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04.05.1979

"Man wird mit Äußerlichkeiten erst mal etwas weich geklopft."

Mit Dr. Heiner Wiechmann, 43, Leiter der Abteilung Marketing und Organisation in der Verpackungsmittelfirma Schroeder & Wagner in Rinteln an der Weser sprach Elmar Elmauer

- Herr Dr. Wiechmann, Sie sind Datev-Anwender, haben also Ihre klassischen kommerziellen DV-Probleme durch Datenverarbeitung außer Haus gelöst. Nunmehr wollen Sie eigene EDV anschaffen, was suchen Sie konkret?

Wir suchen ein System, mit dem wir unsere Vorkalkulation und die Nachkalkulation fertigen können und das uns Daten über die Kapazitätsauslastung der bei uns eingesetzten Druck- und Verpackungsmaschinen liefert.

- Wie lange suchen Sie schon?

Das Unternehmen hat sich seit sechs bis sieben Jahren immer wieder mal mit diesem Thema befaßt. Konkret suchen wir seit eineinhalb Jahren danach.

- Wie erfolgreich sind Sie bisher gewesen?

Um ehrlich zu sein, ist die Erfolgsquote, vor allem ein passables Softwarepaket zu erhalten, nicht sehr groß.

- Wie viele Anbieter auf dem Markt haben Sie befragt, daß Sie so resignieren? Haben Sie bestimmte Hersteller von Anfang an ausgeklammert?

Wir haben gewisse Firmen bevorzugt, die vermeintlich schon Software anzubieten glaubten - bei denen sich aber dann doch herausstellte, daß vieles für uns nicht passend war.

- Sind Sie wegen branchenspezifischer Probleme oder wegen ihren individuellen Anforderungen noch nicht zu Stuhle gekommen?

Es liegt vor allem an der Konstellation der Branche. Es handelt sich weitgehend um Familienbetriebe mittlerer Größe, was eine durchschnittliche Belegschaftsstärke von 200 bis 250 und Umsatzgrößen um die 15 Millionen Mark bedeutet.

- Nachdem Sie jetzt anderthalb Jahre , suchen und doch zum Resümee komme, die Aussicht, ein geeignetes Softwarepaket zu finden sei gering: Hatten Sie die Hoffnung am Anfang?

Ich hatte sie am Anfang, und ich habe sie noch nicht ganz aufgegeben. Auch der Besuch der diesjährigen Hannover-Messe soll abermals eine Bestandsaufnahme sein, wie weit man auf diesem Sektor ist und ob man inzwischen etwas Passendes für die Druck- und Verpackungsindustrie bekommen kann.

- Bestandsaufnahme kann auch dazu daß Sie sich aus vorhandenen Modulen ein individuelles Paket schnüren und so Ihre Lösung finden. Haben Sie die Alternative, das was Sie brauchen, selbst zu schreiben, gar nicht in Erwägung gezogen?

Ein Programm selbst zu schreiben oder schreiben zu lassen, wäre natürlich eine Alternative. Aber bei der schweren Kalkulierbarkeit solcher Kosten - und negative Beispiele sind mir mal über den Weg gelaufen - möchte ich diesen Weg zugunsten eines Standardpaketes, das für uns eines Tages passen könnte, hintangestellt wiesen.

- Sind sie bei Ihren Auswahlgesprächen bisher stets auf seriöse Angebote gestoßen? Oder versucht ein Teil der Anbieter, mit gezinkten Karten zu spielen, um ins Geschäft zu kommen?

Gezinkte Karten, das ist sehr hart ausgedrückt. Das möchte ich auch den Verkaufsstrategen der Computerwirtschaft nicht unterstellen. Aber die Gespräche sind sehr schnell immer wieder bei der Hardware angelangt, bei der Vergleichbarkeit der Hardware zu Konkurrenzprodukten. Ich meine damit, man wird mit Äußerlichkeiten erst mal etwas weich geklopft, und bekommt dann doch die Enttäuschung zu verspüren.

- Gilt dies für alle Anbieter?

Ja. Auch haben sich einige Computeranbieter nach meinem Besuch der Hannover-Messe im letzten Jahr gar nicht mehr gemeldet.

- Wann denken Sie denn, daß Sie so weit sein werden, zu sagen, so nun machen wir's, und zwar in der und der Form?

