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15.09.1988 - 

Vor der Kommunikation in die weite Welt steht das Kleingedruckte:

Mailboxen - Goldener Käfig mit System

Faszination der Zeitaufhebung und der geografischen Unabhängigkeit der Kommunikation - damit ist meist der erste Schritt dazu getan, einen Dienst zu nutzen, der die PC-Anwendung für Profis und Private aufwerten soll: Electronic Mail. Auf Hochglanz-DIN-A4 versprechen Mailbox-Anbieter Zugang zur weiten Welt in Wohnzimmer und Büro. Doch Stolpersteine in Vertragswerk und Funktionalität sorgen schnell für Frust statt Lust.

"Guten Morgen", "Welcome", "Willkommen" - mit diesen oder ähnlich freundlichen Begrüßungen signalisieren die Verteilerdienste zur großen, weiten Welt rund um die Uhr ihre Bereitschaft, elektronengestützte Kommunikationsdienste schnell und zuverlässig zu erledigen. Den Brief an den Geschäftspartner nach Hongkong genauso wie den Ratsch zur Box-Kollegin.

Anbieter wittern ein Geschäft mit Zukunft, X.400 verheißt ein goldenes Kommunikationszeitalter, Preisangaben in Pfennighöhe versprechen Restgeld für den Urlaub - doch hier tut sich eine Chance mit eingebauten Stolpersteinen auf. Denn gerade, weil der Markt so jung ist, lohnt ein intensiver Vergleich der Serviceleistung und der Kosten.

So sehr sich die Konzepte und Zielgruppen der Anbieter in wesentlichen Grundzügen unterscheiden, und sich daraus Differenzen in der Leistungsbandbreite ergeben, so sehr ist das Prinzip der Mailbox auch identisch: Ein Computer verwaltet mit Hilfe entsprechender Software verschiedene elektronische Postfächer und bietet zudem Zugang zu Spezialanwendungen.

Erhebliche Unterschiede in Funktion und Struktur

Von der grundsätzlichen Auslegung des Services her gleich, unterscheiden sich die Angebote jedoch bei näherer Betrachtung in ihren Funktionen und Feinstrukturen mitunter so erheblich, daß - ohne Wertung - die eine Anwendung bei Mailbox A zum Scheitern, bei Mailbox B zum Blühen kommt.

Mailboxen sind eigentlich ein Zufallsprodukt amerikanischer Computerei der frühen 60er Jahre. Je mehr sich die Datenverarbeitung in amerikanischen Unternehmen insbesondere im Bereich der Buchhaltung durchgesetzt hat, desto mehr spezialisierte Serviceunternehmen mußten freie Kapazität auslasten. Der Nachrichtenaustausch bot sich an.

In Deutschland entstanden Mailboxen hauptsächlich in der Freak- und Hobbyecke. Das (relativ) schlechte Image ist noch vorhanden, aber ein Vorteil wird von Fachleuten nicht bestritten: Es wurden Systeme konzipiert, die mit recht wenig Aufwand betrieben werden können.

Als wohl erster professioneller, öffentlicher Anbieter am Markt gilt Geonet, früher unter der Bezeichnung IMCA gelaufen. Combox Berlin folgte als zweiter gegen Ende 1984. 1985/86 etablierten sich dann Anbieter, die mit Geonet-Basis arbeiten - die Deutsche Mailbox gehört zu dieser Gruppe. Relativ jung sind Maxdat von der DAT-Gruppe und der Dienst der Deutschen Bundespost, die Telebox.

Daneben existieren seit ähnlich langer Zeit hausinterne, oder geschlossene Mailboxsysteme, die von ihrer Nutzerzahl her eine weitaus breitere Basis bedienen. Als Vertreter dieses Genres wurde ein Dienst der General Electric Informations Services Company, Quik-Com, gewählt, um Abgrenzungen zu verdeutlichen.

Das Haupteinsatzgebiet für Mailboxen liegt heutzutage da, wo Informationen zeitkritisch sind (zum Beispiel im Zeitungswesen), oder weiterverarbeitet werden müssen (Bestellwesen). Der Massenmarkt aber wird sich in Europa erst ab 1992 ergeben, da die nationalen, traditionellen Postdienste wie Brief, Telex, Telefax ausreichend gut funktionieren, und Zeitverzögerungen der Zustellung im internationalen Korrespondenzverkehr erst nach Auflösung der Handelsgrenzen verstärkt auftreten werden.

Für gelegentliche Korrespondenz jedoch oder den Privatverkehr erscheinen Mailboxen noch als teures Spielzeug - die Zahl der Teilnehmer, mit der Anbieter teils kräftig Marketing betreiben, ist eigentlich grundsätzlich unerheblich.

Denn was nutzen 20 Millionen Telefonanschlüsse, wenn die Freundin keines hat? Wichtig als Auswahlkriterium - aber leicht vergessen - ist doch, welche Teilnehmer welcher Box angeschlossen sind. Die Attraktivität eines Dienstes kann sich dann nämlich schon bei dem einen, benötigten Partner ergeben. wird fortgesetzt