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05.01.1984 - 

Einsatz von benutzerorientirten Sprachen nicht nur in der Fachabteilung:

Management verpaßt fundierte Info-Chance

Neben der klassischen Unterstützung durch die Datenverarbeitung benötigt das Management mehr und mehr auch strategische Informationen, um den Erfolg des Unternehmens in einem immer komplexer und dynamischer werdenden Umfeld sicherzustellen. Die traditionelle DV kann nämlich Entscheidungen der Unternehmensleitung nicht ausreichend unterstützen. Der folgende Beitrag wirft für diesen Bereich die Frage nach dem Einsatz benutzerorientierter Sprachen auf; sie setzen sich in Deutschland nur zögernd durch - nicht zuletzt wegen der "Akzeptanzängste" der Topmanager.

Die Datenverarbeitung stellte während der 60er bis Mitte der 70er Jahre vor allem der operativen Ebene Daten zur Verfügung. Hier kann von einer Form der Massendatenverarbeitung für repetitive Prozesse gesprochen werden. Diese Prozesse wurden immer weiter ausgebaut und zuintegrierten Systemen zusammengefaßt.

Weiterhin war die Datenverarbeitung organisatorisch in zentralen Instanzen innerhalb der Unternehmung eingebettet. Programmierabteilungen entwickelten Software, die in Rechenzentren im Batchbetrieb abgewickelt wurde. Der technische Fortschritt hob diese Zentralisierungstendenz jedoch auf; die Nutzung von DV-Leistungen wurde in die Fachabteilung transferiert. Auf diese Weise kann heute der Endbenutzer aktiv am Prozeß der Informaffonsgewinnung und -verarbeitung partizipieren.

Unter diesen veränderten Rahmenbedingungen ergeben sich völlig neue Dimensionen für die Unterstützung von unternehmerischen Beschlüssen. Die traditionelle Datenverarbeitung kann heutige Managemententscheidungen nicht ausreichend unterstützen, da hier andere Informationskanäle benötigt werden: Auf operativer Ebene kann eine Anforderung häufig frühzeitig definiert werden. Sie wird dann in einen Prioritätenkatalog aufgenommen, und hier kann sie entsprechend der Dringlichkeit durch die Systementwicklung programmiert und über das Rechenzentrum abgewickelt werden.

Demgegenüber entstehen Managemententscheidungen meist situativ. Die benötigten Informationen sind nach Art, Umfang und Darstellungsform in der Regel nicht im voraus zu definieren. Ihr Informationsgehalt erfordert eine "sekündliche" Aktualität.

Unternehmer entschaiden häufig intuitiv

Entsteht ein solcher situativer Entscheidungs- und Handlungsbedarf, so kann das Management nicht auf den langen DV-Weg bis zur Realisierung der Anforderung warten. Aus diesem Grunde werden die benötigten Daten häufig entweder manuell erstellt, oder die Unternehmensführung verzichtet auf eine informationelle Fundierung und entscheidet intuitiv.

Um auch diesen Informationsbedarf befriedigen zu können, entwikkelte die Software-Industrie benutzerorientierte Sprachen. Mit Hilfe dieser Werkzeuge erhält der Endbenutzer in der Fachabteilung sowie das Management ein flexibles Instrument, um die erwähnte Informationslücke schließen zu können.

Benutzerorientierte Sprachen sind so konzipiert, daß mit ihrer Hilfe die Leistungen der Datenverarbeitung ohne tieferes DV-Fachwissen realisiert beziehungsweise in Anspruch genommen werden können. Die Problemformulierung, das "Was", steht bei solchen nichtprozeduralen Sprachen im Vordergrund. Wie die Datenverarbeitung eine Anforderung realisiert, nämlich das "Wie" der prozeduralen Sprachen (Assembler, Cobol, Basic, PL/1), steht hierbei im Hintergrund.

Heute steht entsprechend den unterschiedlichen Applikationen und den Anwenderschichten ein breites Spektrum dieser benutzerorientierten Sprachen zur Verfügung. Sie können funktional in drei Kategorien eingeteilt werden: Abfragesprachen einschließlich Reportgeneratoren, Planungssprachen und multifunktionale Sprachen.

Abfragesprachen dienen der Selektion von (bestehenden) Datenbanken und/oder Datenbeständen. Hier können entsprechend dem Informationsbedarf, etwa nach bestimmten Kriterien, situativ Datenfelder miteinander kombiniert, analysiert, für Simulationen weiter verarbeitet und auch in Listform ausgedruckt werden (zum Beispiel SQL und Inquiry).

Planungssprachen dienen der Realisierung von Planungs- und Controllingaufgaben. Sie basieren in der Regel auf der Matrixlogik beziehungsweise -verarbeitung. Hier können einzelne Spalten und Zeilen definiert und Elemente der Matrix für Beschaffungs-, Absatz- oder Finanzplanung gezielt manipuliert werden. So können Prognosen, Simulationen oder Szenarien entworfen und in allen erdenklichen Variationen durchgerechnet werden (zum Beispiel APL, EPS, ITS/73).

Multifunktionale Sprachen stellen eine Weiterentwicklung der einfunktionalen (Abfrage-/Planungs-) Sprachen dar. Sie werden auch als Sprachen der vierten Softwaregeneration bezeichnet. In ihnen vereinigen sich mehrere Funktionen wie Abfrage, Planung, Statistik, Grafik oder Dateierstellung/-erfassung. Es sind integrierte Systeme, in denen eine einheitliche Terminologie Verwendung findet.

Der Benutzer braucht nicht für jedes Anwendungsgebiet eine spezifische Sprache zu lernen, sondern kann sich innerhalb dieser einheitlichen Systemumgebung bewegen. So kann er bestehende Datenbestäde selektieren oder eigene anlegen, die gewonnenen Daten statistischen Auswertungen unterziehen, sie für Planungszwecke zugrunde legen oder in Berichtsform aufbereitete Informationen mit (denselben) Parametern grafisch veranschaulichen. Hierdurch ermöglichen multifunktionale Sprachen wie Focus, Ramis II oder Mapper, die breitangelegten Informationsbedürfnisse des Managements zu befriedigen.

In einer ersten Phase wird jedoch gerade der Topmanager wegen mangelnder Akzeptanz dieses Werkzeug nicht direkt nutzen, sondern einen Assistenten zwischenschalten, der ihn mit den benötigten Informationen versorgt. Bis zur Realisierung entsteht jedoch auch hier ein gewisses "Time Lag", denn der Asisstent muß sich unter Umständen in die Problematik einarbeiten oder die Problembeschreibung erst einmal koglutiv erfassen, um die Lösung zu realisieren.

Außerdem können wegen Mißverständnissen unbewußte Informationsverzerrungen oder bewußte "Informationsverschmutzigen" auftreten. Deshalb wird in Zukunft der Topmanager besonders erfolgreich im Markt agieren, der auch ein solch strategisches Instrument direkt zu nutzen versteht. Diesen innovativen Weg haben bereits amerikanische Manager erkannt und mit Erfolg beschritten.

*Dr. Wafi Al-Baghdadi ist Mitarbeiter der Stabsstelle Planung, und Heribert Thirame ist Mitarbeiter des Vertriebs des Genossenschafts-Rechenzentrums, Köln-Porz.