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26.03.1982 - 

Frankfurter MDT-Anbieter fühlt sich durch Wettbewerber-Referenten angegriffen:

MAI: Einstweilige Verfügung gegen Usergroup

BASEL/FRANKFURT - Mit einer "Einstweiligen Verfügung" ließ die MAI Deutschland GmbH. Frankfurt, jetzt ein geplantes Anwendertreffen der Benutzergruppe IGMA (Interessengemeinschaft der MAI-Basic/fourAnwender e. V.) platzen. Da die Veranstaltung unter das Thema "AIternativen zu MAI" gestellt wurde, wertete der Frankfurter MDT-Anbieter das IGMA-Treffen als Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz. MAI-Benutzer reagieren auf die Maßnahme ihres Herstellers sauer. "Wenn dieses Beispiel Schule macht", erklärt IGMA-Vorstandamitglied Dr. Paul Kuhn, "ist die Existenz jeglicher Anwendervereinigungen aufs stärkste gefährdet."

Das IGMA-Team hatte zwar für seine Veranstaltung kräftig die Trommel gerührt, war aber dennoch überrascht von der "außergewöhnlichen Resonanz", die die Einladung auch bei MAI-Benutzern hervorrief, die nicht der User-Gruppe angehören. Konnte die deutsch-schweizerische Interessengemeinschaft bisher nur jeweils eine Handvoll Anwender für ihre Treffen mobilisieren, so schienen diesmal insbesondere zwei Themen von Brisanz zu sein: Systemalternativen zu MAI und Wartung durch fremde Anbieter.

Den 72 angemeldeten DV-Chefs sollten bei dieser Gelegenheit Anlagen vorgestellt werden, für die jetzt auch die MAI-Programmiersprache Business Basic verfügbar ist. Da diese Sprache bisher ausschließlich auf der Hardware des Frankfurter MDT-Anbieters lief, konnte dieser sich jahrelang ein Monopol sichern. Inzwischen sind aber auch Mitbewerber auf den Business-Basic-Zug aufgesprungen, wie etwa die IBM mit ihrem System /1, Data General, Commodore oder der Newcomer Fortune mit seinem 32-Bit-Supermikro. Produkte dieser Hersteller sollten am 23. und 24. März 1982 im Hotel Sonnenhof in Königstein den MAI-Benutzern vorgestellt werden.

Der massive Aufmarsch dieser Konkurrenz erschien dem MAI-Management offenbar als bedrohlich. Man sah wohl Parallelen zum EDV-Benutzerverband in Pfreimd, gegen den die Frankfurter kürzlich ein Urteil erwirkten, das den Bajuwaren untersagte, unter dem Mantel eines eingetragenen Vereins MAI-Zubehör zu vertreiben (CW berichtete darüber in der Ausgabe 9 vom 26. 2. 1982, Seite 37). Auf der Referenzliste der IGMA tauchte nämlich ein Name auf, der den Frankfurtern schon lange ein Dorn im Auge ist: Günter W. Bertlein, der als Chef des Pfreimder "Benutzerkreises" das MDT-Haus seit längerem mit Benutzerforderungen attackierte. So konstatiert denn im nachhinein auch MAI-Geschäftsfuhrer Helmut Schneider, daß die Mitwirkung von "Bertlein & Co." der eigentliche Anlaß für die einstweilige Verfügung gegen die Veranstaltung gewesen sei. Der Pfreimder EDV-BV-Chef, so Schneider, würde in seinem IGMA-Referat ausschließlich seine eigenen kommerziellen Interessen vertreten die sich gegen MAI richteten.

Vom IGMA-Vorstand werden Schneiders Behauptungen als reine Unterstellung zurückgewiesen. Wie das vom Baseler Vereinssekretariat aus agierende Vorstandsmitglied Kuhn erläutert, hätte es sich bei Bertleins Vortrag um eine rein sachliche Darstellung der MAI-Zubehör-Situation gehandelt.

