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04.08.2000 - 

Hohe Anforderungen an Interims-Führungskräfte

Manager auf Zeit - Profis für unangenehme Aufgaben

Sie sitzen zwischen allen Stühlen und sollen häufig retten, woran andere sich lieber nicht die Finger verbrennen wollen: Interims-Manager - Führungskräfte auf Zeit - sind im Kommen. Der große Vorteil für die Firmen: Nach getaner Arbeit verschwinden sie wieder - geräuschlos. Von Veronika Renkes*

Unternehmer und Geschäftsführer sehen sie gerne kommen - und manche noch viel lieber wieder gehen: Aushilfskräfte im Management sollen den Firmen den Weg aus der Krise weisen, Kurskorrekturen vornehmen oder für künftige Strategien die richtigen Pflöcke in den Boden treiben. Ihre wichtigsten Einsatzgebiete: "Krisensituationen bewältigen, Schieflagen beseitigen, Umstrukturierungen vorantreiben, die Eröffnung neuer Firmenstandorte in die Wege leiten", nennt Martin Kraeter, Interims-Manager und Geschäftsführer der Management-Beratung KLP Kraeter & Partner KG in Berlin, einige ihrer Aufgaben.

An die 10000 Interims-Manager sind derzeit bei deutschen Firmen im Einsatz - in der Regel stehen sie den änderungswilligen Unternehmen für drei bis 18 Monate zur Verfügung. Für ihre Dienste erhalten sie zwischen 2000 und 5000 Mark pro Tag. Geschäftsführer werden ebenso gebucht wie Produktionsleiter und Projekt-Manager oder Personalchefs. "Gefragt sind Personen im Alter zwischen 40 und 60, die ohne Karriere- oder Profilierungswunsch auf eine bevorstehende Karriere oder Profilierungsmöglichkeiten unvoreingenommen und objektiv die Probleme in den Unternehmen sofort anpacken und dann auch wieder gerne gehen", fasst Ludwig Heuse, Geschäftsführer der Interims-Management-Gesellschaft Ludwig Heuse GmbH in Kronberg, das Wunschprofil zusammen.

Die größte Nachfrage besteht an hochkarätigen Experten, die Erfahrungen in Marketing und Vertrieb sowie Fertigung und Technik mitbringen. Das Interesse an IT-Fachleuten, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Interims-Management-Gesellschaft, ist hingegen noch nicht so stark ausgeprägt. Der Grund dafür: Erstens handelt es sich um eine noch junge Industrie mit relativ wenig Fachleuten über 50, die in Deutschland immer noch das Gros der Interims-Manager bilden. Zweitens sind Jobs im IT-Bereich wegen des rasanten Wandels sowieso tendenziell als "portabel" anzusehen, Arbeitsverträge enthalten von vornherein die sonst für das Interims-Management typische Flexibilität.

Vor allem Betriebe mit 200 bis 500 Mitarbeitern interessieren sich für Manager auf Zeit. Die nach externer Hilfe rufen, sind meistens Unternehmensinhaber, Gesellschafter, Geschäftsführer, Venture-Capital-Gesellschaften oder Banken. Ihre Motivation: Den eigenen Laden auf Vordermann zu bringen und notfalls mit eisernem Besen zu kehren, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. "Der Interims-Manager hat den Vorteil, dass er Führungskraft auf Zeit ist. So kann er harte Schnitte im Unternehmen besser durchsetzen", erklärt Kraeter. Er sei in den Strukturen des Unternehmens nicht verhaftet und könne somit auch unpopuläre Maßnahmen durchziehen. Ein Manager mit Zeitvertrag müsse auf das subjektive Interessengeflecht in einer Firma keine Rücksicht nehmen.

Das sieht auch Heuse so: "Die starke Nachfrage nach Chefs auf Zeit resultiert aus der häufigen Anfrage von Banken, Holding- und Beteiligungsgesellschaften sowie Konzernmüttern. Sie wollen in Erfahrung bringen, ob die Zahlen ihrer Schäfchen nicht nur schlecht, sondern vielleicht auch falsch sind, was dann durch einen Interims-Manager zu klären ist." Die Leih-Manager sollen den Kollegen auf die Finger schauen.

Deshalb kommen für diesen Schleudersitz fast ausschließlich erfahrene Führungskräfte in Frage, die nach einer erfolgreichen Karriere neue Herausforderungen suchen und ihre Dienste freiberuflich am Markt anbieten. "Fingerspitzengefühl, Kommunikationstalent, Führungspersönlichkeit und Organisationsgenie", sind das Grundrüstzeug, das ein Manager auf Zeit mitbringen muss: Denn die Belegschaft eines Unternehmens ist nicht ohne weiteres darauf erpicht, "mit jemandem zusammen zu arbeiten, der das Verfallsdatum auf der Stirn trägt", weiß Georg von Mylius von der Unternehmensberatung UDF mit Standorten in Stuttgart und Düsseldorf zu berichten.

