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10.07.1992 - 

SW-Lizenzen: Anwender fühlen sich verschaukelt

Mainframe-User zahlen viel Geld für nichts

Die gängige Praxis der Softwarelizenzierung im Großrechnerbereich ist für viele Anwender ein Ärgernis. Die Berechnung der Preise nach Prozessorklassen erweist sich in Zeiten, in denen die DV-Abteilungen zu einer exakten Budgetplanung und zu mehr Sparsamkeit aufgefordert sind, als Anachronismus. Hardware-Upgrades sind vielen DV-Chefs ein Greuel, denn mit der höheren Rechnerklasse steigen auch sämtliche Softwarepreise - und das, obwohl einzelne Produkte nicht häufiger genutzt werden als zuvor. Hatten die Mainframe Anbieter und die großen Softwarehäuser bisher überwiegend Vorteile von diesem Lizenzierungsverfahren - praktisch ohne Gegenleistung wuchs über Nacht das Bankkonto - so könnten ihnen jetzt die Felle davonschwimmen. Umsatzeinbußen im Großrechnergeschäft sind nicht zuletzt auf die Lizenzpolitik der Hersteller und die daraus resultierende Bereitschaft zum Downsizing bei den Anwendern zu rückzuführen .

Ob SAP oder Software AG, ob IBM oder Siemens-Nixdorf - das Verfahren ist seit Jahren überall dasselbe: Je nach Rechnergröße wird die installierte Software zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Die Benutzeranzahl spielt dabei keine Rolle. Mit einer Anwendungs- oder Systemsoftware können ebensogut fünf wie 200 Anwender arbeiten - der Preis bleibt gleich.

Welche Blüten dieses seit DV-Generationen gepflegte Verfahren treibt, zeigt das Beispiel der Robert Klingel GmbH in Pforzheim. Das Versandhaus plant, innerhalb der /370-Mainframe-Welt auf ein größeres Modell umzusteigen und hat zu diesem Zweck neben einer IBM-Offerte auch Angebote von Amdahl und Comparex eingeholt. Es zeigte sich, daß der Umstieg auf das Modell eines PCMers die günstigste Alternative gewesen wäre - von der Hardware her noch preiswerter als die Umrüstung auf ein kleineres, aber ebenfalls ausreichendes Modell von IBM Diese Rechnung wurde aber bei Berücksichtigung der zu erwartenden Softwarepreise auf den Kopf gestellt.

"Wenn wir das günstigere An gebot mit der höheren Rechnerleistung wahrnehmen", so beklagt sich DV-Leiter Horst Schneider, "dann zahlen wir an alle, die uns Software geliefert haben, ein zusätzliches Entgelt - ohne irgendeine Gegenleistung. Es kann doch nicht wahr sein, daß ich, wenn ich dieses Angebot des PCMers annehme, Lizenzgebühren in Höhe von 100 000 oder sogar 200 000 Mark nachzahlen muß, nur weil ich in eine höhere Hardwareklasse wechsle!"

Zwar räumen laut Schneider die jeweiligen Softwarehäuser dem Versandhaus zum Teil Sonderkonditionen ein, indem sie in Einzelfällen den nächsten Hardwarewechsel mit einbeziehen, doch der DV-Leiter moniert, daß bei den Herstellern grundsätzlich kaum der Wille erkennbar sei, dieses Verhalten zu ändern. "Es gab Firmen", so der Klingel-Mitarbeiter, "die mir klar gesagt haben: 'Mit dieser Art der Lizenzierung erhalten wir einen schönen zusätzlichen Umsatzposten. Wir wissen daß dieses Geld kommt."'

Hersteller von Großrechnersystemen kalkulieren mit diesen regelmäßigen Einnahmen, die einen Hardwarewechsel ihrer Kunden sowohl beim Betriebssystem als auch bei der systemnahen Software in jedem Fall folgen. "Im BS2000-Markt ist das Betriebssystem von den H60-Modellen an aufwärts ein wichtiger Kostenfaktor", weiß etwa Burghard Kleffmann, Geschäftsführer der ehemals auf BS2000, heute auf Unix spezialisierten Space GmbH in Hannover zu berichten. Neben dem Einmal-Betrag am Anfang und den laufenden Kosten schlügen langfristig vor allem die Wartungsgebühren zu Buche.

