Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.10.1984 - 

Industrie und Wissenschaft interessiert an künstlicher Intelligenz:

Mangel an KI-Fachleuten in Europa

PISA - Galileo Galilei, Pisas berühmter Sohn diente für Werbung für die 6. Europäische Konferenz über künstliche Intelligenz (KI), die jetzt in Pisa zu Ende ging. Doch trotz Galilei waren spektakuläre Neuigkeiten auf der Konferenz nicht zu erfahren. Wissenschaftler und Vertreter der Industrie nutzten das Telefon zu einem regen Gedanken und Erfahrungsaustausch.

Auf der Konferenz im neuen Kongreßzentrum in Pisa wurde das europäische Problem deutlich, die große Bedeutung der KI-Technologie erst spät erkannt zu haben. Aufgrund unterentwickelter Infrastruktur ist nun ein schwer aufholbarer Mangel an Fachleuten zu beklagen.

Ein gesonderter Programmpunkt war deshalb der Ausbildungsfrage in KI gewidmet. Der wiedergewählte Präsident der Dachorganisation ECAI (Europäisches Koordinationskomitee für künstliche Intelligenz), Wolfgang Bibel von der TU München, schätzte, daß Europa nur über ca. 50 erfahrene, für die Ausbildung geeignete KI-Experten verfüge.

Das ECAI selbst ist bemüht, dieser Situation mit eigenen Konzepten zu begegnen. So wurden auf der Konferenz Tutorien für jedermann zur Einführung in die Themengebiete der KI angeboten, und viele Studenten und Mitarbeiter aus der Industrie nahmen an ihnen teil. Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie wurde durch Erfahrungsaustausch und die Einrichtung einer Ideenbörse gefördert, und man berichtete über die KI-orientierten Esprit-Projekte der EG.

Für die Industrie schlug das ECAI die Gründung eigener KI-Gruppen unter fremder Beratung vor. Wegen schlechter Erfahrungen mit interner Schulung empfahl es enge Kontakte zu spezialisierten kleinen Firmen und zu akademischen Institutionen, wie etwa der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) in Sankt Augustin bei Bonn. Dieter Bungers von der GMD trat für eine KI-Messe ein, auf der die interessierte Industrie eine über Showeffekte hinausgehende Beratung erhalten solle.

Als führende Hersteller von KI-Systemen waren auf der Konferenz Symbolics (s. Kasten) und Rank Xerox vertreten. KI-Softwarehäuser aus ganz Europa stellten ihre Expertensysteme vor.

Insgesamt können die Aktivitäten des ECAI als ein erfolgreiches Modell für den so oft geforderten Technologietransfer dienen. Ausbildung, Austausch und Ideenentwicklung auf europäischer Ebene unter enger Einbeziehung der Industrie in diesem expandierenden Bereich bergen jedoch auch die Gefahr, daß die wenigen Fachleute kaum noch zu wichtiger Grundlagenforschung Zeit finden.