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20.12.1985 - 

Sichverband und Wirtschaftsinstitut beschreiben Ausbildungsdefizit:

Mangel an DV-Fachkräften gemeinsam beheben

MÜNCHEN (Io) - Fehlleistungen von Bund und Ländern Im Bildungssektor stellen die künftige internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in Frage, denn bis zum Jahr 2000 fehlen rund

40 000 EDV-Fachkräfte. Um diesen Zusatzbedarf decken zu können, müßte die Ausbildungskapazität an den Unis vervierfacht werden.

Die Bundesrepublik sei eine hochindustrialisierte Gesellschaft, die es sich nicht leisten könne, auf Informations- und Kommunikationstechniken zu verzichten, stellte Gerhard Reckel, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbandes Informations- und Kommunikationstechnik, in diesem Zusammenhang fest. Gerade der

Industriezweig Elektronische Datenverarbeitung biete in den kommenden Jahren gute Wachstumschancen. Um die Möglichkeiten neuer Techniken nutzen zu können, sei jedoch ein Potential hervorragend ausgebildeter Fachleute nötig.

Als "im Augenblick trostlos" bezeichnet der Fachverbands-Geschäftsführer die Situation an Schulen, Fachhochschulen und Universitäten. In den Hochschulen kommen demzufolge auf rund

14 000 Studenten 180 Hochschullehrer - also ein Verhältnis von 80 Studenten zu einem Lehrer. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (iwd) in Köln darüber hinaus feststellt, ist ein Fünftel der

Informatik-Planstellen nicht besetzt. Weiterhin sei die technische Ausrüstung nicht mehr "auf dem neuesten Stand". Dozenten müßten teilweise mit Anlagen aus den 70er Jahren vorliebnehmen. Die

Bundesregierung habe aber inzwischen Hilfe zugesagt: 25 Millionen Mark jährlich für Equipment. Um Personalengpässe zu beheben, sollen ferner Experten aus der Wirtschaft gewonnen werden.

Herkömmliche Methoden der Wissensvermittlung wie Vorlesungen , sind nach Ansicht des ZVEI-Experten Reckel indes nicht gerade zukunftsweisend. Um eine praxisgerechte Ausbildung zu ermöglichen, empfiehlt er zum Beispiel "Training on the Job" als Ausbildungsform zu vertiefen.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft bezweifelt, daß traditionelles Denken künftige Aufgaben lösen kann, die sich den Hochschulen stellen werden: etwa die Computer Grundausbildung für Nicht-Informatiker, interdisziplinäre Weiterbildung oder die Verbreitung neuer Kenntnisse (Transfer).

Günstige Berufschancen Absolventen des Fachs Informatik sind unbestritten. Alle fünf Jahre hat sich deshalb die Zahl der Studienplätze mitgewachsen wäre. Die Statistik: Im Wintersemester 1984/85 schrieben sich gut 8000 Studenten ein; 1979/80 waren es nur 3200. Die Zahl der für dieses Fach vorgesehenen Plätze blieb mit 2200 jedoch konstant.

Derzeit bilden Wissenschaft, Fachhochschulen und Wirtschaft zusammen jährlich etwa 4000 DV-Spezialisten aus.

Zur Deckung des jährlichen Zusatzbedarfs und zum Abbau der 30 000 bis 40 000 offenen Stellen bis Ende dieses Jahrhunderts, rechnet der ZVEI-Fachverbandschef, müßten Ausbildungseinrichtungen hierzulande jährlich rund 10 000 DV-Fachkräfte ausbilden.

Reckel betont dabei zum einen, daß in der Fachhochschulausbildung die fachspezifische Informatik stärker einbezogen werden müsse. Gleichzeitig sei die Industrie gefordert, begleitend zur Berufsausbildung in Lehrwerkstätten auf die DV einzugehen. Auch Berufs- und Grundschulen sollten den neuen Techniken widmen. Hier zeigten sich tiefe Lücken, so der ZVEI, denn es fehlten für "ein bis zwei Milliarden Mark" Hard- und Software.

Die Industrie sei bereit, bei der Konzeption und der Realisation eines breitangelegten informationstechnischen Aus- und Weiterbildungsprogramms mitzuwirken, stellt Reckel fest. Denn es gelte, öffentliche Fehlinvestitionen zu verhindern.