Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.02.1983 - 

Wunsch nach Eigenverantwortung zwingt Führungskräfte zum Umdenken:

Manager wandeln sich zu Moderatoren

Für die Mitte der achtziger Jahre rechnen Experten mit einer Arbeitslosenzahl, die etwa bei 3,6 Millionen liegen wird. Mit dem Steigen der Arbeitslosenzahl untrennbar verbunden - so sieht es jedenfalls weitgehend die (Öffentlichkeit - ist der technische Fortschritt. Viele machen ihn für diese Entwicklung verantwortlich. Genauere Analysen aber zeigen Zusammenhänge auf. die in der öffentlichen Diskussion sträflich vernachlässigt werden.

Die augenblickliche Situation am Arbeitsmarkt ist durch zwei entscheidende Tendenzen bestimmt: steigende Zahl der Erwerbspersonen und sinkendes Wachstum. Logische Konsequenz daraus ist eine Verschärfung der Arbeitsmarktsituation. Durchschlagende Entlastung wird erst in den neunziger Jahren zu erwarten sein, wenn wieder sinkende Erwerbspersonenzahlen und ein Anstieg der Arbeitsplätze infolge des technischen Fortschritts zusammentreffen. Aber selbst bei hoher und mittelfristig noch zunehmender Arbeitslosigkeit können bestimmte Funktionen nur schwer besetzt werden. Nachgefragte und angebotene Qualifikationen stimmen immer häufiger nicht überein.

Dieses Auseinanderfallen von Qualifikation und Qualifikationserwartung bedeutet in zunehmendem Maße, daß die Arbeitslosigkeit ein strukturelles Problem zu werden droht oder in vielen Branchen schon ist.

Wenn es in Zukunft nicht gelingt, diesen Mißstand zu beseitigen, dann wird die deutsche Volkswirtschaft durch einen Sockel von drei bis vier Prozent Arbeitslosen permanent belastet sein. Anders ausgedrückt: Vollbeschäftigung wird schon bei einer Arbeitslosenquote von drei Prozent erreicht.

Aufklärung notwendig

Hier gilt es, gezielt gegenzusteuern. Notwendig ist umfassende Aufklärung über die Tendenzen des technischen und damit verbunden beruflichen Wandels, über Ausbildungsmöglichkeiten und Förderungsmaßnahmen und die Schaffung eines allgemeinen Bewußtseins, das eine wache und stete Bereitschaft zur Anpassung an sich ändernde Bedingungen im Arbeitsleben von jedem einzelnen verlangt.

Vor allem in den Bereichen, in denen in den kommenden Jahren verstärkt neue Technologien zum Einsatz kommen werden, ist damit zu rechnen, daß Berufsbilder sich wandeln, Qualifikationen und Arbeitsbedingungen sich ändern und an die geistige Beweglichkeit erhöhte Anforderungen gestellt werden.

Mit tiefgreifenden Veränderungen ist vor allem in den Wirtschaftszweigen zu rechnen, wo Informationsprobleme im Vordergrund stehen. So zum Beispiel in Druckereien, im Kreditgewerbe, Handel und im Bereich der Nachrichtentechnik.

Ein weiterer Bereich, der in diesen Zusammenhang gehört, ist die Gruppe der Industriebranchen, die einen erheblichen Bedarf an rationalisierbaren Tätigkeiten aufzuweisen hat wie zum Beispiel Chemie, Kunststoffverarbeitung und Textilgewerbe. Hier würde sich der technische Fortschritt allerdings in der Freisetzung von Arbeitskräften bemerkbar machen.

Parallel dazu wird im Maschinenbau ein Mehrbedarf an Arbeitskräften entstehen, da in diesem Bereich die Maschinen produziert werden müssen, die in anderen Industriezweigen das Rationalisierungspotential heben helfen müssen.

In einer dritten Gruppe von Wirtschaftszweigen wird es sowohl zu Arbeitsplatzverlusten als auch zu völlig neuen Qualifikationsstrukturen kommen.

Aus dem obigen Szenario ziehen die Experten der Prognos AG den Schluß, daß. "das gesamte Ausbildungsspektrum auf jeder Ebene breiter werden muß". Sie sind davon überzeugt, "daß der Trend weggehen wird vom Spezialisten und die Dominanz einzelner Fachgruppen abnehmen wird".

Die Prognos-Experten ziehen hieraus den Schluß, daß je enger ein Ausbildungsbereich begrenzt sei, diese Qualifikation um so weniger gefragt sein würde. Das träfe vor allem auch auf den Facharbeiter zu.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung werden auch vor den Führungskräften der Wirtschaft nicht haltmachen. Die Wertverlagerungen in der Bevölkerung, wie der Wunsch nach Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zwingen den Managern der Wirtschaft ein vollkommen neues Rollenverständnis auf. Sie wandeln sich zu Moderatoren. Langfristig entwickeln sie sich vom zentralen Entscheider zum Prozeßmanager, zum Organisator von Problemlösungsprozessen.

Manager werden in Zukunft auch viel mehr gruppen- und individualpsychologischen Phänomenen Beachtung schenken müssen als Entscheidungsstrukturen nach dem Sieger-Verlierer-Prinzip.

Für die deutschen Unternehmen wird es von entscheidender Bedeutung für ihre Überlebensfähigkeit sein, in welchem Maße es ihnen gelingt, neue Technologien zum Einsatz zu bringen.

Sicher ist, daß der internationale Wettbewerb diese Strategie schon länger mit Erfolg praktiziert (Japan, USA) und daß deutsche Unternehmen hoffnungslos ins Hintertreffen geraten würden, verweigerten sie sich diesem Konzept.

Man kann es noch deutlicher sagen: Der Einsatz moderner Technologie ist die effektivste Strategie zur Arbeitsplatzsicherung.

* Klaus-Joachim Thomas ist Unternehmensberater in Osnabrück.