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09.11.1990 - 

Software-Engineering-Experte Yourdon kritisiert IBMs CASE-Ansatz

Mainframe-basiertes Repository verprellt Entwickler und Kunden

HAMBURG (qua) - Ein Repository, das einen Mainframe und ein relationales DBMS von den Ausmaßen eines DB2 voraussetzt, dürfte Schwierigkeiten haben, sich am Markt durchzusetzen - selbst dann, wenn es von der IBM kommt. Diese Ansicht äußerte der Methodenpapst Edward Yourdon anläßlich des Kongresses "CASE World 90" in Hamburg.

In den USA existieren, so berichtete der amerikanische Software-Engineering-Experte, nur 24 Installationen des im Juni dieses Jahres freigegebenen "Repository Manager/MVS"; die betreffenden Anwender nehmen samt und sonders am "Early-Support-Programm" der IBM teil. Wie ein Sprecher der den Kongreß veranstaltenden GMO AG nachtrug, gibt es in der Bundesrepublik Deutschland derzeit ganze sieben Repository-Anwender.

Die geringe Verbreitung des als strategisch klassifizierten IBM-Produkts ist laut Yourdon keineswegs auf eine mangelnde Investitionsbereitschaft der Kunden zurückzuführen. Vielmehr sei der Hersteller "extrem vorsichtig" und limitiere seinerseits die Auslieferungen. Hinter dieser zögerlichen Haltung des blauen Riesen vermutet Yourdon Marketing-strategische Gründe: "Die IBM will ihre Kunden vor Enttäuschungen und Frustration bewahren."

De facto könne der Anwender mit dem CASE-Werkzeug bislang wenig anfangen: Zum einen biete der Lieferumfang erst ein Viertel der Funktionen, die im September vergangenen Jahres angekündigt wurden; beispielsweise fehle ein Library-Management sowie die Möglichkeit eines Enterprise-Modelling.

Zum anderen gebe es realiter noch keine Werkzeuge, die auf dem Repository aufsetzen.

Dafür, daß es den Entwicklern von Softwarewerkzeugen offenbar an Begeisterung für die Meta-Datenbank des Marktführers mangelt, hat Yourdon ebenfalls eine Erklärung. Die Tool-Anbieter würden ihre Produkte "typischerweise" auf Rechnern der Workstation-Klasse entwickeln; die Software-Basis des Repository Manager, das Datenbank-Management-System DB2 läuft jedoch nur auf Großrechnern.

Nach Ansicht des Amerikaners sind jedoch nicht nur die Werkzeugmacher unzufrieden mit der Repository-Strategie der IBM. Viele Anwender dürften sich ebenfalls daran stören, daß das gesamte CASE-Konzept des Branchenprimus auf einen zentralen Mainframe ausgerichtet ist. Multi-nationale Konzerne benötigen, so argumentierte Yourdon, eine über verschiedene Standorte verteilte Systementwicklung. Sollte die IBM ihren Ansatz für die einzig mögliche Technologie halten, so wäre das folglich ein "Desaster".