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05.06.1998 - 

Integration vom Mainframes/PCs werden doppelt genutzt

Mainframe-Aktivitäten mit sonstigen Aufgaben des Mitarbeiters verbinden

Die Euphorie der letzten Jahre in bezug auf Funktionalität und Effizienz von Client-Server-Technologie hat so manchen Dämpfer bekommen. Insbesondere die Migration von bewährten Host-Anwendungen hin zu Client-Server-Lösungen stellte sich bisweilen als schwierig heraus. Manchmal wurden die Kosten durch die Umstellung nicht reduziert, sondern nur umverteilt. Hinzu kommt, daß die neuen Lösungen in Sachen Zuverlässigkeit mit den Großrechnern nicht mithalten konnten.

Da sich insbesondere die betriebsrelevanten und kritischen Anwendungen meist auf den Hosts befinden, sollte es jetzt nicht das Ziel sein, sie abzuschaffen, sondern sie optimal zu nutzen und in den Unternehmensprozeß zu integrieren. Diese Integration jedoch befindet sich in den meisten Unternehmen noch im Anfangsstadium.

Die Mainframes waren und sind nämlich häufig eine autonome Insel in der DV, die sowohl technisch als auch personell von anderen DV-Prozessen und Betriebsabläufen losgelöst ist. Gewöhnlich wird der Host nur für ganz bestimmte Vorgänge verwendet, während der Rest von anderen Programmen erledigt wird. Die Zeiten, in denen alle DV-Vorgänge auf oder über den Mainframe erledigt wurden, sind praktisch passé. Die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter haben sich verändert, sie sind wesentlich komplexer und heterogener geworden. Gleichzeitig haben auch die PCs mit den üblichen Standardprogrammen als alltägliches Werkzeug Einzug gehalten. Die augenblickliche Integrationsleistung der Mainframes besteht in der Regel nur in der Doppelnutzung dieser PCs: einerseits als Client für beliebige Standardanwendungen und andererseits für den Host-Zugriff mit Hilfe von Terminalemulationen.

Integrationsziel sollte folglich eine sinnvolle Verknüpfung der Mainframe-Aktivitäten mit den übrigen Aufgaben eines Mitarbeiters sein, allerdings ohne aufwendige Programmierarbeit. Vor allem gilt es, die Host-Anwendungen selbst unverändert zu lassen. Dann nur wäre sichergestellt, daß die Applikationen problemlos weiterlaufen. Die Integration sollte und kann auf einer anderen Basis stattfinden, beispielsweise mit Hilfe von Web-Technologie.

Ziel ist es, den Mainframe, die Anwendungen und Informationen dem einzelnen Anwender so zur Verfügung zu stellen, daß diese Host-Komponenten zu einem selbstverständlichen, effizienten und integrativen Teil der gesamten DV werden.

Ein Ansatzpunkt ist sicherlich die Veränderung von Programmverwendung und -aufruf: Bislang muß sich der Benutzer damit beschäftigen, wie er eine bestimmte Aufgabe erfüllen kann: welche Anwendung er benötigt, auf welchem Mainframe, wie er an die entsprechende Stelle im Programm gelangt etc. Dabei wäre es für den gesamten Arbeitsablauf viel einfacher und effektiver, wenn der Anwender einfach die gewünschte Tätigkeit oder Funktion anklickt. Welche Programme dort ablaufen, sowohl auf dem Client als auch auf dem Mainframe, ist für die Aufgabe nicht länger wichtig.

Die Automatisierung von wiederkehrenden Abläufen ist ebenfalls ein zentraler Punkt bei der Mainframe-Integration. Dabei lassen sich die Handhabung und Nutzung des Großrechners mit recht einfachen Mitteln automatisieren und vereinfachen. Die Host-Anwendung läuft an einzelnen Stellen nach vordefinierten Schemata für den Benutzer unsichtbar im Hintergrund. Als Schnittstelle zwischen Anwendung und Mainframe-Programm kann zudem eine neue Benutzeroberfäche dienen, die sich noch mit Assistenten ergänzen läßt.

