Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.07.1978 - 

Planungssoftware quo vadis?

Manager-Terminal bleibt Requisit zur Imagepflege

Mit der zunehmenden Entwicklung problemorientierter Planungssoftware wird häufig die Erwartung verbunden, eines nicht allzu fernen Tages werde der Anwender ohne Programmierkenntnisse und ohne Spezialistenhilfe seine Datenverarbeitungsprobleme mit dem Computer lösen können.

Schlagworte, wie "benutzerfreundliche Software", "EDV in die Fachabteilung" und "Manager am Bildschirm", kennzeichnen diese Erwartungen ebenso wie die Ankündigung der Entwicklung "natürlicher" Programmiersprachen. Einige Thesen sollen den heutigen Stand der Software-Entwicklung für Planungsaufgaben beleuchten und skizzieren, welche Anforderungen an Planungssoftware und deren Entwicklung sinnvoll zu stellen sind.

Spezialkenntnisse erforderlich

Software(systeme) für Planungsaufgaben haben einen hohen Leistungstandard hinsichtlich methodischer Fähigkeit und Anwendungsflexibilität erreicht. Sie werden dennoch (oder gerade deshalb?) nur dann von Planern oder Managern - also ohne Unterstützung durch Softwarespezialisten - eingesetzt, wenn diese Planer oder Manager selbst die notwendigen Spezialkenntnisse erworben haben.

Manager lenken durch ihre geistige Arbeit die ausführende Arbeit ihrer Mitarbeiter. Die nur durch Spezialkenntnisse mögliche selbständige Problemlösung mit Planungssoftware wird daher von Managern nicht als ihre eigentliche Aufgabe angesehen. Der Bildschirm auf dem Schreibtisch des Managers wird wohl eher Requisit einer bewußten oder unbewußten Imagepflege bleiben, denn notwendiges Arbeitsmittel werden.

Der Grad der Selbständigkeit der (..)nenden Fachabteilung beim Einsatz von Planungssoftware für die Lösung von Planungsaufgaben hängt von mehreren Faktoren ab:

- der Intensität der Planungsbemühungen der Planer oder der Umfang der Planungsanforderungen des Managements und der hieraus resultierenden Nutzenerwartung für den Einsatz von Planungssoftware,

- dem Zutrauen der Planer in ihre Fähigkeit und eine entsprechende Bereitschaft zum Einsatz von geeigneter Planungssoftware

- der Bereitschaft der DV-Abteilung, den Einsatz von Planungssoftware durch die Planungsabteilung zu unterstützen und das Zutrauen der Planer hierfür zu stärken,

- der Eignung der Planungssoftware im Hinblick auf ihre Anforderungen an die Planer als selbständige Anwender.

Die unternehmugs-individuelle Entwicklung von methodisch ausreichend mächtiger und in der Anwendung ausreichend flexibler Planungssoftware ist eine anspruchsvolle Aufgabe, sich nur wenige große Unternehmungen zumuten können. Einzel- und gesamtwirtschaftlich sinnvoller sind mehrfach einsetzbare Planungssoftware-Systeme. Die für verschiedene individuelle Anwendungen erforderliche Leistungsbreite und -vielfalt erreichen Systemkonzepte, die eine Kombination von Datenbank. Methodenbank und Modellbausteinen mit Hilfe von Ablaufsteuersprachen ermöglichen.

Unterschiedliche Anforderungen

Es gibt keine "beste" Planungssoftware für eine Planungsaufgabe. Auch für gleichartige Planungsaufgaben können unterschiedliche Ausprägungen der hier genannten Einsatzbedingungen, insbesondere das Verhältnis von Planungs- und. DV-Abteilungen zueinander, unterschiedliche Anforderungen an die Planungssoftware stellen.

Marktgerechte Planungssoftware kann dem Aspekt durch eine Systemkonzeption begegnen, die neben der Integration von Datenbank, Methodenbank und Modellbausteinen über eine Sprache verfügt, die eine Ablaufsteuerung auf zwei oder mehreren Ebenen ermöglicht:

- Auf einer Kommandoebene, die die vollständige Ausnutzung der Anwendungsflexibilität ermöglicht,

- auf einer Prozedur-Ebene, die durch Ablauf häufig verwendeter Kommandofolgen als feste Prozeduren den Aufwand für die Ablaufsteuerung stark reduziert.

Mit Bleistift und Papier

Die Lösung anspruchsvoller Planungsaufgaben mit Hilfe entsprechend mächtiger Planungssoftware ist für den einzelnen Anwender erheblich weniger transparent und konkret als der gleiche Prozeß, wenn er von ihm mit Bleistift und Papier schrittweise vollzogen wird - allerdings wegen der besseren Formalisierung und Dokumentation leichter von anderen nachvollziehbar (kontrollierbar).

Die darin manifestierte (kognitive) Distanz zwischen Planer und Computer (Problemlösungsprozeß) führt leicht dazu, daß der DV-ungeübte Planer bei der Problemlösung mit Planungssoftware den Überblick verliert und dadurch der Gefahr von Anwendungsfehlern ausgesetzt ist. Diese Situation führt häufig zur Zurückweisung der Planungssoftware oder der Verlagerung der Anwendung in die DV-Abteilung.

Planungssoftware, die Planer ohne spezielle DV-Kenntnisse und -erfahrungen selbständig einsetzen sollen, muß daher auch

- die Anwendungstransparenz etwa durch Status- oder Tätigkeitsmeldungen in dem vom Anwender gewählten Umfang erhöhen,

- die Anwendungssicherheit unter anderem durch selbständige Datensicherung verstärken

- die Anwendung durch umfassende - je nach Anwendungserfahrung differenzierbare - Interaktionsunterstützung erleichtern (Hinweise auf fehlende Daten, mögliche Fehler und erforderliche Kommandos geben, Fehler ausführlich erklären, notwendige Eingaben anfordern, etc.).

Hersteller und Anbieter mehrfach verwendbarer Planungssoftware scheinen sich gerade dann am Markt durchzusetzen, wenn sie nicht nur leistungsfähige Software anbieten,

sondern ein überzeugendes Konzept ihrer Software-Palette mit aufeinander abgestimmten Bausteinen präsentieren können, welches Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit erweckt und dem Sicherheitsbedürfnis der Anwender damit entgegenkommt. Dazu gehört die Fähigkeit, auf den Einzelfall zugeschnittene Problemlösungen zu schaffen ebenso wie die Möglichkeit, verschiedenen Graden von Selbständigkeit der Planungsabteilung bei der Anwendung von Planungssoftware gerecht zu werden und sieh an unterschiedliche Formen der Arbeitsteilung und Kooperation von Planungsfachabteilung und DV-Abteilung anzupassen - die Bereitstellung von geeigneten Organisationsmitteln für die Unterstützung der arbeitsteiligen Kooperation inbegriffen.

*Hans-Jürgen Oppelland ist Mitarbeiter des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Organisation und Automation an der Universität zu Köln (BIFOA).