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30.08.2007

"Manche Dinge kann nur ein Mainframe"

Hat der Großrechner noch eine Zukunft? Vertriebsleiter Olaf Strathmann von der Wilken GmbH glaubt sogar an hohe Zuwachsraten. Ein Gespräch mit CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer.

CW: Als Lieferant von betriebswirtschaftlicher Software für das Rechnungswesen, die Warenwirtschaft oder etwa für Energieabrechnungen dürfte die Wilken GmbH ja der "Old-School-IT" und damit Mainframes verpflichtet sein. Vielleicht sollte ich also meine Fragen bezüglich der Zukunft des Mainframes nicht ausgerechnet Ihnen stellen

STRATHMANN: Wir machen nur 20 Prozent unserer Umsätze im Großrechnerumfeld. Sie können also ganz entspannt loslegen.

CW: Also gut: Gibt es ganz platt gefragt heute überhaupt noch einen Grund, Mainframes zu nutzen? Die großen Multiprozessor-Unix-Maschinen bersten doch förmlich vor Rechenpower.

STRATHMANN: Es gibt sogar mehrere Gründe, warum man unter gewissen Voraussetzungen fast nicht an einem Mainframe vorbeikommt. Nehmen Sie das Beispiel der Firma Böllhoff aus Bielefeld. Das ist der größte Konkurrent von Würth, dem Schraubenhersteller. Böllhoff benutzt für alles, was zum Geldverdienen wirklich wichtig ist, also für die Logistik, die Lagersteuerung, die Bestellung etc., einen Mainframe. Der Grund ist einfach: Böllhoff unterhält in Deutschland 42 Filialen beziehungsweise Lager. Die haben sowohl beim Ein- wie beim Auslagern Stoßgeschäft. Das heißt, deren Verkäufer melden zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Woche schwallartig alle ihre Verkäufe an die Zentrale in Bielefeld. Auf einen Schlag kommt da ein riesiges Datenvolumen. Solche Datenmengen kann man auch heute noch am besten mit Kanalübertragungsraten verarbeiten, wie sie nur ein Großrechner bietet. Das packt auch ein Multiprozessor-Unix-Server nicht mehr. Mainframes haben also im Geschäftsalltag immer dann ihre Berechtigung, wenn zu Stoßzeiten große Datenmengen in ein System reinkommen oder auch wieder rausgehen.

CW: Das heißt aber, dass die Multiprozessor-Maschinen auf Windows- und Linux/Unix-Basis für alle sonstigen Aufgaben eingesetzt werden können?

STRATHMANN: Natürlich. Das Brot- und Buttergeschäft schafft jeder Windows- und Unix-Server mit vier CPUs. Nur wenn es um extrem hohe Input-Output-Raten geht, dann gibt es nichts Besseres als einen Großrechner. Abgesehen davon, dass die ganz großen System-z-Mainframes mit maximal 256 Prozessoren auch eine enorme Rechenleistung haben, kommt es aber ganz wesentlich auf den Datendurchsatz an.

Nehmen Sie das Beispiel Sparkassen Informatik (SI) in Münster mit ihrem riesigen Rechenzentrum. Wenn die mit ihren rund 360 Sparkassen zu bestimmten Stichtagen das Reporting absolvieren müssen, dann geht das nur mit einem Mainframe.

CW: Für Mainframes gilt ja noch immer als unschlagbares Verkaufsargument das RAS-Theorem: Reliability, Availability und Sustainability. Bieten das heutzutage nicht die großen Blade-Maschinen auch?

STRATHMANN: Nach wie vor gilt: Keine andere Server-Plattform garantiert Ausfallsicherheit in dem Maße, wie es ein Mainframe kann.

Thema Administration: Der Personalaufwand ist wenn Sie einen Mainframe vergleichen mit mehreren Unix-, Windows- oder Linux-Servern - wesentlich geringer. Ein Administrator kann nach meinen Erfahrungen bei Kunden einen Mainframe handhaben oder etwa drei Unix-Maschinen oder vielleicht zehn Windows-Server. Bei dieser Rechnung müssen Sie aber immer auch die Leistung sehen, die eine bestimmte Plattform zu bieten hat. Und da entspricht ein Mainframe etwa 20 oder 30 Unix- beziehungsweise Windows-Systemen. Wenn Sie diese Relation einberechnen, wissen Sie, wo der Kostenvorteil liegt.

CW: IBM behauptet gerne, der Mainframe sei "das Coolste" im ganzen Rechenzentrum. Damit will das Unternehmen darauf hinweisen, dass ein Großrechner im Energieverbrauch vergleichsweise günstig arbeitet. Stimmt das?

STRATHMANN: Ein System-z-Mainframe mit 64 Prozessoren verbraucht nach unseren Erfahrungen nur ein Zehntel des Stroms, der für den Betrieb von etwa zwölf Unix-Servern benö-tigt wird. Hierbei müssen Sie immer beachten, dass es nicht nur um die Stromversorgung der Rechner selbst geht. Vielmehr müssen diese auch gekühlt werden.