Ein weiterer Schritt zu einer besseren Eingliederung der Hosts führt über die Konsistenz der Zugriffsoberfläche. In einigen Unternehmen wird nicht nur ein Mainframe genutzt, häufig kommen verschiedene Typen zum Einsatz. Neben IBM-Mainframes mit 3270- und 5250-Dateiformaten spielen in vielen Unternehmen SNI-BS2000-Hosts mit 9750-Terminal-Typen und unterschiedliche Unix-Formate von VT100 bis 340 oder 97801 eine Rolle. Insbesondere in Zeiten zunehmender Unternehmenskonzentration und damit wachsender Host-Vielfalt in den Konzernen ist es wünschenswert, daß sich mit nur einer Software und einer Benutzeroberfläche alle emulierten Dateitypen nutzen lassen. Nicht für jede Anwendung und jeden Host ein spezielles Produkt, sondern eine möglichst einheitliche Bedienung und Oberfläche.

Gleichgewicht zwischen Aufwand und Nutzen

Die Integration der Mainframes könnte noch viel weiter gehen, indem man verschiedene Datenquellen, auch Großrechner, miteinander verknüpfte, so daß man beispielsweise in einer bestimmten Host-Anwendung auch Daten anderer Systeme aufrufen oder dorthin wechseln kann. Auch das Einfügen anderer Datenquellen in eine Host-Anwendung oder die Zusammenführung mehrerer Anwendungen in einer Oberfläche ist denkbar.

Doch all diese Integrationsmaßnahmen sollten immer unter der Prämisse von maximaler Flexibilität, Einfachheit und Effizienz durchgeführt werden. Aufwendige Integrationen mit großem Programmieraufwand und komplexen Mechanismen sollte man nicht um jeden Preis realisieren wollen. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen muß im Gleichgewicht bleiben.

Integration mit Web-to-Host-Software

Will man diese Integrationsmaßnahmen umsetzen, stellt sich zuerst die Frage nach der am besten geeigneten Technologie. Mit dem heutigen Stand der Technik bieten sich die Web-Technologie als Integrationsplattform und Web-to-Host-Software als Basis für die Mainframe-Integration an.

Bei Web-to-Host-Software, etwa von Attachmate, Logics Software, Open Connect, Pericom, SNI oder Wall Data, lassen sich die Host-Anwendungen über einen Web-Browser nutzen. Bei dieser Technologie gibt es in erster Linie zwei Ansätze: den Aufbau einer direkten Verbindung zwischen Client und Host, meist Java oder Active X (siehe Seite 62) oder die Verbindung über einen Middleware-Server zum Mainframe. Die zweite Lösung ist zu bevorzugen, wenn nicht nur eine unveränderte Terminalemulation in Java genutzt werden soll, sondern eine Integration angestrebt wird. Web-to-Host-Lösungen wie "Hob Link J-Term" von Hob, "Log-Web" von Logics Software oder "Web-Transactions" von SNI setzen meist auf Standard-Web-Servern auf, die dann auch für die Integration der Hosts genutzt werden können.

Da keine Installation auf dem Client und keine Veränderung am Host stattfindet, bietet sich ebendieser Server als Integrationsplattform an, insbesondere, weil sich hier Standards wie HTML, Javascript und Java verwenden lassen.

Die Web-Oberfläche ist für den aufgabenorientierten Mainframe- beziehungweise Programmaufruf prädestiniert. Durch Hyperlinks kann man einen beliebigen Fließtext auf einer Web-Seite mit einem kompletten Programmaufruf verknüpfen. Dabei verweist dieser Link nur auf die relevante Mainframe-Anwendung und startet sie auf Klick. Diese Programmaufrufe lassen sich an beliebig vielen Stellen und mit unterschiedlichsten Texten plazieren. Dabei muß nicht immer nur eine bestimmte Anwendung gestartet werden. Web-to-Host-Lösungen können mehr. Bei dieser Art des Host-Zugriffs besteht die Möglichkeit, bereits über den Hyperlink-Parameter, etwa Logon, bestimmte Verbindungsarten, die gewünschte Oberfläche etc. mitzugeben. Über diese einfachen Methoden lassen sich auch bereits bestimmte Masken oder Teile der Mainframe-Anwendung aufgerufen. Dazu verwendet die jeweilige Web-to-Host-Software die Parameter aus dem Link und nimmt auf dem Web-Server die angegebenen Eingriffe automatisch vor. Diese Mechanismen lassen sich mit Javascript noch weiter ausbauen.

