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18.01.1980

Mainframe-Comeback

Wird der erfolgreichste deutsche Computerhersteller (Nixdorf-Eigenwerbung) auf Mainframe-Kurs gehen und demnächst IBM-kompatible Zentraleinheiten anbieten? Diese Frage beschäftigt seit geraumer Zeit die bundesdeutsche DV-Fachwelt (vgl. CW 51/52 vom 21. 12. 79, Seite 7- "1979: Das Jahr der Halbstarken" ).

Doch vorerst darf weiter spekuliert werden, vor allem darüber, mit welchem amerikanischen oder japanischen OEM-Lieferanten die Nixdorf Computer AG (NCA) kooperieren wird und es sieht momentan nicht so aus, als würden die Paderborner die Katze so schnell aus dem Sack lassen.

Dem Nixdorf-Management ist freilich klar, daß der Aufstieg in die Universalrechner-Liga - als oberster Spielklasse sozusagen - über kurz oder lang geschafft werden muß. Diesbezügliche Aussagen, etwa von Vorstandsmitglied Klaus Luft, sind nicht nur CW-kundig. Noch zögert Heinz Nixdorf: Sind ihm die möglichen Partner nicht innovativ genug?

Bürocomputer-Konkurrent Olivetti ist da offenbar schon weiter. Nach einem von der britischen DV-Fachzeitung "Computer Weekly" veröffentlichten Bericht stünde ein Abkommen, nach dem der italienische Büromaschinen Konzern die IBM-kompatiblen Zentraleinheiten der amerikanischen IPL Systems in Europa vermarkten will kurz vor dem Abschluß. Die IPL-Maschinen werden in der; USA als Omega-Serie von Control Data vertreiben. Sie zielen auf die Serie 4300 des Marktführers.

Interessant ist diese Meldung deshalb, weil es sich, käme die Olivetti-IPL-Kooperation zustande, unseres Wissens nach um das erste Comeback eines Computerherstellers in der DV-Geschichte handeln würde.

Olivettis frühere Mainframe-Aktivitäten datieren bis ins Jahr 1960 zurück, als eine Verbindung mit der französischen Machines Bull eingegangen wurde.

Als Bull dann 1966 an General Electric verkauft wurde, stieß Olivetti seine Minderheitsbeteiligung an dem neu firmierten Gemeinschaftsunternehmen GE-Olivetti ab.

Zwar blieb Olivetti mit Bürorechnern im Computergeschäft, doch die Italiener hatten mit ihren "Audit"-Systemen in der ersten Hälfte der siebziger Jahre wenig Fortüne. Wer erinnert sich nicht an das Datev-Debakel, durch das Olivetti auf dem deutschen Markt viel an Prestige verlor.

Es schien, als wollte das deutsche Olivetti-Management die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. So meinte noch vor zweieinhalb Jahren Dr. Francesco Tat, der Dr. Elio P. Zilli am 1. Mai 1977 als Geschäftsführer der Deutschen Olivetti abgelöst hatte, das Wiederauferstehungsgeheimnis liege in der Beschränkung auf bestimmte Zielmärkte. Tat seinerzeit sinngemäß zur CW: Wir konzentrieren uns im Bereich DV-Produkte auf Datenerfassungsgeräte, Terminals und Bürocomputer. Dort liegen unsere Stärken."

Vor allem aber, so ist der COMPUTERWOCHE aus dem Gespräch mit Tat in Erinnerung, hätte Olivetti nicht die Verkäufer, die die Sprache der Großanwender sprächen. Die in den vergangenen Jahren gelebte Großrechner-Abstinenz soll nunmehr aufgegeben werden (siehe oben). Daß sich bei Olivetti in dieser Hinsicht etwas tut, darauf deuteten bereits Gerüchte über Kooperationsverhandlungen hin, die mit Amdahl im Herbst vergangenen Jahres stattgefunden haben sollen. Und es dürfte auch zutreffen, daß Cii Honeywell Bull über alte Kanäle die Fühler nach Ivrea ausgestreckt hat. Es war also etwas im Busch. Und doch fällt es selbst Insidern schwer, zu verstehen, was Olivetti mit diesem Comeback beabsichtigt. Kaum nötig, darauf hinzuweisen, daß den IBM-Nachahmern auf dem Universalrechner-Markt ein eiskalter Wind entgegenweht - die Itel Corporation hat ihn zu spüren bekommen. Skeptiker weissagen gar, daß es nach der für Ende 1980 erwarteten Ankündigung der "H-Serie auch Amdahl an den Kragen ginge.

Denn es steht dahin, daß sich Anwender von IBM freischwimmen könnten. Die meisten User verlangen ohnehin nur Service-Qualität - alles andere ist für sie weder Kauf noch Miet-Motiv: Trübe Aussichten für Nicht-IBM-Anbieter?