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16.09.1988 - 

Vor der Kommunikation in die weite Welt steht das Kleingedruckte (Teil 2)

Mailboxen - Goldener Käfig mit System *Horst-Joachim Hoffmann ist freier DV-Fachsjournalist in München. Zur Transparenz: Der Autor ist Abonnent der Combox, Berlin.

Mailboxen sind ein neuer Renner im Bereich PC-gestützter Kommunikation. Der Markt steht - mit Blick auf 1992 - auch in Europa an der Schwelle eines Booms. In Grundfunktionen ist das Angebot nahezu gleich und auch funktionsgerecht. Dennoch, wie immer in einem jungen Markt, lohnt sich genaues Hinschauen und Prüfen der Serviceangebote, bevor der Schritt zur Unterschrift getan wird.

Im folgenden liegt nicht so sehr der rein technische Vergleich verschiedener Systeme zugrunde. Aus den Ergebnissen des Testzuganges zu fünf Boxen soll über (subjektiv) gemachte Erfahrungen berichtet werden, ohne einem Dienst als solchem eine Wertung zusprechen zu wollen. Auch Negativaspekte gelten nicht in diesem Sinne. Sie helfen zur Verdeutlichung von Kriterien, die generell vor einem Entscheid für oder wider berücksichtigt werden sollten. Dies letztlich auch, um ungewollte Überraschungen, die frustrieren (und nicht billig sind), von vornherein ausschalten zu können.

Zugang bestand zu folgenden, öffentlichen Systemen, die stellvertretend für alle Anbieter und Konzepte in der BRD und auch im Ausland stehen: Combox, Berlin; Deutsche Mailbox, Hamburg; Geonet, Haunetal-Stärklos; Maxdat, Köln und Telebox, Mannheim. Aus ihrer Geschichte heraus unterscheiden sich die Systeme schon prinzipiell.

Minimalkonsens bei der Bundespost

So bietet beispielsweise die Telebox der Bundespost ein System auf Basis eines Minimalkonsenses. Hier wird wenig Spielraum für individuelle Abweichungen und Probleme gelassen wie zum Beispiel die Kopplung des Mailbox-Rechners mit einem hausinternen Redaktionssystem.

Es mag vermutet werden, daß postinterne Politiken, insbesondere hin zu Btx, den Telebox-Werkern nicht die Freiheit lassen, zu leisten, was sie eigentlich könnten - auch die Werbung für Telebox wird erst in letzter Zeit forciert. Die Mannheimer Spezialisten warten auf X.400. Und den Herbst, wenn ein neuer Rechner Leistungserweiterungen bringen soll.

Geonet und die Deutsche Mailbox vertreten das Konzept, ihre Mailbox als Massenkommunikationsmittel und - wohl auch - als Telexersatz auf die Beine zu stellen.

Combox versteht sich dabei als System für relativ geschlossene Gruppen, die spezielle Wünsche zur Befriedigung anmelden und an konkreten Problemlösungen interessiert sind. Dazu gehört die Einrichtung besonderer Benutzeroberflächen für geschlossene Gruppen mit eigenen Befehlssätzen, die Einbindung eigener Software im Rahmen des Systems (Übertragung von CAD-Daten für die Leiterplattenindustrie zum Beispiel) oder die Rechnerkopplung mit entsprechender Aufbereitung, insbesondere für Redaktionen.

Maxdat, über die DAT eine Enkelin der Quandtgruppe, vertritt durch die Trägerschaft eines großen Privatkonzernes ein relativ neues Genre der Mailboxen - und bietet momentan eine Mischform aus Massenkommunikation mit Zusatzdiensten und hausinterner Kommunikationsanbindung.

Problemkreis Zugang

Generell erfolgt der Zugang zu einem Mailbox-Dienst über Modem oder Akustikkoppler - zumeist über den Datex-P-Knoten der Post, oder einen eigenen Datex-P-Hauptanschluß. Für die "kleine" Lösung Modem/Akustikkoppler ist eine NUI (Network User Identification) erforderlich, die mit 15 Mark Grundgebühren monatlich zu Buche schlägt. Im Datex-P-Verkehr bieten die Systeme alle zwischen 300 bis zum Teil 4800 Baud Übertragungsgeschwindigkeit an - die schnelleren eignen sich insbesondere zum Austausch von größeren Dateien.

