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07.10.1988 - 

Eignung für kommerziellen Großrechnereinsatz vehement bezweifelt:

Mainframe-Anbieter rüsten gegen Unix-Ansturm

HANNOVER (qua) - Unix on Mainframe? Lieber nicht! Da sind sich DEC, IBM und Siemens offenbar einig. Übereinstimmend vertraten Vertreter dieser Unternehmen bei einer Podiumsdiskussion auf der diesjährigen Tagung der German Unix User Group (GUUG) die Ansicht, Unix büße auf dem Großrechner seine spezifischen Vorteile ein.

Dieter Wollschläger, Leiter der AIX-Systementwicklung bei der IBM Deutschland, formulierte seine Vorbehalte unumwunden: "Wir müssen einfach Unterschiede machen zwischen ,Jugend forscht' und einem Anwender, der 200 Benutzer zufriedenstellen muß." Für den kommerziellen Großrechnereinsatz, so der IBM-Vertreter, fehlten Unix eine Reihe wichtiger Komponenten. Wollschläger: "Die transaktionsorientierte Verarbeitung ist heute unter Unix nicht gelöst."

Das bisher einzige Native-Unix für die 370-Welt bietet der PCM-Hersteller Amdahl an. Dessen Marketing-Direktor Reiner Wolter räumte später ein, daß "UTS" - so die Bezeichnung des Amdahl-Derivats - bei extrem hohen Transaktionsraten tatsächlich Schwierigkeiten bekomme; allerdings fügte er hinzu: "MVS ist hier auch nicht viel besser."

Urteilte hingegen Heinz Stalter, Marketing-Leiter von Unisys Deutschland: "Unix kann grundsätzlich Mainframe-Funktionen übernehmen." Neukunden rate er jedoch ohnehin eher zu einem explizit für Unix ausgelegten System. Innerhalb seiner Großrechnerwelt operiert Unisys mit drei verschiedenen Proprietary-Betriebssystemen: OS/3, OS/1100 und MCP/AS.

Auch Wollschläger schließt keineswegs aus, daß die von ihm konstatierten Unix-Mängel irgendwann einmal beseitigt werden: "Ich will nicht behaupten, daß das beispielsweise bis 1995 nicht machbar sei." Aber, so mahnte der IBM-Entwicklungsleiter, es muß sichergestellt sein, "daß neue Implementierungen Unix-Umwelt-verträglich sind". Die "Kultur" des Betriebssystems, insbesondere seine leichte Handhabbarkeit, dürfe nicht verletzt werden.

Darin dürfte Wollschläger sich mit den meisten seiner Diskussionspartner einig wissen: "Unix muß schlank bleiben", hieß die meistvertretene These bei dem Streitgespräch. Auf Anfrage äußerte sich dazu auch der Unisys- und GUUG-Mitarbeiter Günter Martin: "Man vergewaltigt Unix, indem man ihm neue Funktionen gibt."

Schützenhilfe erhielt der IBM-Vertreter auch aus dem Auditorium, nämlich von seinem Kollegen Siegfried Heine, der die Ansicht vertrat, Unix sei nur aufgrund seiner Simplizität so leicht zu standardisieren. Heine: "Es ist einfach, das Rad als rund zu normieren; und dann stellt man fest, daß alle Räder verschiedene Durchmesser haben."

Wenn es nach den Vorstellungen der IBM geht, so bleibt Unix innerhalb größerer Systemwelten vorerst auf technisch-wissenschaftliche Anwendungen beschränkt. Dafür spricht bereits, daß AIX/370 nur als Subsystem unter VM verfügbar ist. Auch Klaus Gewald, als Siemens-Mitarbeiter mit dem Proprietary-System BS2000 vertraut und gleichzeitig als Strategic Manager für die X/Open tätig, äußerte Skepsis gegenüber Unix für kommerzielle Mainframe-Anwendungen: "In absehbarer Zeit sehe ich im ganz großen Bereich für Unix keine Chancen."

Offensichtlich haben die Mainframe-Anbieter hier noch eine Domäne für ihre eigenen Betriebssystementwicklungen ausgemacht. So konstatierte Ullrich Pelda, Marketing-Manager für den Produktbereich Software bei Digital Equipment: "Unser Ziel ist es nicht, ein kommerziell einsetzbares Unix zu entwickeln; dafür haben wir ein anderes System." Von Unisys war hier allerdings ein abweichendes Statement zu erhalten. Günter Martin: "85 Prozent unserer Unix-Geschäfte laufen bereits im kommerziellen Anwendungsbereich."

Für den Amdahl-Manager Wolter war der springende Punkt bei der gesamten Diskussion jedoch nicht die tatsächliche Funktionalität des Betriebssystems Unix, sondern vielmehr die Tatsache, daß die in Frage kommenden Großanwender bereits mit einer IBM- oder IBM-kompatiblen Anlage unter MVS eingedeckt sind. Klagte Wolter: "Der klassische Mainframe-Anwender will kein Unix, und der klassische Unix-Anwender will keinen Mainframe." (siehe Seite 6)