Daß viele Kunden heute nicht mehr bereit sind, diese Softwarepolitik ihrer Lieferanten zu akzeptieren, zeigen Branchentrends wie das Downsizing, die Konsolidierung von Rechenzentren oder gar die DV-Auslagerung. Einer von vielen verärgerten Anwendern ist Thomas Stutenbäumer, der bei den Stadtwerken Münster für Grundsatzfragen der Informationsverarbeitung verantwortlich ist.

"Ich halte vor allem die Lizenzkosten bei den Betriebssystemen für zu hoch. Wir haben IBM-Rechner im Einsatz. Dort Betriebssysteme zu ändern, ist fürchterlich teuer." Neben den laufenden Kosten sei auch der Systemaustausch selbst außerordentlich kostspielig gewesen. Für den Wechsel von VM/SP auf VSE/ESA allein haben die Stadtwerke Münster mindestens 300 000 Mark gezahlt.

Anbieter können sich diese Lizenzierungspolitik laut Stutenbäumer heute nur deswegen leisten, weil viele Unternehmen im DV-Bereich noch immer kein funktionierendes Controlling installiert haben. "Als DV-Leiter können Sie im Prinzip machen, was sie wollen", so Stutenbäumer. Wichtig sei nur, daß die Dienstleistung an die Fachabteilungen pünktlich und zur Zufriedenheit aller erbracht werde.

Der Westfale hat inzwischen konkrete Vorstellungen, wie er in seinem Unternehmen das Problem der ausrufenden Lizenzkosten wieder in den Griff bekommen will: "Wir werden einzelne Anwendungen auf kleinere Systeme herunterbringen, sofern das möglich ist." Zielsysteme sind PCs und Workstations, auf denen die Softwarelizenzen je nach Benutzeranzahl erworben werden können .

Während im Mainframe-Bereich die Kosten permanent gestiegen sind, haben nach Ansicht des DV-Mitarbeiters in den letzten Jahren PC-Benutzer von sinkenden Kosten bei gleichzeitig steigender Leistung profitiert. Daher müsse es bei den Stadtwerken darum gehen, den Mainframe endlich von solchen Anwendungen, die schon längst auf den PC gehörten, zu entlasten.

Stutenbäumer ist sich darüber im klaren, daß Textverarbeitung und Tabellenkalkulation schon lange nicht mehr auf den Großrechner, sondern auf den PC gehören. Sind diese Programme heute noch auf Mainframes installiert, so verursachen sie im Falle eines Hardwarewechsels außerordentliche Zusatzkosten, die den üblichen Preis für eine PC-Software um ein Vielfaches übertreffen.

Unternehmen wie den Stadtwerken Münster geht es also darum, Rechenleistung auf die Arbeitsplätze der Fachabteilungen zu verlagern. Derlei Downsizing-Projekte lassen sich aber aufgrund der gewachsenen Organisationsstrukturen und der personellen - Voraussetzungen nur schwer durchführen. In vielen Unternehmen hat auch heute noch ein DV/Org.-Leiter der alten Großrechner-Schule das Sagen. "Diese Zentralisten sind der Auffassung, die Fachbereiche seien zu dumm, Informationsverarbeitung zu machen. Wenn, dann macht das die DV-Abteilung - und die kontrolliert alles zentral. Die haben Interesse daran, daß zentrale Anwendungen bestehen bleiben" klagt Stutenbäumer.

Internationale Trends, wie die Zunahme des PC-Geschäfts im Vergleich zum Großrechner-Business, die wachsende Anzahl von Downsizing-Projekten und die Diskussion um die Einführung von Client-Server-Architekturen zeigen aber, daß diese "Zentralisten", die das gängige Lizenzierverhalten im Großrechnerumfeld erst ermöglichen, immer häufiger Machteinbußen hinzunehmen haben. Zunehmend verlassen sich Unternehmen auf ihre "mündigen'' Mitarbeiter in den Fachbereichen.

Zu diesen Betrieben zählt auch die Wohnungsbau-RZ Berlin GmbH. Joachim Zeiler, Technischer Geschäftsführer und Sprecher des SNI-Anwendervereins Save, hat sich das Downsizing auf die Fahnen geschrieben. "Die nächste Softwaregeneration ist Client-Server-orientiert", prognostiziert der DV-Verantwortliche. Transaktions- und oberflächenorientierte Anwendungen sollen vor Ort auf Unix-Maschinen laufen, der Großrechner wird nur noch für die zentrale Datenhaltung benötigt. Aber selbst diese Funktion, die Zeiler seinem BS2000 Rechner noch einräumt, ziehen heute immer mehr DV/Org.-Chefs in Zweifel.

