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Frankfurter MDT-Anbieter ärgert sich über BB4-Boykottaufruf:


26.02.1982 - 

MAI verpaßt EDV-Benutzerverband Maulkorb

FRANKFURT/PFREIMD - Ursprünglich nur als "Ideal"-Verein gegründet machte der EDV-Benutzerverband in Pfreimd schließlich von sich reden, als er mit dem Vertrieb von MAI-Produkten beachtliche Gewinne schaufelte. Als die Pfreimder obendrein den Frankfurter MDT-Anbieter durch Kundenbriefe attackieren ließen, zog der vor den Richter. Justitia untersagte dem Verbandsteam, welterhin Geschäfte unter dem Mantel des "eV" zu betreiben.

Die Idee von Günter W. Bertlein war einfach, aber dennoch faszinierend. Er gründete 1977 einen Benutzerverband, scharte eine stattliche Anzahl von Anwendern um sich und verkaufte ihnen Zubehör für ihre DV-Anlagen. Bereits ein Jahr nach dem "rein anwenderbezogenen" Vereinsdebüt konnte der gelernte Physiker eigenen Angaben zufolge die erste Umsatzmillion verbuchen. Bertlein beschränkte sein Geschäft überwiegend auf MAI-Anwender. Hier hatte der Vorstandsvorsitzende - früher selbst MAI-Benutzer - das größte Know-how und die besten Kontakte.

Inzwischen haben die Pfreimder nach Bertleins Aussagen rund 900 Verbandsmitglieder unter ihren Fittichen. Sie konnten 1981 mit 500 Artikeln und 14 Mitarbeitern annähernd drei Millionen Mark einnehmen. Das Erfolgsrezept: Sie unterboten mit ihrer Produktpalette, die vom Farbband bis zur Gebraucht-MDT-Anlage reichte, die MAI-Preise zum Teil erheblich. Bertlein erklärte seinen Einstieg ins Zubehörgeschäft so: "Als wir feststellten, daß im Benutzerkreis das reine Lamentieren über die hohen MAI-Preise nichts bringt, haben wir zur Selbsthilfe gegriffen." Dabei sei es absolut kein Problem gewesen, die horrenden" Preise des hessischen Computeranbieters um etwa 30 bis 50 Prozent zu unterbieten.

Obwohl die Frankfurter DV-Verkäufer die Pfreimder Vertriebsaktivitäten leicht zu spüren bekamen, gaben sie sich zunächst jovial. Erst als Bertlein mit einem "MAI-Report" begann, schwere Geschütze gegen die Hessen aufzufahren, platzte diesen der Kragen. Allein der Report 1/81, der auch Gegenstand der gerichtlichen Auseinandersetzungen wurde, enthielt genügend Munition für die Richter. Darin rief Bertlein zum Boykott des MAI-Betriebssystems BB4 auf (Originalton: "Wehret den Anfängen, boykottiert BB4"), behauptete, die Systeme 200 und 410 seien bei den Anwendern unbeliebt und würden einem baldigen Preisverfall bis hin zum Schrottwert unterliegen.

"Redeverbot"

Während sich die Verbandsleute im gleichen Rundbrief äußern, daß sich bei einer Umfrage etwa 400 Benutzer über die hohen Wartungspreise der Frankfurter beschwerten, forderten sie ihre "Mitglieder" im gleichen Atemzuge auf, auf den Service des Benutzervereins abzuspringen. Eine Erklärung für dieses Angebot haben die Pfreimder zwei Absätze später parat: "Wir wollen zufriedene MAI-Anwender, für die die Wartungs- und Reparaturkosten nicht mehr ein Alptraum sind. Anwender die nicht vom Regen in die Traufe kommen."

Die Richter des Frankfurter Landgerichts hatten für dieses "ehrwürdige Anliegen" (MAI-Spitze) weniger Verständnis. Sie sehen in dem Boykottaufruf der Pfreimder eine Wettbewerbshandlung und verpaßten unter Strafandrohung einen Maulkorb. Bertlein wurde untersagt, weiterhin den MAI-Report herauszugeben. Außerdem darf er künftig keinen "wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb" unter dem Namen des EDV-Benutzerverbandes führen. Doch der clevere Geschäftsmann weiß sich zu helfen. Um die Verbandsmitglieder weiterhin mit preiswertem Zubehör bedienen zu können, gründete er unter dem Namen EDV-BVS eine eigene GmbH. Was Bertlein letztlich wurmt, ist das von den Frankfurtern verhängte "Redeverbot". Dazu der Verbandschef: "Wenn MAI mich weiterhin ärgert, werde ich demnächst fabrikneue MAI-Anlagen vertreiben."