Für Anwender, die keine "Network User Identification" der Bundespost besitzen, bieten alle Mailbox-Dienste ebenfalls einen Direktzugriff über Telefon als sogenannten R-Call oder Telecall. Das Verfahren ist recht simpel und klappt eigentlich grundsätzlich und läßt deshalb fragen, ob der Anwender überhaupt eine NUI beantragen soll. Bei bis zu einer Stunde Anschaltzeit im Monat errechneten Geonet-Experten unter Berücksichtigung der monatlichen Kosten und der Anschaltgebühren einen positiven Saldo ohne NUI.

Freundlicher Gruß beim Mailbox-Einstieg

Zum Einstieg in die Mailbox erscheint dann der freundliche Gruß und - bevor es los geht, bei Geonet und Deutsche Mailbox erstmal eine Übersicht über die aktuellen "schwarzen Bretter". Bei der Deutschen Mailbox waren es 4, bei Geonet 42 - das kostet immerhin alles Anschaltzeit.

Intelligent - und sicherlich für Anwender, die sensible Daten zu verarbeiten haben, sinnvoll - ist bei Geonet und Deutsche Mailbox der Hinweis auf erfolglose Anrufversuche mit Ausdruck von Datum, Uhrzeit, NUA (Network User Address), Name und falschem - hier provoziert eingesetztem - Password.

Telebox macht bei falschem Password schon nach dem ersten Versuch den Schalter dicht und gibt bei korrektem Einstieg allerdings auch keine Meldung aus, Combox erlaubt immerhin mit einem "Errare humanum est" drei Versuche, weist aber auch keine Meldung aus, und Maxdat erwähnt den unerlaubten Zugriffsversuch, aber ohne Angabe von näheren Umständen. Eine Kleinigkeit, die eventuell wichtig werden kann.

Besondere Zugänge aus dem Ausland, sowie andere, die extra geschaltet werden müssen (beispielsweise aus hausinternen Systemen), bieten bis auf Telebox alle Betreiber an.

Problemkreis Übertragungsarten

Innerhalb der Systeme sind lange noch nicht alle Probleme gelöst und Macken an der Tagesordnung. So ist beispielsweise die 8-Bit-Übertragung, die für die Sendung von IBM-Umlauten notwendig ist, noch nicht Standard. Eine einwandfreie Regelung findet sich nur bei einem System.

Probleme auch bei der binären Datenübertragung, die dann aktuell ist wenn beispielsweise ein Wordstar-Text mit sämtlichen Sonderbefehlen wie Fettdruck, Unterstreichen oder ähnlichem übertragen werden soll. Das Kermit-Protokoll ist in diesem Fall zweckmäßig, aber nur Combox und Maxdat bieten es standardmäßig.

XModem als Alternative, so wie es von Geonet angeboten wird, hat schon wieder einen Haken: Das Protokoll verlangt eine 8-Bit-Übertragung, die aber nur in Deutschland über Datex-P sichergestellt ist. Das französische Datex-P-Netz (Transpac) arbeitet im 7-Bit-Modus - das Übertragen binärer Dateien im internationalen Verkehr fällt also flach. Zudem sind Systeme, die nicht auf 8 Bit laufen, eigentlich für Apple und IBM-Leute uninteressant.

Umlaute-Handling strapaziert die Nerven

Kermit indes macht während der Übertragung aus einem

8 Bit-Zeichen zwei 7-Bit-Zeichen, die hinterher wieder zu 8-Bit gewandelt werden. Aber, wie gesagt, Kermit wird nicht von allen Anbietern bereitgestellt. Eine Alternative ist die Übertragung eines Textes in ASCII, mit dem Nachteil, daß beim Empfänger die Drucksteuerbefehle schlicht nicht mehr auftauchen.

