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05.06.1998 - 

Integration von Mainframes/Kommunale DV-Zentrale betreibt schrittweisen Wandel

Mainframe: Trotz GUI und Internet auf keine Plattform festgelegt

Der Mainframe ist heute bei der KDVZ Hellweg-Sauerland mit Sitz in Iserlohn der zentrale Anwendungs-Server - insbesondere auch wegen des Datenaustausches zwischen den Anwendungen und deren funktionaler Integration. Diese sind vorwiegend in Cobol geschrieben und werden zentral betreut. Derzeit sind zirka 150 Anwendungen auf dem Großrechner im Betrieb. Eine kurzfristige Ablösung wäre wirtschaftlich nicht vertretbar. Mittel- bis langfristig wird der Mainframe jedoch die Rolle eines Servers unter vielen spielen.

Der Weg dahin wird einer allmählichen Migration ähneln. Client-Server-Technologie wird schrittweise eingeführt - teilweise existieren heute bereits entsprechende Strukturen. Client-Server-Lösungen mit grafischen Benutzeroberflächen sind die strategische Leitlinie, an der sich Neuentwicklungen orientieren müssen. Betreuungsaufwand und Komplexität der so entstandenen Komponenten sind jedoch beträchtlich. Client-Server ist zukunftsweisend, seine Einführung muß aber sorgsam gesteuert werden.

Gründe, weshalb sich die Kommunen auf die Mainframe-Systeme verlassen, sind Datenintegration, Stabilität und Verfügbarkeit. Zum Beispiel garantiert der Mainframe verläßlich laufende Kassenanwendungen oder auch, daß Programme im Datenbankbereich von einer zentralen Stelle aus sicher administriert werden können. Das ist wichtig, weil die an die KDVZ angeschlossenen Stellen nur schwach mit eigenem DV-Personal ausgestattet sind.

Der Mainframe steht aber nicht für sich allein (siehe Kasten "Das Rechenzentrum"). Er ist in einem heterogenen Umfeld beheimatet: Heute existieren Novell-Server, OS/2-Server und NT-Server als Kommunikations- und File-Server. In Zukunft werden strategisch NT-Server eingesetzt. In mehreren Projekten werden die vorhandenen Windows-3.x-Clients in den einzelnen Verwaltungen durch NT- Workstations ersetzt. Im gleichen Zug wird auch die Server-Technologie nach NT migriert.

Diese unterschiedlichen Welten gilt es möglichst nahtlos zu kombinieren. Auf der einen Seite besteht die Möglichkeit, aus vorhandenen 3270-Masken auf dem PC Daten über Dynamic Data Exchange (DDE) zum Beispiel an eine Textverarbeitung weiterzureichen und sie dort mit entsprechenden Makros etwa für Bescheide oder andere Schreiben zu verwenden.

Hier wird der 3270-Datenstrom ausgelesen, ohne daß eine grafische Benutzeroberfläche ins Spiel kommt. So können bei geringem Aufwand Zusatzfunktionen angeboten werden, die der Mainframe zeitgemäß nicht mehr bietet.

Anwendungen andererseits, die die KDVZ noch längere Zeit nutzen will oder muß, werden mit zusätzlichen grafischen Oberflächen versehen. Dies gilt vor allem in Bereichen, wo vermehrt PC-Software mit Windows-Oberfläche eingesetzt wird. Die 3270-Anwendungen können dann sowohl mit zeichenorientierter als auch mit grafischer Benutzeroberfläche betrieben werden, ohne daß die Anwendungen selbst doppelt vorgehalten oder wesentlich verändert werden müssen. Jeder Kunde kann selbst entscheiden, welche Oberfläche und Zusatzfunktionen er wünscht. Favorisiert wird das GUI-Tool "Phantom".

Gerade bei Anwendungen, die an vielen Arbeitsplätzen laufen, entstehen bei einem vollständigen Technologiewechsel aus PCs erhebliche Kosten. Diese Mittel können nicht überall aufgebracht werden. Bei Neuentwicklungen, die auf Client-Server-Technologie basieren, werden die PC- und Windows-orientierten Neusysteme von vornherein mit anderen Anwendungen so integriert, daß der Zugriff auf die alten Großrechnerdaten erhalten bleibt.

Für zukünftige Anwendungen plant die KDVZ, die Programmiersprache Java und damit auch Internet- und Intranet-Technologie einzusetzen. Dazu gehört die Möglichkeit, aus Internet-Anwendungen heraus interaktiv auf Datenbestände und Anwendungsteile zuzugreifen, die eigentlich in der klassischen Technologie entwickelt und gehalten werden. Ein erstes entsprechendes Projekt ist fertig geplant. Zwei wesentliche Gründe legen den Einsatz der Programmiersprache Java nahe:

- Zum einen ist das Ausliefern aktualisierter Softwareteile und die Installation in diesem Umfeld erheblich besser gelöst. Die KDVZ glaubt, dadurch sowohl die Administrationskosten reduzieren als auch die Auslieferungsgeschwindigkeit gegenüber klassischer Client-Server-Technologie erhöhen zu können.

- Zum anderen ist das ganze Umfeld Internet/Intranet zu nennen und damit die Möglichkeit, sowohl aus dem Internet als auch aus dem KDVZ-eigenen Weitverkehrsnetz heraus auf Datenbestände und Anwendungen zuzugreifen. Diese Anwendungsform ist in Cobol oder Smalltalk heute erheblich schwieriger zu realisieren.