Wenn Interims-Manager über die nötige Sozialkompetenz verfügen, können sie die Potenziale der Mitarbeiter nutzen und von deren Ideen sogar profitieren. "Setzt sich der Chef auf Zeit mit den Leuten zusammen, dann kommen oft sehr gute Analysen zustande", so Kraeter, der seit Jahren IT-Unternehmen berät.

Der Bedarf an solchen Supermännern - Frauen sind in dieser Sparte so gut wie nicht vertreten - geht queerbeet durch alle Branchen. Gerade die über Nacht aus dem Nichts entstandenen IT- und Internet-Unternehmen rufen nach den Krisen-Managern - vor allem, weil sie den Wildwuchs bekämpfen und Strukturen in das Chaos bringen müssen, um arbeitsfähig zu bleiben. "In der jüngsten Vergangenheit sind junge Talente sehr schnell ohne Management-Kenntnisse aufgestiegen, und dann gab es irgendwann ein Debakel", berichtet von Mylius.

Kraeter weiß sofort, was sein Kollege meint: Denn meistens kommen die jungen Unternehmer aus der New Economy erst zu ihm, "wenn sie enorm unter Druck stehen und es im Gebälk so richtig kracht". Die Jungunternehmer können in der Regel nicht auf den Erfahrungsschatz eines gestandenen Managers zurückgreifen - sie sind mit "Chaos-Management und anarchistischen Firmenstrukturen" konfrontiert.

Aufgrund der äußerst knappen Personalressourcen in der IT-Welt seien die Firmen bereit, die relativ hohen Honorare für Interims-Manager zu zahlen. Es gibt, so von Mylius, wenige hoch qualifizierte Kräfte, die sowohl über die fachlichen als auch Management-Kompetenzen verfügen.

Neben der Entwirrung chaotischer Zustände suchen IT-Firmen Management-Profis mit guten Kontakten, wenn es um die Erschließung neuer Geldquellen geht. Bei der Anwerbung von Venture Capital ist es wichtig, das Unternehmen optimal zu positionieren und konzeptionell zu überzeugen.

Die Startups - so sein Fazit - seien zu stark auf ein bestimmtes Produkt oder auf eine Zielgruppe fokussiert. Die Aufgabe des Interims-Managers: die vorhandenen Potenziale, Visionen und Ziele zu erfassen und richtig zu positionieren. In solchen Fällen setzen Kraeter und seine Kollegen auf das Prinzip des Staffellaufes: Die Manager auf Zeit halten solange den Stab fest in der Hand, bis ihn ein fester Mitarbeiter übernehmen kann.

Damit die Arbeit der Manager auf Zeit nicht vergebens ist, empfiehlt von Mylius, den Einsatz gut vorzubereiten - zum Beispiel durch eine genaue Analyse dessen, was das Unternehmen braucht, in welcher IT-Welt es lebt und welche Kultur dort vorherrscht. "Ähnlich wie beim Beratungsgeschäft sollte der Interims-Manager im operativen Geschäft Lösungen anstreben, die in das Gesamtkonzept der Unternehmenspolitik passen - auch dann, wenn diese aus der Sicht des Interims-Managers drittklassig ist", so von Mylius.

*Veronika Renkes ist freie Journalistin in Bonn.

Einsatz von Interims-ChefsFunktionen:

1. Instrument zur Abdeckung inhaltlicher und personeller Vakanzen:

-Nach Erweiterungen des Leistungsspektrums,

-nach Umstrukturierungen,

-nach Diversifikationen bei Fachkräftemangel,

-zum Ausgleich erfolgter Fluktuation,

-zum Übergang aus der Entwicklungsphase in die Vermarktung.

2. Instrument zur Erweiterung der Unternehmensaktivitäten:

-Quantitative Erweiterung (Wachstum) bei gleichzeitigem Mitarbeitermangel,

-Begleitung bei der Eröffnung neuer Firmenstandorte und Erschließung neuer Märkte (qualitativ und geografisch).

3. Instrument zur Überwindung von Krisensituationen:

-Absatzprobleme,

-Insolvenzbedrohung,

-Beseitigung von Schieflagen,

-harte Einschnitte in die Unternehmensstruktur.

Verträge:

Klare Vereinbarungen treffen. Bewährt haben sich Werkverträge mit präzise formulierten Zielvorgaben.

Förderaspekt:

Der Einsatz von Führungskräften auf Zeit wird in fast allen Bundesländern, etwa über Landesförderbanken, finanziell unterstützt.

Kontakte:

KLP Kraeter & Partner KGPaul-Lincke-Ufer 3410999 BerlinTelefon: 030/617 86-170Fax: 030/617 86-270Internet: http://www.klp.dehttp://www.meome.de/vc

Ludwig Heuse GmbHFrankfurter Straße 13a61476 Kronberg i. Ts.Telefon: 06173/92 41-0Fax: 06173/92 41-11Internet: http://www.interim-management.de

UDF Unternehmensberatung GmbHGänsheidestraße 5970184 StuttgartTelefon: 0711/210 70-0Fax: 0711/210 70-59Internet: http://www.udf.de