Brutal für eine Anwendung wird dies insbesondere bei der Übertragung von Datensätzen aus einer Datei. Auch ausführbare Softwareprogramme leiden hier bis zur unkenntlichen Verstümmelung; nur echte Freaks sind hier erfolgreich. Ganz luxuriös bietet es Combox an: Hier wird im Mailbox-Rechner bei Dauerkunden eine Konvertierung in das Empfängerformat vorgenommen.

Und noch ein urdeutsches Problem taucht auf: das Umlaute-Handling. Bis auf Combox gibt es hier laufend Probleme, die nicht nur bei Texten stören, sondern auch die Befehlseingabe auf Dauer zum Nervenspiel machen. Der etwas schnellere Schreiber schreibt "löschen" nun mal mit "ö" und nicht "oe" und empfindet den Hinweis "Lschen ist unbekannt. Unterstuetzung mit Hilfe" - egal ob mit Umlaut-ja-oder-nein-Schaltung - nach geraumer Zeit schlichtweg als lästig.

Problemkreis Funktionen

Grundsätzlich haben sich für Mailboxen fast gleiche Vorgehensweisen eingebürgert, die auch ähnliche Funktionsbereiche abdecken. Die Befehlseingabe erfolgt im Dialog, Hilfe ist online zu fast jedem Befehl vorhanden. Sicherlich kann hie und da an den Hilfetexten gefeilt werden, aber im großen Ganzen können die angebotenen Lösungen als zufriedenstellend bewertet werden.

Viele Funktionen auf den PC ausgelagert

Als beeindruckend hat sich der Blick in das geschlossene Mailboxsystem erwiesen, bei dem viele Funktionen auf den PC ausgelagert sind und der Benutzer menügesteuert arbeitet. Wie zu erfahren war, sind aber die Techniker der Combox am Basteln und wollen ähnliches verwirklichen.

Zu den grundlegenden Funktionen zählen das Senden an individuelle Postfächer, Gruppen und Verteiler, die Weiterleitung von eingegangenen Sendungen, das Anfügen von Kommentaren, Löschen zeitversetztes Senden, Wiedervorlage, Verteiler und Ablage sowie andere Funktionen, die auch in der Checkliste aufgeführt sind.

Dennoch, auch hier kann dem Anwender das Leben erleichtert oder erschwert werden. So ist es beispielsweise sinnvoll, das Löschen ungelesener Nachrichten en bloc möglich zu machen - in ungünstigen Fällen erhöht sich sonst nicht nur die Verweilzeit im Netz, es wird auch lästig, jede Nachricht einzeln behandeln zu müssen.

Von Bedeutung für die Anwendung ist die Funktion "Suchen im Postfach". Zwei Boxen bieten Volltextrecherche, zwei andere lassen den Betreff als Suchkriterium zu und Telebox erlaubt die Suche nach Datum, Betreff und Volltext.

Am Rande bemerkt: Auch die Recherchemöglichkeiten bei dem geschlossenen System erschienen nicht optimal. Wie bei der Demonstration erläutert wurde, ist lediglich die Anzeige nach Datum direkt greifbar. Weiterführende Suchmöglichkeiten müssen im Rahmen des Konzeptes im Bereich eines anderen Tools definiert werden.

Sinnvoll ist die Postfachsperre, die Combox-Teilnehmer auf Wunsch vor ungebetenem Zuschaufeln des Faches durch Mitteilungen von individuell benannten Absendern schützt. Setzt sich Mailbox als Massenkommunikation durch, so erleichtert eine solche "Robinson"-Funktion das Leben ungemein.

Die Funktion "Anruf" indes ist ein zweischneidiges Unterfangen Sie ist nur da sinnvoll, wo gewährleistet ist, daß das Ziel-Telefon, über das die Meldung von eingegangenen Sendungen erfolgt, auch besetzt ist. Mit Anrufbeantwortern beispielsweise kann die Anruffunktion nicht umgehen. Bei Unternehmen mit hauseigenen Netzen bietet sich besser an, Meldungen direkt ins System speisen zu lassen, ohne erst einen Mailbox-Zugriff aufbauen zu müssen.

