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06.02.1987 - 

Aus Wettbewerbsgründen müssen sich die Unternehmen der strategischen DV-Planung zuwenden:

Management muß harte DV-Bretter bohren

FRANKFURT - Informationsverarbeitung muß Chefsache werden. Darüber waren sich Anbieter wie erfahrene Anwender beim Symposium "Strategische Waffe Informationstechnik" in Frankfurt einig. Unisono beklagten beide Gruppen aber auch den Mangel an Kommunikationsfachleuten.

Verschiedene Referenten bemängelten auf dieser von der Diebold Unternehmensberatung in Zusammenarbeit mit der "Wirtschaftswoche" organisierten Veranstaltung, daß in einer Vielzahl von Unternehmen die strategischen Entscheidungen bezüglich des Einsatzes der Informationstechnik nicht auf der Vorstands-/ Geschäftsführungsebene fallen würden, wo sie nämlich hingehörten. Dies erfordere klare strategische Richtlinien, machte Bundesbahn-Chef Reiner Gohlke deutlich. Mit Traditionen allein könne man keine Zukunft haben.

Das Ziel beim Einsatz der Informationstechnik müsse sein, Kosten transparenter zu machen und die Beiträge von Produkten und Produktgruppen zu den Kosten genau analysieren zu können. "Die Informationstechnik und vor allem deren Anwendung", lästerte der Bahn-Boß, "ist zu bedeutend, um sie den DV-Spezialisten allein zu überlassen." Ulrich Kiel, Mitglied des Vorstandes der Quelle AG, äußerte die Sorge, daß durch die Diskussion über den Informationsmanager die derzeitigen DV-Verantwortlichen in ihrer Bedeutung falsch eingeschätzt werden könnten. Auch würden die Endanwender dazu neigen, zu viele Rechte geltend zu machen und den DV-Chef nur als eine Art Erfüllungsgehilfen zur Lösung ihrer Probleme anzusehen. Kiel warnte vor dieser Betrachtungsweise.

Von dem offiziellen Motto des Symposiums "Strategische Waffe Informationstechnik" setzte sich Nixdorf-Chef Klaus Luft leicht ab, indem er nur die Information als strategische Waffe bezeichnete. Die Technik sei schließlich nur das Werkzeug, um Informationen zu sammeln, aufzubereiten und zu verteilen. "Wir werden lernen müssen", so Luft, "wie man Informationen zu bewerten hat." Luft sieht die Informationstechnik als Teil des "Gehirns der Unternehmen".

Folge man der These, erläuterte der Nixdorf-Vorstand, daß die Informationstechnik unverzichtbar für den Erfolg eines Unternehmens sei (und viele Unternehmen seien bereits stark abhängig vom Informationshandling), dann werde ihm vollends unverständlich, wenn Unternehmens-Chefs heute noch, teils voller Stolz, äußerten: "Mit Informationstechnik wollen wir nichts zu tun haben."

Nicht auszuschließen ist allerdings, daß die DV-Anbieter selbst zu dieser Haltung beigetragen haben. So schloß sich auch Luft der zarten Selbstkritik der DV-Anbieter an: Die Hersteller müßten noch stärker als bisher anwendungsorientierte Lösungen sehen. Zu sehr stünde immer noch die Technik im Vordergrund. Luft sprach sich dabei für eine "organisatorisch sinnvolle" Vernetzung, aber nicht für die Totalvernetzung um jeden Preis aus. "Die Frage der Organisation ist zu wichtig, um sie den Fachleuten allein zu überlassen", wandelte Luft ein Zitat eines Vorredners ab.

Die alte Diskussion über die Steigerung der Produktivität durch den Einsatz neuer Techniken griff Hans-Jörg Bullinger in seinem Referat auf. Dabei wies der Chef des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Stuttgart, deutlich darauf hin, daß die Produktivitätsgewinne im Fertigungsbereich beispielsweise immer auch Hand in Hand mit einer Änderung der Organisationsstruktur gegangen seien. In der Organisationsstruktur der Büros aber habe sich überhaupt nichts geändert.

Es sei nicht sonderlich relevant, Vorgänge im Büro schneller zu machen, sondern vielmehr müsse man zunächst die Frage stellen, warum einige Vorgänge überhaupt gemacht würden. Die Amerikaner hätten, so Bullinger, den Kernsatz geprägt, daß man vor Strukturänderungen immer erst über die Strategie nachdenken müsse ("structure follows strategy"). Bullinger erweiterte diese These um die Feststellung, daß der Einsatz einer neuen Technik erst nach der Festlegung der Strukturen sinnvoll sei ("technology follows structure").

In diesem Zusammenhang räumte Bullinger mit dem Mythos auf, daß Unternehmen allein schon dadurch erfolgreicher seien, daß sie überhaupt die Informations- und Kommunikationstechnik einsetzten. Technokratische, strukturelle oder personelle Konzepte seien für sich allein gleichwertig und brachten einzeln keine nennenswerten Marktvorteile. Schließlich deckte der IAO-Chef noch einen Widerspruch auf: "Wir reden von Integration, aber wir pflegen unsere Abteilungsgrenzen." Damit wies er noch einmal darauf hin, daß Informationstechnik, wenn sie zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit führen soll, zu einer Veränderung der Organisationsstrukturen führen muß.

Mit dem Einsatz der Informationstechnik hat das Management laut Bullinger genau die gleichen Probleme wie mit anderen für das Unternehmen relevanten Themen auch: In jedem Fall müsse eine klare Strategie entwickelt werden, beispielsweise wie man mit welchen Produkten am Markt aktiv werden wolle. Für diese ohnehin notwendigen Planungsaufgaben stehe jetzt ein weiteres Werkzeug zur Verfügung - nämlich die Informationstechnik. Aber Bullinger warnte das Auditorium: "Die Gesamtlösung können Sie bei keinem Hersteller kaufen." Denn Faktoren wie Strategie oder Ausbildung lägen eindeutig in der Verantwortung der Anwender.

Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Trends in der Informations- und Kommunikationstechnik: Euphorische Anbieter - Verunsicherte Anwender" mochte sich Bernhard Dorn, stellvertretender Geschäftsführer der IBM Deutschland, den Schwarzen Peter nicht zuschieben lassen: Wenn der Anwender verunsichert oder irritiert sei, dann sei er entweder uninformiert oder unengagiert, oder die Verunsicherung käme von dritter Seite - und das müßten ja nicht unbedingt die Hersteller sein. Für diese Ansicht erntete der IBM-Manager den Unmut des Publikums. Die Dornsche These konnte Ex-IBM-Geschäftsführer Gohlke nicht teilen: "Die Verunsicherung der Anwender durch die Hersteller ist natürlich gegeben." Das sei, so der Bahn-Chef, schließlich Teil des Marketings.

Einen interessanten Denkansatz brachte Nixdorf-Chef Klaus Luft zur Entschärfung der Ausbildungssituation in die Diskussion. Wie auch MBB-Vorstand Roland Mecklinger beklagte er den Mangel an Kommunikationsingenieuren beziehungsweise -beratern. Luft schlug vor, wenn man schon an weiteren Arbeitszeitverkürzungen nicht vorbeikomme, die so gewonnene Zeit für die Weiterbildung zu nutzen. Luft kritisierte insbesondere, daß selbst den Hochschulen die notwendigen Fachkräfte für die Ausbildung fehlten. "Und jetzt sollen wir unsere ausgebildeten Kommunikationsfachleute an die Hochschulen abgeben."