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27.06.1997 - 

Premiere am Neuen Markt dient der Wachstumsfinanzierung

Mainframe-Renaissance ermuntert Beta Systems zum Börsengang

Große Zuversicht strahlten sowohl das Management von Beta Systems als auch die Vertreter der Konsortialbanken bei der Bekanntgabe des Börsengangs der Berliner aus. Jürgen Bilstein, bei der Deutschen Bank Bereichsvorstand Unternehmen und Institutionen, erklärte: "In der Beta-Systems-Aktie sehen wir eine außerordentliche Bereicherung des deutschen Kurszettels." Alfred Tauchnitz, Vorstandschef und Mitbegründer von Beta Systems, konstatierte: "Das Konzept des Neuen Markts hat uns überzeugt, das Erst-Listing in Deutschland dem in den USA vorzuziehen." Ursprünglich hatten die Berliner das Going Public an der US-Computerbörse Nasdaq in Erwägung gezogen, wurden aber von den dort immer wieder zu registrierenden hohen Kursschwankungen abgeschreckt. Bis auf weiteres sollen daher die Beta-Systems-Aktien in den USA nur über Privatplazierungen angeboten werden. Gleichwohl prüfe man, wie es in Frankfurt hieß, nach wie vor die Möglichkeit eines zweiten Börsengangs in New York.

Bereits seit dem 16. Juni können sich Interessenten für die Notiz vormerken lassen. Der Preis pro Titel bewegt sich zwischen 85 und 100 Mark; ausgegeben werden sollen 780000 Inhaber-Stammaktien mit einem Nennbetrag von fünf Mark. Davon stammen 230000 Aktien von den Firmengründern Tauchnitz und William Schmidt sowie der LBB Beteiligungsgesellschaft.

Emission hat Marktwert von knapp 90 Millionen

Alle drei Gesellschafter räumten den Konsortialbanken - der Deutsche Morgan Grenfell Deutsche Bank AG, Goldman Sachs & Co. sowie Sal. Oppenheim jr. & Cie. - allerdings die Option ein, zur Deckung einer möglichen Überzeichnung noch weitere 117000 Aktien zu übernehmen. Laut Deutsche-Bank-Manager Bilstein wird die Emission voraussichtlich einen Marktwert zwischen 76,2 und 89,7 Millionen Mark erreichen.

Für die Berliner Softwareschmiede, die 1980 als GmbH in München gegründet wurde, drei Jahre später an die Spree umsiedelte und sich 1990 in eine AG umfirmierte, realisieren sich nun endlich die schon länger gereiften Börsenpläne. Bereits Mitte 1995 hatte Tauchnitz mitgeteilt, noch im Herbst des gleichen Jahres eine Aktienpaket von rund 25 Prozent an der Berliner Börse plazieren zu wollen, das dann im Freiverkehr gehandelt werden sollte. Dies ließ sich aber rückblickend genausowenig realisieren wie das darauffolgende Vorhaben, den Titel in den geregelten Markt einzuführen.

Das nun bevorstehende Going Public dient vor allem dazu, frisches Kapital in die Kasse von Beta Systems zu bringen - Mittel, die der Spezialist für Rechenzentrums-Automationssoftware für seine ehrgeizigen Wachstumspläne dringend benötigt. Aus diesem Grund will der Börsenneuling auch keine Dividende bezahlen. Die Anleger können in den nächsten Jahren nur von der Steigerung des Aktienkurses profitieren. Hoffen auf mehr Wachstum ist also angesagt. So soll bereits 1999 die Schallmauer von 100 Millionen Mark Umsatz durchbrochen werden.

Die Analysten des die Neuemission abwickelnden Bankenkonsortiums stellen dann sogar Einnahmen in Höhe von 116,8 Millionen Mark in Aussicht. Für das laufende Geschäftsjahr ist ein Umsatz von 73,6 Millionen Mark angepeilt. Auch mit dem Gewinn soll es rasant aufwärts gehen. Für 1999 rechnen die Analysten mit einem Ertrag von 14,5 Millionen Mark. 1996 hatten die Berliner eigenen Angaben zufolge aufgrund hoher steuerlicher Belastungen einen Jahresüberschuß von lediglich 1,14 Millionen Mark ausgewiesen.

Um das angepeilte Wachstum zu erreichen, bedarf es aber erheblicher Fortschritte im US-Markt. Noch steuern die US-Aktivitäten lediglich 6,1 Prozent zum Gesamtumsatz bei, der im vergangenen Jahr bei 56,5 Millionen Mark lag. Bewerkstelligen wollen die Berliner dies mittelfristig durch eine Verfünffachung ihrer Kundenbasis in Amerika (derzeit rund 400), was nicht zuletzt in Form von Firmenaufkäufen geschehen soll. Schon im vergangenen Jahr hatte Beta Systems den US-Systemsoftware-Spezialisten Pecan Software übernommen, der in die bereits existierende Beta Systems Inc. integriert wurde. Weitere Akquisitionen, so Finanzvorstand Christiane Holz-Firlus, sind in Vorbereitung.

Seine Position weiter ausbauen möchte Beta Systems aber auch in Deutschland. Hierzulande sei man, wie Firmenchef Tauchnitz betonte, bei den Betreibern großer IBM- und IBM-kompatibler Rechenzenten gut im Geschäft. Man könne auf mehr als 16000 Installationen verweisen; die Marktdurchdringung liege bei über 50 Prozent. Daher gehe es in Deutschland nicht so sehr um eine Verbreiterung der Kundenbasis, sondern vielmehr um den Ausbau bereits bestehender Installationen.

Früheres MVS dominiert nach wie vor den Markt

Mut macht dem Großrechner-Verfechter aber auch die Renaissance des Mainframes. "Gerade bei kritischen Anwendungen führt am Mainframe kein Weg vorbei", begründete Tauchnitz seinen Optimismus. Dies lasse für die nächsten fünf bis sieben Jahre ein "konstantes Wachstum bei installierten MIPS erwarten". Dabei sei IBMs Betriebssystem MVS, das mittlerweile OS/390 heißt, nicht nur in Deutschland nach wie vor marktbeherrschend. Trotzdem wollen die Berliner in Zukunft auch auf andere Plattformen setzen. Tauchnitz: "Der Mainframe alleine wird nicht mehr ausreichen.

*Beate Kneuse ist freie Fachjournalistin in Stuttgart.