Die beim Frankfurter Amtsgericht erwirkte Verfügung schlug denn auch bei der deutsch-schweizerischen Anwender-Allianz wie eine Bombe ein. Das Verbot ist nach Ansicht von Kuhn "einmalig in der DV-Geschichte". Wettert der IGMA-Sekretär: "Hier passiert etwas, was man sich vom Hersteller auf gar keinen Fall gefallen lassen darf." Wenn MAI damit durchkomme, könnten die DV-Anbieter künftig in beliebiger Weise mit den Anwendern umspringen - und diese wären absolut machtlos.

Entrüstung hat der Schritt der MAI Deutschland GmbH auch bei anderen IGMA-Mitgliedern hervorgerufen. Der Vereinsvorsitzende Werner Schmidt ist überzeugt, daß die einßweilige Verfügung jeglicher Grundlage entbehre. Der Eschborner MAI-Benutzer erklärt den "juristischen Angriff" seines Herstellers mit der momentanen geschäftlichen Situation. Die Einbußen innerhalb des letzten Geschäftsjahres sowie die zunehmende Mikro-Konkurrenz hätten dazu geführt, daß die Frankfurter "emotionell" reagierten. Schmidt: "Die MAI-Geschäftsführung hat es sich selbst zuzuschreiben, daß sie mit uns heute auf Konfrontation steht."

Ungereimt bleibt indes, warum MAI der IGMA verbieten will, die Bezeichnung "MAl-Basic/four-Anwender" auf ihrer Fahne zu führen, obwohl die Benutzergruppe dies sieben Jahre lang ungestraft tun durfte. MAI-Chef Schneider gibt sich in diesem Punkt jedoch schon wieder versöhnlich. Die Anwälte seien hier etwas übereilt vorgegangen, sagt der MDT-Profi. Die IGMA dürfe ihren Namen beibehalten.

Verärgert über den "Rechtsmißbrauch der MAI"' (IGMA-Originalton) sind zwei weitere Benutzer. Walter Stich, DV-Leiter der Eisenbau Häupler GmbH in Weißenburg, der als MAI-Anwender an der Königsteiner Tagung teilnehmen wollte, sieht sich von seinem Hersteller "massiv unter Druck gesetzt". Er habe das Treffen als reinen Erfahrungsaustausch aufgefaßt und keineswegs als Verkaufsveranstaltung, wie es die MAI jetzt darzustellen versuche.

"Vor den Kopf geschlagen" fühlt sich auch Peter Sattler, Gesellschafter der Münchner Kopieranstalt Ernst Sattler GmbH und eigenen Angaben zufolge "MAI-Anwender der ersten Stunde. Es sei ihm unklar, was die Frankfurter mit dem "Versammlungsverbot" bezweckten. Das MAI-Argument der Wettbewerbsschädigung ist nach Auffassung des Münchners San den Haaren herbeigezogen". Auf einer außergewöhnlichen Sitzung will nun in diesen Tagen der IGMA-Vorstand beraten, wie er gegen den Frankfurter MDT-Anbieter vorgehen soll. Die User-Gruppe in einer Pressemitteilung an die COMPUTERWOCHE: "Wir werden diesen Rechtsmißbrauch der MAI Deutschland nicht auf uns sitzen lassen, geeignete Schritte einleiten und uns energisch zur Wehr setzen. Wie mit Bertlein kann MAI mit uns nicht umspringen."

Sicher scheint, erläutert Kuhn, daß zunächst gegen die einstweilige Verfügung angegangen werde. Zusätzlich sei geplant, in Form einer Schadenersatzklage entsprechende Forderungen gegen die Frankfurter zu erheben. Was die geplatzte Veranstaltung betrifft, beabsichtigt die IGMA, ihrem Hersteller ein Schnippchen zu schlagen: Das Meeting soll in der Schweiz nachgeholt werden.