CW: T-Systems, ein sehr großer IT-Anwender, hat uns gesagt, die Hälfte seiner Energiekosten gehe für die Kühlung der Systeme drauf.

STRATHMANN: Ganz richtig.

CW: Trotzdem sehe ich noch nicht, wie die sehr hohen Einstiegskosten in die Mainframe-Welt durch Energiesparen und geringeren Personalbedarf wettgemacht werden können.

STRATHMANN: Sie dürfen natürlich nicht kurzfristig rechnen. Ein leistungsmäßig gut ausgestatteter Großrechner kostet rund 700 000 bis 800 000 Euro. Ein im Unix-Segment ebenso im gehobenen Angebot liegender Rechner kostet nur ein Zehntel dessen. Auf ein Jahr gerechnet, kommen Sie da mit einem Großrechner nicht so gut weg. Aber stellen Sie einmal eine mittelfristige Berechnung an: Rechnen Sie wirklich alle Faktoren ein wie Anschaffungspreis, Energie- und Personalkosten. Und berücksichtigen Sie dann auch die durch die Technik geschaffenen Vorteile wie die Bewältigung extrem hoher Datenmengen in kürzester Zeit, den geringeren Administrationsaufwand und die eindeutig größere Sicherheit eines Mainframes dann sieht die Rechnung über einen Zeitraum von drei Jahren schon ganz anders aus.

CW: Es gibt nun aber Menschen aus der IT-Szene, die sagen, IBM verlange im Großrechnerumfeld überhöhte und durch nichts gerechtfertigte Preise. Solch eine Preispolitik lasse nur einen einzigen Schluss zu: Big Blue melkt die Kuh, solange es irgend geht, aber eigentlich habe IBM das Thema Großrechner schon längst abgeschrieben. Was halten Sie von dieser Meinung?

STRATHMANN: Ich halte diese Ansicht für völlig falsch. Ich sage das, obwohl ich konzediere, dass die Preise der System-z-Maschinen politische Preise sind. Das ist keine Frage, das stimmt. Aber zum einen gibt es dieses Phänomen anderswo auch. Ein Armani-Anzug ist nicht deshalb teuer, weil er tatsächlich so teuer sein muss. Er ist sozusagen politisch teuer. Und so müssen Sie das auch mit einem System-z-Mainframe sehen. Als IBM-Vertriebsmann würde ich jetzt sagen: Ein Banker würde Ihnen das Ding gar nicht abkaufen, wenn es nicht Millionen kosten würde. Das war auch immer die IBM-Preispolitik. Das ist einfach so.

CW: Was halten Sie von der Aussage, Mainframes seien sterbende Dinosaurier? Diesen Spruch hat Anfang der 90er Jahre die Aberdeen Group geprägt. Von dem ist sie allerdings schon lange wieder abgerückt.

STRATHMANN: Ich glaube sogar nach allem, was wir hören, dass die System-z-Mainframes nicht nur nicht sterben, sondern einen großen Zuwachs erleben werden an neuen Modellen.

CW: Unbestritten ist aber, dass die IBM damit fast kein Neukundengeschäft macht. Da könnte man doch lax formulieren: So viele Millionen IT-Anwender können nicht irren?

STRATHMANN: Das Neukundengeschäft war bei der IBM schon immer kritisch, weil sie eigentlich das mögliche Terrain abgegrast hat auch bis in den Mittelstand. Was für Big Blue also noch geht, ist das Upgrade-Geschäft. Und das können dann auch Kunden sein, die von einer anderen Plattform kommen und deren Anforderungen in Sachen Sicherheit, Zuverlässigkeit etc. zugenommen haben. Die steigen und wir kennen solche Kunden beispielsweise von System-p- oder System-i-Maschinen auch auf ein System-z-Modell um.

CW: IBM wirbt ja gerne damit, dass der Mainframe mittlerweile ein offenes System ist. Da läuft Linux drauf, Java-Anwendungen und anderes. Allerdings hört man auch, dass nicht immer alles, was auf IBMs Großrechnern installiert ist, wirklich funktioniert.

STRATHMANN: Das stimmt so nicht. Wir machen da andere Erfahrungen. Nehmen Sie folgendes Beispiel: Einer unserer letzten Kunden im Großrechnerbereich, mit denen wir Linux eingeführt haben, ist die Rheinland-Versicherung aus Neuss, ein mittelständisches Unternehmen. Die erledigen mit uns ihr komplettes Rechnungswesen auf einem System-z-Mainframe unter Linux. Neben den Kostenaspekten für diese Entscheidung war es vor allem das Thema Sicherheit, das diese Wahl beeinflusst hat. Linux schützt Rechner zuverlässiger gegen Virenbefall und ähnliche Schäden als andere Betriebssysteme. Linux funktioniert also auf Großrechnern.