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14.03.1997 - 

Wissenschaftliche Vielfalt und hohes Niveau belohnt

Manager küren Karlsruhe zur besten Informatikfakultät

Ein bißchen beleidigt waren sie schon, die Herrn Informatikprofessoren aus Karlsruhe, daß man sie nicht bei den Ingenieuren akzeptierte. In einem Ranking der besten ingenieurwissenschaftlichen Hochschulen fehlten nämlich die Computerwissenschaften. Dabei schreiben sich die badischen Wissenschaftler ganz stolz auf ihre Fahnen, daß sie die künftigen Software-Entwickler ingenieurmäßig ausbilden. Und außerdem verleihen sie den Dr.-Ing. Nun aber ist die Welt wieder in Ordnung.

Tradition und Innovation bilden in Karlsruhe eine harmonische Einheit. Hier entstand 1825 die älteste technische Hochschule Deutschlands, Heinrich Hertz gelang einige Jahrzehnte später die Erzeugung und der Nachweis elektromagnetischer Wellen, und 1972 wurde hier die erste Informatikfakultät Deutschlands ins Leben gerufen.

Dekan Hans-Hellmut Nagel bezeichnet heute seinen Fachbereich mit 27 Professoren als den größten in Deutschland. Insgesamt sind 200 Wissenschaftler tätig, die etwa 1750 Studenten unterrichten. "Tendenz wieder steigend", wie der Dekan versichert. Anfang der 90er Jahre ging die Zahl der Neueingeschriebenen kontinuierlich zurück von über 500 auf unter 200 Studenten im Jahr. Geschäftsführer Wilhelm Denz nennt dafür zwei Gründe: Die geburtenschwachen Jahrgänge kamen zu dieser Zeit an die Hochschulen, und die Situation am Arbeitsmarkt ließ manchen Interessenten von einem DV-Studium absehen.

Denz ist allerdings sicher, daß nun die Talsohle durchschritten sei. Im vergangenen Herbst stieg die Zahl der Erstsemester wieder um ein Viertel an.

Als Vorteile der Informatikausbildung in Karlsruhe sieht Professor Peter Lockemann die solide theoretische Grundausbildung und das breite Forschungsspektrum, das sich in der Lehre widerspiegelt. Als attraktiv gelten die Lernbedingungen im Hauptstudium und die ausgezeichneten Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Zudem vermitteln die Dozenten aktuellstes Know-how. Im letzten Sommer richtete beispielsweise die Hochschule einen Multimedia-Saal ein, in dem Simulationen für Vorlesungen und Teleseminare stattfinden.

Hinzu kommt, daß rund 60 Prozent der Hauptstudiumsteilnehmer als wissenschaftliche Hilfskräfte innerhalb der Universität arbeiten können, etwa in der Betreuung der Frühsemester. Die Anwendungsaspekte werden vor allem in den 25 angebotenen Ergänzungsfächern betont, aus dem sich die Studenten eines aussuchen müssen.

Darüber hinaus finden Studenten in zahlreichen außeruniversitären Instituten Beschäftigung. "Wir haben die größte Forscherdichte in Deutschland", so Nagel. Als beispielhaft nennt er die Karlsruher Informatik-Kooperation (KIK). Darin haben sich fünf IT-Forschungseinrichtungen unter dem Dach der IHK zusammengeschlossen, um den Technologietransfer zwischen Forschung und Wirtschaft zu fördern.

Dekan Nagel hat keine Angst vor der Zukunft. Im Gegenteil, er beginnt die Hochschule für künftige Herausforderungen zu rüsten. So finden seit dem letzten Sommersemester Befragungen statt, in denen die Studenten Professoren bewerten. Die Teilnahme ist freiwillig. Mittlerweile lassen sich die Hälfte der wissenschaftlichen Lehrkräfte auf diese Weise beurteilen.

Die Hochschule ihrerseits befragt die Abgänger, ob und wo sie untergekommen sind. "Das Ergebnis kann sich sehen lassen" erzählt Peter Deussen stolz. Der Professor betreute eine Evaluationsstudie, in der unter anderem die Absoventenjahrgänge 1992 bis 1995 nach ihrem Werdegang nach Verlassen der Hochschule befragt wurden.

In einer von dem Professor betreuten Studie fanden 40 Prozent der Absolventen der Jahrgänge 1992 bis 1995 bereits einen Monat nach Examensschluß eine Stelle und immerhin weitere 40 Prozent nach vier Monaten, "und das in einer Zeit, als die Berufsaussichten nicht rosig waren", wie Deussen betont.

Trotz des hohen Ansehens seiner Fakultät und der zahlreichen sonstigen Aktivitäten kämpft auch Dekan Nagel gegen die Mittelkürzungen. Denn auch an seiner Institution gingen die Sparmaßnahmen aus dem Stuttgarter Bildungsministerium nicht spurlos vorbei. So strich ihm der Kultusminister in diesem Jahr 50 Prozent der freien Sach- und Personalmittel.

Dekan Nagel bleibt nichts anderes über als weiter Pluspunkte für seine Fakultät zu sammeln.