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24.02.2005

Managern fehlt ethische Kompetenz

Pater Anselm Bilgri plädiert für eine stärkere Wertekultur in der Wirtschaft. Diese müsse von den Führungskräften vorgelebt werden.

Leitlinien zu Führung und Unternehmenskultur existieren in vielen Firmen. Diese hehren Ziele werden zwar in schöne Sätze verpackt und in Mitarbeiterhandbüchern oder im Intranet verewigt, aber bei der nächsten wirtschaftlichen Flaute vergessen. Dabei könnte eine ethische Haltung der Führungskräfte den Erfolg eines Unternehmens fördern. Dieser Überzeugung ist Pater Anselm Bilgri, bis vor kurzem Prior des Benediktiner-Kloster in Andechs und mittlerweile selbständiger Unternehmensberater.

Auf der "Handelsblatt"-Konferenz "Personal im 21. Jahrhundert" in Freising appellierte der Mönch für eine Ethik im Sinne eines Abwägens zwischen ideellen und materiellen Werten: "Führungskräfte brauchen das rechte Maß, sie finden sich in der täglichen Balance zwischen Unternehmenszielen und den Interessen der Stakeholder wie der Mitarbeiter."

Als Richtschnur einer werteorientierten Unternehmensführung könnte in den Augen von Bilgri die 1500 Jahre alte Klosterregel Benedikts von Nursia dienen. Dieser richtete im Sinne der "discretio" (Unterscheidung) seinen Blick auf die Stärken und Talente der Menschen. "Auch Führungskräfte sollten die Mitarbeiter voneinander unterscheiden, um dem Einzelnen besser gerecht zu werden", erläutert Bilgri. Was sind die besonderen Fähigkeiten meines Mitarbeiters? Nur wer als Vorgesetzter diese Frage beantworten kann, kann auch die Voraussetzungen schaffen, damit der Mitarbeiter seine Talente entfaltet und so dem Unternehmen zu mehr Erfolg verhilft. Als Beispiel nennt Bilgri einen Bankangestellten, der seine private Passion für Literatur und Filme nun auch in seinen Job einbringen kann und zusammen mit seinem Chef ein Kultursponsoring aufbaute.

Werte im Unternehmen sind nach Bilgris Erfahrungen vor allem für Mittelständler ein wichtiges Thema. Die Firmengründer fragen sich, wie sie ihre Philosophie an die Nachfolger weitergeben können. "Hier greift der Grundsatz "Exempla maiorum" (Beispiel der Größeren): Führungskräfte definieren Werte wie Integrität für sich und entwickeln Wege, diese zu leben. Durch ihr Vorbild lernen die Mitarbeiter. Wichtig sei die Fähigkeit, etwas von anderen anzunehmen. Nur dann funktioniere Teamarbeit.

Der Alltag in den Unternehmen sehe aber oft anders aus: In langen Sitzungen werden immer wieder die gleichen Positionen ausgetauscht, keine Seite ist bereit, das Argument des Gegenübers anzunehmen. Hier sei ein guter Gesprächsleiter gefragt. Bilgri empfiehlt, Rituale als "Gerüst für den positiven Umgang miteinander" einzuführen. Ob es nun ein gemeinsames Frühstück eines Teams ist oder die Regel, dass sich die Teilnehmer nach einer Sitzung fünf Minuten Zeit nehmen, um über die Ergebnisse nachzudenken - oft geben solche Rituale den Mitarbeitern Orientierung. (am)