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Seminaranbieter buhlen um die Gunst der Führungskräfte

Manager wollen genaue Antworten auf Probleme im Unternehmen

30.08.1991

Seminare werden zuhauf angeboten, insbesondere für Manager und Führungskräfte. Themen wie Zeit- und Selbst-Management, Mitarbeitermotivation und strategische Unternehmensführung sind groß in Mode gekommen. Für den, der Hilfe sucht, wird es aber immer schwieriger, das Richtige zu finden. Wieviel das Angebotene wert ist, so das Urteil von Hilmar Wollner* zeigt sich meist erst in der Praxis.

Die Marketing-Abteilung eines führenden deutschen Seminaranbieters wertet eine Umfrage unter Seminarteilnehmern aus. Am Vorabend des ersten Tages werden die Teilnehmer gefragt, welches Motiv ausschlaggebend für den Besuch gerade dieses Seminars war und was sie mit Hilfe des Wissens, das sie in den nächsten Tagen erhalten, in Zukunft besser bewältigen wollen.

Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig, und doch kommen immer wieder die gleichen Wünsche und Erwartungen zutage: die effektivere Gestaltung der eigenen Arbeit, um Freiräume für andere wichtige Dinge wie zum Beispiel das Familienleben zu erhalten, sowie die Mitarbeitermotivation, die aus vielen individuellen Menschen im Unternehmen ein schlagkräftiges Team machen soll.

Und diese beiden Punkte oder Wünsche sind in einem engen Zusammenhang zu sehen. Gelingt es nämlich, die Mitarbeiter für die Ziele des Unternehmens, für ihre Aufgaben zu motivieren, dann werden sie diese mit Begeisterung erfüllen und so die Führungsmannschaft entlasten. Dies geht aber nicht automatisch. Grundlegende Voraussetzungen sind zu schaffen. Ein System, ein Management-Modell ist im Unternehmen zu implantieren.

Ein nicht leer- werdender Energiespender

"Das Führen durch Ziele und Visionen muß der zentrale Punkt jeder unternehmerischen Tätigkeit sein. Eine Vision, die Sinn vermittelt, ist ein nicht leer werdender Energiespender bei guten Mitarbeitern", sagt Management-Trainer Josef Schmidt, bekanntgeworden durch sein Seminar und das Management-Modell Unternehmerenergie.

Die erste Hauptaufgabe des Unternehmers und jeder Führungskraft ist es, die Unternehmensziele und Visionen seinen Mitarbeitern immer wieder zu vermitteln und vorzuleben. Dies wird in dem Maße Erfolge zeigen, wie die Mitarbeiter auch die Möglichkeit haben, an den Zielen des Unternehmens mitzuarbeiten und sie mitzubestimmen.

Die langfristigen Unternehmensziele und -strategien können sicher nur von der Führungscrew erarbeitet werden. Aber bei den kurzfristigen Zielen (Jahreszielen) sollte die Einbindung der Mitarbeiter nicht ein "Kann", sondern ein "Muß" sein.

Eine ganze Reihe von mittelständischen Unternehmen, in denen sich das gesamte Team oder zumindest die erweiterte Führungsmannschaft jedes Jahr an zwei oder drei Tagen im Herbst an einen ruhigen Ort abseits von aller Alltagshektik zurückzieht, spricht und schreibt gemeinsam die Ziele des nächsten Jahres fest. Das Ergebnis ist dann ein Werk, das alle qualitativen und quantitativen Jahresziele enthält.

Und was besonders wichtig ist, häufig aber leider vergessen wird: die Einbeziehung der Jugendlichen in die Zielplanung. Es ist leicht auszumalen, welche Wirkung es bei einem jungen Menschen hat, wenn er nur eine Aussage oder Idee von ihm im Unternehmens-Jahresziel wiederfindet. Aber nicht nur bei jungen, sondern generell bei allen Mitarbeitern wird sich die Identifikation mit den Zielen des Unternehmens deutlich erhöhen, wenn ihre Ideen darin Niederschlag finden. Teure Motivationsprogramme sind dann überflüssig, die Mitarbeiter sind durch ihre eigenen Ziele motiviert.