Ein wesentlicher Punkt, um die Funktionalität eines Boxsystems zu beurteilen, ist die Postfachgröße, und zwar in bezug auf die Quantität der Nachrichten, aber auch auf das Volumen, das in einem Postfach verarbeitet werden kann. Bei der Deutschen Mailbox GmbH gibt es eine Grenze, die bei 50 Nachrichten liegt.

Der Service ist eher ein Marketing-Salto

Es ist wohl einem Marketing-Salto zuzuschreiben, wenn als besonderer Service vermarktet wird, daß drei Monate alte Sendungen automatisch gelöscht werden. Zur Archivierung taugt das System dann wohl nicht mehr viel. Die Vermutung liegt nahe, daß hier Probleme mit dem Plattenspeicher verdeckt werden sollen und daß die Software nur auf eine bestimmte Zahl von Nachrichten in den Fächern ausgerichtet ist. Umgangen werden kann diese Beschränkung nur durch die Einrichtung mehrerer Fächer, zwischen denen dann archivierungsfähige Meldungen hin und her geschaufelt werden.

Von ähnlicher Bedeutung ist das maximale Volumen einer Nachricht. Bei Combox beträgt es 2 MB, bei Telebox rund 130 KB Zeichen, die anderen Systeme machen keine Angaben, sind aber logischerweise nach oben durch die Systemlimits begrenzt - also Vorsicht bei superlangen Texten.

Der Online-Dialog mit anderen Teilnehmern, die sich gerade in der Leitung befinden, ist zwar ein schöner Zeitvertreib, kostenmäßig günstiger aber wirkt er sich bloß bei Entfernungen rund um die Welt aus. Combox hat diesen Dienst abgeschafft, Geonet und Deutsche Mailbox bieten ihn an, bei Telebox ist er innerhalb von Gruppen aktuell.

Problemkreis Kommunikation nach außen

Eines der großen Ärgernisse im Gebrauch mit den Systemen ist die mangelnde Gastfreundschaft der Systeme. Sogar im Btx unter dem Begriff "Mitbenutzer" ist eine solche Funktion implementiert. Combox bietet die Möglichkeit, ein Fach für "Freunde" einzurichten - also für solche PC-Benutzer, die zwar über ein Modem oder einen Akustikkoppler verfügen, aber nicht Teilnehmer des Systems sind, und mit denen sich nur gelegentlich der Wunsch oder die Notwendigkeit des kommunikativen Austausches ergibt.

Die Deutsche Mailbox bietet eine solche Möglichkeit in einer Richtung - es kann nur von Fremden empfangen werden, sie erhalten aber kein zeitlich begrenztes Postfach für Mitteilungen des Hauptteilnehmers.

Die anderen Anbieter müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, eine Geschäftspolitik zu betreiben, die beileibe nicht kundenfreundlich gegenüber ihren Abonnenten ist. Die Möglichkeit der kurzfristigen Einrichtung und Aufhebung eines Gastfaches mit den Funktionen "Lesen" und "Schreiben" mit Abrechnung über den Hauptvertragspartner dürfte technisch keine größeren Probleme stellen - aber schließlich ist jeder Gast ein verlorener potentieller Kunde.

Bleibt als Trost noch X.400, das es erlauben soll, verschiedene sogenannte MTAs (Message Transfer Agents) miteinander kommunizieren zu lassen. Das Konzept dieses Standards, der auf OSI (Open Systems Interconnection) aufbaut und im Level 7 auf der Anwendungsebene mit Untermengen zu den bestehenden Schichten 4 bis 6 angesiedelt ist, sieht vor, nicht nur Systeme verschiedener Hersteller, sondern auch bereits vorhandene Dienste wie Teletex, Telefax, Bildschirmtext, Telex und sogar die herkömmliche Briefpost in ein Gesamtstandardisierungspaket einzubinden.

Bis sich allerdings X.400 voll durchgesetzt hat, vergehen nach Erfahrung von Spezialisten noch gut 10 Jahre. Bis dahin bleiben zusätzlich angebotene Dienste der Mailbox-Betreiber die einzige Chance das Tor zur Welt zu öffnen, und hier stellt sich die Forderung, diese Dienste sauber zugänglich zu machen.