Start einer Terminalemulation unnötig

Die Web-Technologie ist somit eine geeignete Basis für den ersten, ganz einfachen Schritt der Mainframe-Integration. Der Anwender sieht in seinem Web-Browser nur Links, hinter denen sich verschiedenste Informationen und Anwendungen verbergen können. Ebenso wie eine Tabelle oder eine Datenbank lassen sich auch Host-Anwendungen aufrufen. Die Benutzer wählen nur noch "Lagerbestand überprüfen" und gelangen dann direkt in die notwendigen Host-Masken, um diesen bestimmten Vorrat zu kontrollieren. Es ist nicht mehr nötig, eine Terminalemulation zu starten, anschließend die richtige Verbindung herzustellen, die Anwendung zu starten, sich einzuloggen und im weiteren durch mehrere Menüpunkte und Masken zu navigieren. Die Aufgabe beziehungsweise die Tätigkeit rückt mit dieser Integration in den Vordergrund. Der Anwender selbst merkt nichts davon, daß es sich um einen Mainframe handelt. Es wurde einfach eine Anwendung aufgerufen, die zur Abwicklung dieser Aufgabe vorgesehen war. Es hätte aber genauso eine andere Applikation sein können.

Diese Möglichkeiten lassen sich mit Hilfe von Automatisierungstechniken noch weiter ausbauen. Insbesondere bei häufig wiederkehrenden Abläufen lohnt es sich, diese Prozesse, ähnlich einem Makro, zu steuern. Das spart die teilweise umständliche Eingabe von wenigen Werten und Variablen in unterschiedliche Host-Masken. In einer einfachen HTML-Seite kann der Anwender alle notwendigen Angaben machen und absenden.

Der Web-to-Host-Server übernimmt nun die konkrete Erledigung dieser Aufgabe: Mit den Eingaben des Benutzers tätigt der Server im Dialog mit dem Mainframe alle notwendigen Eingaben in den verschiedenen Masken und gibt das Ergebnis an den Benutzer zurück. Für den Benutzer laufen all diese Vorgänge im Hintergrund ab. Ein elementarer Vorteil dieses Ansatzes ist, daß die ursprünglichen Host-Anwendungen selbst bei der Automatisierung von Aufgaben unverändert bleiben. Hier wird auch deutlich, warum für die Integration von Mainframes eine Middlewarelösung zu bevorzugen ist.

Eine Web-to-Host-Lösung ist sicherlich auch der erfolgversprechendste Ansatz, wenn es um eine weitestgehend gleiche Benutzeroberfläche geht. Kommt eine Software zum Einsatz, die mehrere Emulationstypen beherrscht, kann der Anwender in der Regel immer die gleiche Benutzeroberfläche verwenden. Dabei ist es allerdings wünschenswert, daß er die Oberfläche entsprechend seinen Kenntnissen, dem Arbeitsstil und auch dem Client-System frei wählen und anpassen kann. Daher ist eine Lösung zu bevorzugen, die sowohl eine HTML- und eine Java-Oberfläche bietet. Zudem sollte die Möglichkeit bestehen, die Benutzeroberfläche bei Bedarf zu verändern und grafisch neu zu gestalten. Das erhöht die Benutzerakzeptanz und vereinfacht in der Regel die Bedienung der Mainframe-Anwendungen.

Neben der Mainframe-Integration in die Unternehmens-DV darf man aber auch die Integration externer Benutzer nicht vergessen. Oder wenn man die Perspektive wechselt: die Integration eines fremden Mainframes in die eigene DV. Gerade diese Anwendergruppe ist meist von der Benutzung der Großrechner ausgeschlossen, da dies mit klassischen Anbindungsmethoden sehr kompliziert und kostenintensiv ist. Mit Web-to-Host-Software eröffnen sich neue Möglichkeiten, denn jeder Externe benötigt jetzt nur noch einen Web-Browser, um die Host-Anwendungen nutzen zu können. Betroffen sind davon insbesondere Filialen, Verkaufsniederlassungen, Home-Offices und auch unternehmensfremde Anwender wie Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner.

Angeklickt

Der Anwender muß sich immer noch viel zu häufig Gedanken machen, wie er bestimmte Aufgaben erfüllen soll: welche Anwendung er benötigt, auf welchem Mainframe er wie an die entsprechende Stelle im Programm gelangt etc. Für den gesamten Arbeitsablauf wäre es einfacher und effektiver, wenn er die gewünschte Tätigkeit oder Funktion einfach anklicken könnte. Auch die Automatisierung wiederkehrender Abläufe ist ein zentraler Punkt bei der Mainframe-Integration. Eine neue Benutzeroberfläche kann als Schnittstelle dienen.

Michael Völler ist freier Journalist in München.