träger, der Verbreitung von Lesegeräten sowie der Verbesserung der Kommunikation Neuheiten von Rang sich auf internationaler Ebene schneller und häufiger durchsetzen können. Als Konsequenz dessen ergibt sich nach seiner Einschätzung, daß die Vertriebsfunktion in den Händen solcher Firmen bleiben wird, die bisher erfolgreich Geräte und Träger verkauft haben.

Diese Firmen - so Trentinian - werden mit denjenigen Partnern Verträge abschließen, die für ihre Kreativität bekannt sind und diese immer häufiger vorfinanzieren müssen. Weiterhin werden letztere Firmen dann am besten abschneiden, wenn sie sich die freiberufliche Mitwirkung von Spitzenkräften - Beispiele: Ichbiah (Ada) oder Iverson (APL) - sichern.

Zwischen der Lage eines Schriftstellers oder eines Komponisten und der Lage eines Freiberuflers oder eines Unternehmens, welches ein Software-Produkt herstellt besteht ein verheerendes Mißverhältnis, philosophiert Trentinian, "obwohl eine Komposition im Grunde nichts anderes ist als eine Art von Programm". Gerade hier müßte man von der traditionsreichen Gesetzgebung und Rechtsprechung profitieren können, um zu einer Reglementierung der Programm-Copyrights zu gelangen.

Dabei sollte besonderes Gewicht auf die Kompositionen "nach einem Thema von..." gelegt und eine gewisse Proportionalität eingehalten werden bezüglich der Anzahl derjenigen Statements, deren Verwertung verschiedenen Autoren gleichmäßig zuzurechnen wäre.

Weiter fordert Trentinian: Da ein unkontrollierter Ideenfluß über die Grenzen hinweg finanzielle Konsequenzen gleicher Größenordnung nach sich ziehen würde, wie sie die Beträge darstellen, die deutsche Bürger für Auslandsreisen ausgeben, müßten hier schleunigst Maßnahmen getroffen werden, um die Vergabe der Informationen mit einer dazu in Relation stehenden Gebühr zu verbinden.

Informationsentbündelung

Dies würde- so Trentinians Vision - zu einer beschleunigten Abschaffung von Büchern und Zeitschriften zugunsten von DB/DC-Systemen führen und es ermöglichen, einzelne Informationen auch gezielt zu liefern (und in Rechnung zu stellen).

Wie Trentinian zu wissen vorgibt, sind Schöpfungen und Erfindungen (...)nächst selten für die Massenproduktion gedacht". Demgemäß, spinnt er den Faden fort, brauchen auch die Softwarehäuser "genügend Spielraum, um ihre Leistungen zunächst einigen Mäzenen anbieten zu können, so daß Systeme wie das für die Olympischen Spiele von München zustandekommen können und nebenbei auch solche Mona-Lisa-ähnlichen Perfektionen wie ´Utidoc´ entstehen". (Utidoc ist ein Siclos-eigenes Softwareprodukt.)