Den Übergang zum Telex-Netz bieten alle Systeme entweder auf Anfrage oder automatisch; bei Telebox ist er geplant. Die Deutsche Mailbox sendet aus London mit dem Vorteil, billiger Telexe nach Übersee absetzen zu können. Die Frage ist, wie lange dieser Vorteil noch manifest ist, da die Bundespost plant, die Telexgebühren über den großen Teich zu senken. Bereits vor einigen Monaten wurden die Preise reduziert.

Tüftelei notwendig beim Telefax-Dienst

Der Teletex-Zugriff erfolgt via Telex, auch er ist bei Telebox wie die anderen Zusatzdienste geplant. Telefax ist bei Combox (noch) nicht im Angebot, bei den anderen ja. Hier ist allerdings einige Tüftelei notwendig, bevor Telefax reibungslos läuft. Auch der Übergang zu Btx ist teils geplant, teils bereits realisiert.

An hausinterne Systeme schließen die Techniker der Telebox via X.400 an, Geomail ist bei Geonet und Deutsche Mailbox im Angebot, Combox verbindet auf Anfrage mit externen Rechner/Rechnerkopplungen. Geonet und Deutsche Mailbox haben hier Vorteile, da sie diese Zugänge vom Ausland aus regeln; die Frage ist, wie lange die Preisvorteile noch gelten. Zudem muß hier mit Übermittlungszeiten von bis zu 18 Stunden gerechnet werden.

Problemkreis Datenbanken

Auch das Angebot an Datenbanken entscheidet sich durch die Konzepte. Dem Zugriff auf Massendatenbanken steht der an kleinere, eigens aufbereitete Datenbanken für spezielle Zielgruppen gegenüber. Der vielfach propagierte Griff in Datenbanken via Mailbox bereitet nicht nur pekuniäre Kopfschmerzen. Entweder nämlich hat der Anwender in einer Datenbank so viel zu recherchieren, daß das Argument der Ersparnis eines eigenen Zugangsvertrages nicht mehr richtig zieht, oder aber die Recherche ist so selten, daß man - aus Kostengründen - lieber die Finger davon lassen sollte.

Die Suchsprachen der Datenbanksysteme sind sehr unterschiedlich, Kenntnis über den Inhalt muß gegeben sein - Datenbankrecherche ist ein Erfahrungsprozeß. Hier stellt sich die Frage, ob ein Info-Broker nicht wirtschaftlicher und qualitativ besser arbeitet. Die Stundensätze für einen Datenbankzugriff liegen teils bei 200 bis 400 Mark je nach Bank - ein teueres Spiel, mit 300 Baud Übertragungsrate noch dazu.

Geonet versucht seit kurzem, diese Problematik durch eine übergelegte Benutzeroberfläche zu entschärfen; dennoch, die Kenntnis über den DB-Inhalt muß beim Anwender immer noch gegeben sein.

Ein zusätzlicher Aspekt, die Finger aus fremden Profi-Datenbanken zu lassen, zielt ins eigene Portemonnaie. In den meisten Fällen läuft der Zugriff so, daß der Mailboxanbieter ein Password für die Datenbank bereitstellt, über das der Teilnehmer dann Zugang hat. Die Datenbanken haben aber so unterschiedliche Berechnungsarten, daß sie von der Mailbox-Software fast nicht abzubilden sind. Die Folge ist eine Mischkalkulation über die Datenbankgebühren (aus Zugang, Dokumentengebühr etc.); Fragen der Genauigkeit sind hier anzudenken.

Das System des Subusers birgt zudem Datenschutzprobleme. So dokumentiert beispielsweise über die Juris-Datenbank, wo jeder Mailbox-User als Subuser des Juris-Zuganges den Kontostand der anderen Subuser einsehen und so aus dem Rechercheprotokoll Hinweise auf die Arbeit des potentiellen juristischen Gegners ableiten konnte.

Erst der Mailbox-Anbieter als Vertriebspartner einer Datenbank macht unter diesen Gesichtspunkten wieder Sinn, da jedem Interessenten ein eigenes Password zugeteilt wird, er aber doch von einem Gruppenvertrag profitieren kann.