Weil aber der Übergang in ein neues DV-Zeitalter nur sukzessive erfolgt und weil die Unternehmens-DV in den meisten Fällen Mainframe-orientiert ist, sind Anwender wie Zeiler darauf` angewiesen, angesichts der hohen Softwarepreise eine Überlebensstrategie zu entwickeln. Um einer weiteren Kostenexplosion bei der System- und Anwendungssoftware vorzubeugen, gehen viele Konzerne dazu über, anstelle eines der großen Ein-Prozessor-Systeme mehrere kleine Mehr-Prozessor-Systeme zu installieren. Der Anwenderverein Save hat laut Zeiler durchgesetzt, daß Siemens-Nixdorf dieses Verhalten der Anwender akzeptiert und sich darauf einstellt.

"Es ist zu überlegen, ob man eine H90 nicht durch drei kleinere Systeme ersetzen kann. Dann ist man billiger dran", so Zeilers Rechnung. Er ist der Ansicht, daß sich dieser Weg vor allem dann auszahlt, wenn Anwendungen nur von wenigen Benutzern benötigt werden. Derzeit sei das Wohnungsbau-RZ mit einem BS2000-Rechner, Modell H60 ausgerüstet, der mit einem Doppelprozessor bestückt sei. Das sei von der Softwareseite her deutlich günstiger als die zunächst erwogene, später aber wieder verworfene Installation einer H90.

Auf die Aushandlung von Rabatten beziehungsweise Sonderkonditionen bei der Softwarebeschaffung setzt dagegen Jochen Frickel, Gruppenleiter im Bereich Anwendungssoftware bei der Frankfurter Hoechst AG und Vorsitzender des Oracle-Anwendervereins DOAG. "Größere Anwender haben gute Möglichkeiten, indem sie Sonderkonditionen aushandeln" meint der DV-Verantwortliche.

Auch die IBM wählt nach Informationen der DV-Zeitschrift "Online" unter anderem den Weg, Anwender mit Hilfe von Sonderkonditionen weiter an ihre Großrechnerwelt zu binden.

Der Branchenprimus ist dabei, die Softwarepreise für Unternehmen, die auf einer PR/SM-Maschine mehrere Betriebs- und Subsysteme einsetzen, um fünf bis maximal 20 Prozent zu reduzieren. Eine grundlegende Lösung der Anwenderprobleme ist aber auch hier nicht in Sicht, denn die Preise sollen sich nach wie vor an der Prozessorklasse und der Konfiguration orientieren.

Klingel-DV-Chef Schneider begrüßt zwar die Absichtserklärungen der Hersteller, die auf ein neues Problembewußtsein schließen ließen, hält aber aus Erfahrung wenig von solchen Rabatten: "Verhandlungsbereit sind die Hersteller in der Regel nur ein einziges Mal - ganz am Anfang, wenn sie das Geschäft abschließen wollen", ereifert sich der DV-Chef. Dann könne es vorkommen, daß man zumindest die Kosten für das nächste Hardware-Upgrade erlassen bekommen könne. Auf eine grundsätzlich andere Berechnungsgrundlage habe sich bisher aber keines der Häuser einlassen wollen.

Die eigentliche Lösung, und darin ist sich Schneider mit den meisten Anwendern einig, liegt in einem Lizenzierungsverfahren, daß sich an der Anzahl der Benutzer orientiert - so, wie es im PC- und im Unix-Markt längst gang und gäbe ist.

Dort sind die Softwarelizenzen überwiegend nach der jeweiligen Anzahl der Benutzer gestaffelt. Variationen gibt es im Unix-Markt hinsichtlich der Frage, ob eine bestimmte Anzahl registrierter Benutzer die Software nach Belieben einsetzen darf oder ob ausschließlich die aktiven, beim System angemeldeten Anwender zählen sollen.

Der Trend geht dahin, von einer CPU-abhängigen zu einer Benutzerzahl-orientierten Lizenzpolitik zu kommen", erläutert DOAG-Sprecher Frickel Oracle staffele die Benutzerlizenzen im Unix-Bereich seit Anfang des Jahres nach der Benutzeranzahl . Als typisch kann auch das Verfahren der Space GmbH gelten, die abhängig von der Anzahl der aktiven - also am System angemeldeten - Benutzer und der jeweils eingesetzten Module ihrer Standardsoftware bepreist. Je nach Benutzergruppe - es gibt Lizenzen für acht 16, 32, 64 etc. Anwender - und nach den eingesetzten Produkten fällt der Preis je nach Anwenderbedarf unterschiedlich aus.