Grundsätzlich will die KDVZ von der reinen Fat-Client-Technologie wegkommen, und zwar so, daß gerade auch ältere Maschinen unter anderem aus Kostengesichtspunkten weiterhin eingesetzt werden können und Server fachliche Funktionalität übernehmen. Letztendlich wird bei der Ausstattung mit grafischen Oberflächen keine nennenswerte Anwendungslogik vor Ort laufen - die PC-Ressourcen sind nur für die Präsentation der Benutzer-Schnittstelle nötig. Bei der Java-Technologie will die KDVZ nach Möglichkeit Browser einsetzen.

Vor Ort läuft eine Reihe von am Markt gekauften PC-Anwendungen oder eventuell auch selbstentwickelten Applikationen, so daß dort die NC-Maschinen nicht so schnell Fuß fassen werden wie in einem Unternehmen mit zentraler Software-Entwicklung und ausschließlich zentral bereitgestellter Software.

Vor einer Einführung von Intranet-Anwendungen sind die vorhandenen DV-Infrastrukturen - insbesondere die Leistungsfähigkeit der (Applikations-) Server und der Übertragungswege im Netzwerk - auf ihre Tauglichkeit für die neuen Anforderungen zu untersuchen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt betreibt die KDVZ ein Weitverkehrsnetz auf der Basis des Protokolls Systems Network Architecture (SNA). Der erste Schritt zur Intranet-Fähigkeit soll noch in diesem Jahr getan werden: die Umstellung des Weitverkehrsnetzwerks von SNA auf TCP/IP als Trägerprotokoll.

Es kommt zu einer Mischung

Im Klartext heißt das, Grundlagen für ein Intranet aufzubauen, in dem auch der Web-Server "Domino" von Lotus eine Rolle spielen soll. Gerade im Umfeld der Kommunen werden viele Dokumente, Vorlagen, Bescheide und Akten bearbeitet - heute noch in Papierform, zukünftig mehr und mehr elektronisch. Bald werden hier ein Dokumenten-Server und ein Dokumenten-Management-System auf der Basis von Lotus Notes - dann integriert mit Intranet-Technologien - eine passende Lösung darstellen.

So wird es zumindest langfristig zu einer Mischung von zentraler und dezentraler Technik kommen. Schon heute versorgt die KDVZ in den Kommunen vorwiegend lokale Netze. Hier sind nahezu überall lokale Server vorhanden, die aber zur Zeit keine zentralen Rollen als Anwendungs-Server spielen. In dem Zusammenhang ist es denkbar, daß in einer Internet/Intranet-Lösung lokal auch Proxys stehen, die durch Spiegelung von Dokumenten und Anwendungen die Zahl der Zugriffe auf den zentralen Daten-Server verringern. Mittel- bis langfristig ist das ein Thema.

Das Rechenzentrum

Die Kommunale Datenverarbeitungszentrale Hellweg-Sauerland (KDVZ) mit Sitz in Iserlohn ist eines der größten kommunalen Gebietsrechenzentren in Nordrhein-Westfalen. Sie versorgt über ein eigenes Weitverkehrsnetzwerk 52 Gemeinden, Städte und Kreisverwaltungen im Märkischen Kreis, Kreis Soest, Hochsauerland und dem Rheinisch-Bergischen Kreis. Darüber hinaus nutzen mehr als 140 sonstige Kunden das breite Dienstleistungsspektrum. In diesem Sinne versteht sich die KDVZ Hellweg-Sauerland als Organisations-, Beratungs-, Qualifizierungs-, Software- und Produktionsverbund mit starker Kundenorientierung.

Wesentliche Anwendungen liegen dabei im kommunalen Finanzwesen - von der Kasse bis zum Veranlagungswesen -, Personalwesen, Einwohnerwesen, Sozialwesen, der Kraftfahrzeugzulassung und der grafisch-technischen Datenverarbeitung - vom Liegenschaftswesen bis zum Kanalinformationssystem.

In der Datenzentrale werden neben einem unter MVS arbeitenden Zentralrechner weitere Server unter AIX, OS/400, OS/2 und Windows NT betrieben. Die auf dem Zentralrechner meist unter dem Transaktionsmonitor IMS/DC laufenden Anwendungen greifen dabei auf Datenbestände vorwiegend in den Datenhaltungssystemen IMS/DB und DB2 zu. In den angeschlossenen Verwaltungen kommen weitere Datenbestände in den jeweiligen lokalen Netzen hinzu.

Angeklickt

Noch ist der Mainframe der Kommunalen Datenverarbeitungszentrale (KDVZ), Iserlohn, ein zentraler Baustein der DV-Landschaft. Um den Host herum gruppieren sich Client-Server-Lösungen, die teilweise in der Aufbauphase und häufig noch den gravierenden Änderungen unterworfen sind, die es bei einer Migrationsstrategie zu berücksichtigen gilt. Das Aufkommen von Intranet-Lösungen setzt auch in der KDVZ neue Akzente, basierend auf Erfahrungen mit Client-Server-Systemen.

Volker Rombach ist Fachbereichsleiter Neu- und Weiterentwicklung bei der KDVZ in Hellweg/Sauerland.