Problemkreis Gebühren

Hier herrscht ein faszinierendes Durcheinander, mit dem die Anbieter ihre Leistung bewerten, so daß ein Vergleich nur anhand einer ausgetüftelten Testanwendung möglich erscheint. Diese Testanwendung mit fest definierten Parametern sollte von den Anbietern schriftlich abgefordert werden - und selbst während der Einrichtung einer Testbox zu verschiedenen Tageszeiten laufen, um ein einigermaßen aussagefähiges Resultat zu bekommen.

Das Gebührendickicht beginnt mit der Erhebung einer monatlichen Grundgebühr, dazu kommen dann die Anschaltgebühren. Es ist auch bei den geforderten Pfennigbeträgen von wirtschaftlicher Bedeutung, ob nach angebrochenen Minuten oder nach tatsächlich verbrauchten Sekunden abgerechnet wird.

Interessant ist zudem auch, ob die Berechnung direkt nach dem Leitungsaufbau oder nach der Identifikation beginnt. Diese Fragen machen pro Schaltung Unterschiede bis zu einer Mark aus. Dazu kommen eventuell Gebühren je abgesandter Nachricht - bei der Deutschen Mailbox beträgt dieser Satz zur Zeit 7 Pfennig. Bei Verschickung eines Briefes an mehrere Empfänger (auch per Kopie) wird teilweise auch jede Adresse mitberechnet.

Als verwirrend ist hier zum Beispiel die Abrechnung der Maxdat zu nennen. Auf der einen Seite wird keine Grundgebühr erhoben, sondern nur der Verbrauch der Minuten mit 1,50 Mark in Rechnung gestellt, aber - pro Stunde können zu dieser Gebühr maximal nur

50 000 Zeichen übertragen werden. Wenn mehr durch die Leitung fließt, müssen pro 1000 Zeichen nochmal 15 Pfennig bezahlt werden. Bei 1200 Baud gehen im Schnitt 1200 Zeichen pro Minute über die Leitung, also rund eine DIN-A4-Seite. In der Gebühr sind also grob gerechnet nur 7 Seiten Übertragung pro Stunde ohne Zusatzkosten möglich.

Die Systemgebühren sind tatsächlich nur bei einem Anbieter transparent; Combox berechnet Grundgebühr und verbrauchte Sekunden. Zusätzlich ab 100 KB abgespeicherter Nachrichten kommt dann eine Speicherplatzgebühr in Rechnung, die mit 4 Pfennig pro 1000 Zeichen im Monat zu Buche schlägt. Bei den anderen Anbietern kommen zusätzliche Kosten hinzu, die Mailbox-Dienste teuer machen können, auf alle Fälle aber die Vergleichbarkeit der Systeme erschweren.

So werden Gebühren erhoben für die Datenübertragung zwischen zwei Systemknoten ( 45 Pfennig pro 1000 Zeichen), für das Einwählen in den Dienst von außerhalb der Bundesrepublik (90 Pfennig pro Minute), oder Gebühren für die Überschreitung der festgelegten Anzahl gespeicherter Mitteilungen (5 Pfennig pro Mitteilung).

Telebox berechnet neben der monatlichen Grundgebühr von 40 Mark und einer Anschaltgebühr von 30 Pfennig je angefangener Minute zusätzlich Speichergebühr je Einheit (2 KB) und Tag von 3 Pfennig, aber auch Adressiergebühren nach Mengenstaffelung zwischen 10 und 2 Pfennig und neben der Übermittlungsgebühr je Mitteilung eine monatliche Mindestnutzungsgebühr.

Hier kann wirklich nur geraten werden, vor einem Vertragsabschluß eine saubere Anwendung zu definieren und sie sich im Rahmen eines Angebotes schriftlich durchrechnen zu lassen - und vor allem, diese Anwendung während eines zeitlich begrenzten Testboxzugriffs zu unterschiedlichen Tageszeiten (Systemauslastung = Anschaltgebühr) laufen zu lassen und auf einer Abrechnung zu beharren. Die Unterschiede zwischen den Systemen versprechen frappierende Erkenntnisse. Bei der Inanspruchnahme von Telex- oder Telefaxdiensten bleibt auch zu hinterfragen, ob und welche Zuschläge erhoben werden.