Also, diese anderthalb Jahre, von denen wir gesprochen haben, die sollten an sich die ausreichende Zeit sein. Wir möchten dies deshalb in irgendeiner Form im Jahre 1979, spätestens Anfang 1980, realisiert haben. Die Tatsache, daß auch Softwarepakete immer branchenspezifischer zugeschnitten werden, gibt mir da eine gewisse Hoffnung.

- Was denken Sie denn, wie viele Änderungen Sie an den Standardpaketen vornehmen müssen, um sie für Ihre persönliche Anwendung zu optimieren?

Also über diesen Umfang bin ich nicht orientiert. Aber in Ihrer Frage liegt auch schon mit ein Teil der Antwort. Man muß jedenfalls mit einem erheblichen Paket noch rechnen - organisatorisch und auch dadurch bedingt, daß Programmpakete auf eine gewisse Druckrichtung, etwa Offset, zugeschnitten sind, dann aber wieder beispielsweise für den Tiefdruck nicht mehr gelten, so daß dann doch Zusatzprogramme geschrieben werden müssen.

- Sie können aber sagen, daß Ihr Unternehmen selbst heute so organisiert ist, daß die Einführung der Datenverarbeitung im produktionsnahen Bereich eigentlich kein Problem mehr darstellen dürfte?

Nein, das wäre etwas zu weit gegriffen. Ich möchte sogar die Tatsache der Einführung eines solchen Systems, übertrieben gesagt, als Peitsche auffassen, damit man einige organisatorische, betriebswirtschaftliche Probleme noch mal gründlich angeht und sie vorher löst. Die Lösungsmöglichkeiten stehen eigentlich, aber da die unmittelbare Notwendigkeit, den Ablauf zu rationalisieren, noch nicht gegeben war, ist das ein bißchen unterblieben.

- Sie haben jetzt anderthalb Jahre nur Systemauswahl betrieben. Wie lange, glauben Sie, wird es dauern, bis das System fehlerfrei läuft?

Ich glaube, ich muß dieselbe Zeit noch mal dazurechnen.

- Empfehlen Sie jetzt aus Ihrer Erfahrung bei solchen Auswahlfragen und bei der Einführung selbst, einen unabhängigen, Hersteller-neutralen Berater beizuziehen, oder kann man das leicht selber machen?

Ich traue mir zu, das was die Systeme betrifft, bis zu einem gewissen Grade selbst zu machen. Nachher für die Wartung des Programms braucht man sicherlich einen Fachmann, der als Programmpfleger beschäftigt werden muß.

- Auch bei Ihnen produziert die Einführung der Datenverarbeitung neue Arbeitsplätze. Die Datenverarbeitung im Haus wird mehr Geld kosten. Wie rechnet sich eigentlich diese Entscheidung betriebswirtschaftlich?

Ich bin überzeugt davon, daß die Lohnkosten nicht unbedingt sinken. Aber der Umstand, daß man eine Produktionssteuerung betreiben und eine gleichmäßigere Beschäftigung der Maschinen erzielen kann, ist ein derartiges Positivum, daß sich dieser Schritt eigentlich immer lohnen müßte.

- Wie wichtig ist bei der Investitionsentscheidung für Sie die Überlegung,

den Produktionssteuerbereich im Inhouse-DV zu lösen, um kostengünstiger gegenüber Außer-Haus-DV zu fahren?

Das ist sicherlich ein Faktor, der eine Rolle spielt. Wobei wir uns klar darüber sind, daß wir sicherlich für die Steuerung des technischen Sektors mehr an laufenden Kosten aufwenden müssen - sei es in Form von Mitteln für Programmwartung, Programmaktualisierung - als bei der kaufmännischen Seite.

- Werden Sie sich später völlig trennen von der Datev, vom Konzept der Datenverarbeitung außer Haus?

Die Datev-Anwendung sollte tunlichst weiterlaufen. Es wird ja sogar von Computerfirmen heutzutage eine Kombination mit Datev angeboten, weil man wohl einsieht, daß man daran nicht vorbeigehen kann. Der Tatbestand, daß ja die Bilanz von einem Wirtschaftsprüfer geprüft werden muß und er auch die Datenverarbeitung stellenweise über sich laufen läßt, würde bedeuten, daß man weiterhin Datev im Hause behält, sonst sollte man doch nach einer gesamtheitlichen Lösung streben.