Aufgaben genau kennen und bewerten

Der nächste Schritt ist, daß die Mitarbeiter ihre Aufgaben genau kennen und beschreiben, welche notwendig sind, um die Abteilungs- und Unternehmensziele zu realisieren. Das Management-Seminar Unternehmerenergie bietet hierzu beispielsweise die Aufgabenplanung an. Darin beschreibt jeder Mitarbeiter genau, was seine Hauptaufgaben sind und wie er sie durchführt. Er beschreibt die Mittel und Maßnahmen, die zur Erfüllung jeder Aufgabe notwendig sind, sowie das Ziel, das mit dieser Aufgabe verfolgt werden soll.

So hat der Mitarbeiter nicht nur die Möglichkeit, seine Aufgaben ständig zu optimieren. Auch der Ausfall eines Mitarbeiters stellt dann organisatorisch kein allzu großes Problem dar, da sich die Vertretung in die genau beschriebenen Aufgabengebiete schnell einarbeiten kann.

Finanzielle Anreize sind wichtige Faktoren

Klare Ziele und eine klare Aufgabenverteilung schließen Störungen dennoch nicht aus. Es muß dann nur die Möglichkeit bestehen, diese anzusprechen, zum Beispiel mit Hilfe der sogenannten Qualitätsanalyse, die auch Thema des Management-Seminars ist.

Der Mitarbeiter, der ein Problem erkennt, das er nicht lösen kann, beschreibt genau den Problemzustand, so wie er ihn empfindet. Damit ist aber nicht Genüge getan. Er muß auch einen Lösungsvorschlag unterbreiten. In monatlichen Innovationsbesprechungen werden diese Dinge in der Runde besprochen und gelöst.

Es ist sinnvoll, diese Innovationsbesprechungen sowohl auf Abteilungs- als auch auf Führungsebene durchzuführen, und auch dies ist ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor. Der Mitarbeiter weiß, daß er Probleme offen ansprechen kann. In vielen Unternehmen werden finanzielle Anreize wie Gehaltserhöhungen, Prämien und all diese Dinge als einziges Mittel der Motivation gesehen. Man ist dann enttäuscht, wenn diese Art der Mitarbeitermotivation nur kurzfristig Erfolg zeigt.

Natürlich muß die Entlohnung stimmen. Ein leistungsgerechtes Gehalt und bestimmte finanzielle Anreize sind wichtige Faktoren im Unternehmen. Aber Motivation darf sich nicht nur auf materielle Dinge beschränken. Motivation muß auch den Geist, die Seele mit einbeziehen.

Wenn es gelingt, die Mitarbeiter für die Ziele des Unternehmens, die sie erarbeitet haben, zu begeistern, kommt ein Zug ins Rollen, der nicht mehr zu bremsen ist. Jeder Mitarbeiter kennt diese Ziele, weiß mit Hilfe seiner Aufgabenplanung, was er dafür tun muß, kann Probleme offen ansprechen, kennt seine Kompetenzen und handelt eigenverantwortlich.

Dann ist die Unternehmensführung nicht mehr mit allen möglichen Problemen konfrontiert, die nicht mehr genug Zeit für die eigentlich unternehmerischen Aufgaben lassen. Dann benötigt man auch kein Seminar als Problemlöser mehr. Aber: Um bis dahin zu kommen, ist eben häufig doch ein Seminar, das Denk- und Lösungsansätze aufzeigt, unumgänglich - weil vielleicht nur dieses die Möglichkeit bietet, Abstand vom Tagesgeschäft zu bekommen, um über elementare Dinge der Unternehmensführung und auch die eigene Lebensweise nachzudenken.

*Hilmar Wollner ist Marketing-Leiter beim Josef Schmidt Colleg in Bayreuth.