Problemkreis Vertragsbedingungen

Der Blick fürs Kleingedruckte der Vertragsbedingungen sollte superscharf sein. So findet sich zum Beispiel bei Deutsche Mailbox die unkündbare 48-Monatsbindung für den Einsteiger im Vertrag; erst dann ist eine Kündigung mit 3-Monatsfrist zum Jahresende des sich automatisch verlängernden Vertrages möglich. Das heißt im Klartext: Kann nicht ein Zeitraum von rund fünf Jahren im Anwenderbereich sicher überblickt werden, gibt es nur wenig Chancen, den Vertrag ohne Probleme zu lösen.

Mailbox-Teilnahme sehr sorgfältig überdenken

Die anderen Systeme haben Laufzeiten von normalerweise 12 Monaten, Combox von 6 Wochen zum Quartalsende, Maxdat sogar nur einen Monat zum Monatsende. Ohne die Seriosität in Frage stellen zu wollen, fiel bei einem Anbieter noch ein kleingedruckter Satz ins Auge: "Der Betreiber ist berechtigt, die Gesamtmietgebühren-Forderung zum Zwecke der Re-Finanzierung an Dritte abzutreten."

Fazit: Mailboxdienste haben sich sicherlich in den letzten vier Jahren eine Existenzberechtigung im Bereich der Telekommunikation erworben. Die angebotene Leistung als solche ist durchwegs als ausreichend und zum größten Teil benutzerfreundlich und anwendungsadäquat einzustufen.

Dennoch will eine Teilnahme sehr sorgfältig erwogen sein. Insbesondere die undurchsichtige Gebührenstruktur einiger Boxen läßt Bedenken aufkommen. Ein intensiver Test im Vorfeld mit klar definierter Anwendung kann nur dringend empfohlen werden, da Telekommunikation per Mailbox sonst leicht bei Großanwendungen zur finanziellen Gratwanderung werden kann.

Checkliste für Mailbox-Interessenten

Nach dieser Checkliste sollten Interessenten für eine Mailbox-Teilnahme ihren zukünftigen Servicepartner auswählen. Es empfiehlt sich zudem, eine Testanwendung zu erstellen und sie verschiedenen Betreibern zur Kostenermittlung vorzulegen.

Zugangsarten

- Telefon (300; 1200; 1200/75; 2400)

- Datex-P (300; 1200; 1200/75; 2400; 4800; 9600)

- Datex-L (300)

- Gebührenübernahme (R-Call)

- andere

- besondere Zugänge aus dem Ausland

Übertragungsarten

- Datenbits

- Protokolle

- binär

- automatische Umlautanpassung

Mailboxfunktionen

- Postfachgröße (Zahl der Nachrichten)

- maximales Volumen einer Nachricht

- Versand an

+ individuelle Postfächer

+ Gruppen

+ Verteiler

- zeitversetztes Versenden

- Weiterleitung

- Ablage

- Wiedervorlage

- Löschen ungelesener Nachrichten

- Suchen im Postfach

- Postfachstatus anzeigen

- Online-Editierung

- Subuser

- Zugang zu anderen Netzen/Systemen

+ Telex

+ Teletex

+ Telefax

+ Btx

+ andere

+ hausinterne Systeme

- Stellvertreter

- Postfachsperre

- Anruf

- Rücknahme versandter Nachrichten

- Ansage/Bemerkung

- Schwarze Bretter für Gruppen

Sonstiges

- Bedienungsanleitung gedruckt

- Online-Hilfen

- Online-Dialog

- Kontostand online anzeigen

- individuelle Parameter einstellen

- Password online ändern

- Befehlssprachen

1 = deutsch

2 = englisch

3 = französisch

4 = italienisch

5 = spanisch

6 = holländisch

7 = sonstige

- Teilnehmer ermitteln

- Aufbau der Kostenstruktur

- Vertragsbedingungen geprüft