Ein solches Vorgehen fordern Anwender wie Horst Schneider auch im MVS-Bereich. Dort wird er in der Regel mit dem Herstellerargument konfrontiert: Durch den Einsatz der Transaktionsmonitore CICS oder UTM läßt sich nur schwer ermitteln, wie viele Anwender am System gearbeitet haben. Dazu Schneider: "Das kann mir keiner erzählen!" Wenn der Wille da sei, dann sei auch die technische Umsetzung eines solchen vergleichsweise kleinen Problems nicht sehr schwierig Daß die Lizenzierung nach der Benutzeranzahl im Unix-Bereich offensichtlich problemlos möglich ist, obwohl auch hier OLTP-Anwendungen eine zunehmend wichtige Rolle spielen, nimmt Schneider als Beleg für seine These. Auch die Tatsache, daß die Walldorfer SAP AG ihre komplexe, Client-Server-fähige Mehrplattformen-Software nach der Benutzeranzahl lizenzieren kann, spricht dafür, daß die Möglichkeiten im Mainframe-Bereich bisher weniger aus technischen als vielmehr aus politischen Gründen nicht voll ausgereizt wurden.

SAP-Marketing-Leiter Paul Wahl begründet die R/3-Lizenzierung mit einem Argument, das wohl für die meisten Unix Softwarehäuser gelten kann: Ein Prozessorklassen-orientiertes Pricing sei zweifelhaft, weil die Hardware-Landschaft im Unix-Bereich zu vielfältig sei und weil es so viele Hardware-Neuankündigungen gäbe, daß die Preislisten ständig verändert werden müßten.

Während SAP mit R/2 nach wie vor Mainframe-Plattformen bediene, solle die neue Software unterschiedliche Hardware- und Betriebssystemstrukturen ansprechen. "Wir sind dadurch gezwungen, zu einem anderen Abrechnungsmodus zu kommen", betont Wahl. Im R/2-Bereich bleibt die SAP allerdings bei ihrer Rechnerklassen-orientierten Lizenzierung, wobei das Unternehmen Wert auf die Feststellung legt, daß die Systemklassen sehr grob gegliedert seien. Wie der Marketing-Leiter ausführt, wird zwischen der MVS-, der DOS/VSE- und der BS2000-Klasse unterschieden.

Den Einwand, daß Anwender aus dem unteren MVS-Bereich gegenüber Top-end-Benutzern benachteiligt seien, läßt der Marketier nicht gelten. Man müsse den Nutzen sehen, der für kleine wie große Anwender etwa gleich sei. Dieser werde in erster Linie durch den hohen Integrationsgrad der Module erreicht. Entscheidend sei für SAP-Kunden letztlich weder die Rechnerklasse noch die Benutzeranzahl, es gehe vielmehr einzig darum, die Informationsverarbeitung und Entscheidungsqualität zu verbessern.

Daß aber die verschiedenen Anwender einer Systemklasse die SAP-Software in einer völlig unterschiedlichen Quantität nutzen, berücksichtigt diese Lizenzpolitik nicht.

Die ideale Lösung sehen Anbieter wie Kunden in einer Preisgestaltung, die von der Nutzungsdauer und -häufigkeit eines Rechners abhängt. Derlei Ansätze bestehen heute in der Theorie, die Realisierung scheint aber noch nicht in greifbarer Nähe zu sein. "Solche Modelle leuchten einerseits ein, andererseits ist der Aufwand der Kostenermittlung so hoch, daß man das dem Anwender auch schon wieder in Rechnung stellen müßte", zweifelt etwa Wolfgang Purwin, Pressesprecher der Darmstädter Software AG.

SAP-Marketier Wahl hält entsprechende Ansätze für vielversprechend, hat aber gegenwärtig noch Schwierigkeiten bei der Definition des Begriffs Nutzen: "Ist die Abfrage eines Kundenstamms ein Geschäftsvorfall, den ich quantifizieren kann?" Die Einspeicherung eines Auftrags sei sicher eine "Nutzung", bei der Änderung einer Auftragsposition oder auch nur beim Anzeigen am Bildschirm sei das aber nicht so eindeutig. Das Kontrollsystem müsse also sehr engmaschig gesponnen werden. Wahl bezweifelt, daß die Anwender diesen Aufwand der ja auch die Systemressourcen betreffe, zahlen wollten.