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30.07.1976

Mangelnde Flexibilität bei Turnkey-Lösungen?

Schlüsselfertige Lösungen - zu Mini-Preisen - wie gut das klingt. Zudem wird von den Systemhäusern, die Minicomputer auf OEM-Basis kaufen und mit maßgeschneiderter Software versehen, argumentiert, wie vorteilhaft es doch sei, nicht ständig mit teueren Programmierern an den EDV-Lösungen herumzubasteln. Aber sind kommerzielle Anwendungen nicht "lebende" Anwendungen, die ständig dem veränderten Betriebsgeschehen angepaßt werden müssen? Sind die Standardanwendungen in überschaubaren Organisationen tatsächlich für Jahre festzulegen?

Zwei Anwender berichten, wie zufrieden sie mit ihren Turnkey-Systemen auf der Basis kommerzieller Minis sind. Zwei weitere warnen vor Illusionen.

Wolfgang Müller,

Prokurist, Oskar Frech GmbH & Co. KG, Schorndorf

Wir haben von einer Inflexibilität der Minicomputer-Lösung bis heute noch nichts zu spüren bekommen. Unseren Minicomputer, eine Data General Nova 2/10 wurde uns - als Pilotinstallation - von einem Systemhaus zusammen mit 70 v. 200 in ANS-Cobol geschriebenen Anwenderprogrammen geliefert. Obwohl wir derzeit keine eigenen Programmierer im Hause haben, die Änderungen vornehmen können, glauben wir, durch unsere sehr gründlichen Vorausplanungen drei bis vier Jahre mit den laufenden Programmen auszukommen.

Im Gegenteil: Wir sind froh, uns durch diese Bindung quasi eine "Zwangsjacke" angelegt zu haben, denn das Unternehmen soll mit den heute realisierten EDV-Lösungen für ein paar Jahre zur Ruhe kommen. Trotzdem haben wir uns gegen eventuell auftretende Probleme abgesichert: Um völlig unabhängig zu werden von dem Systemhaus wurde mit einem Programmierbüro Kontakt aufgenommen, das ebenfalls mit ANS-Cobol arbeitet. Zusätzlich werden unsere beiden Operatoren, die das System derzeit 16 Stunden am Tag betreuen, im August auf einen Programmierkurs geschickt, damit kleinere Änderungen von uns aus vorgenommen werden können - ganz ohne geht es eben doch.

Gerhard Krames,

Leiter der EDV Eisenwerk Sulzau-Werfen R & E Weinberger GmbH,

Tenneck, Österreich

Mein Tip für EDV-Anfänger: Beginnen Sie nur mit einem großen Hersteller! Experimente mit den preisgünstigen Minis sollte man Experten überlassen! In unserem Unternehmen wird ein Minicomputer eingesetzt, der sowohl den kommerziellen Bereich bearbeitet als auch die Prozeßsteuerung führt. Sämtliche Programme haben wir selbst geschrieben, denn vom Systemhersteller bekamen wir nur die Betriebssysteme. Es gibt meiner Meinung nach keinen Minihersteller, der zu seinem - vom Kaufpreis her - recht günstigen Mini eine entsprechende kommerzielle Software liefern kann. Diese Programme müssen von Systemhäusern maßgeschneidert geschrieben werden - Flexibilität und Anpassung an gegebene Betriebsveränderungen sind nicht möglich. Zudem kann es vorkommen, daß dieses spezielle Systemhaus, das die kommerziellen Programme geliefert hat, von heute auf morgen vom Markt verschwindet. Und was macht der Anwender dann, der keine eigenen Programmierer im Haus hat? Ein vor programmierter Rechner aber ist nur eine intelligente Buchungsmaschine, die dann für Jahre nur nach vorgegebenen Richtlinien arbeiten kann. Verändert sich der Kundenstamm dann plötzlich von den maximal eingeplanten 5000 auf 7000, wird der Hersteller sicher versuchen, dem Anwender das nächstgrößere Modell einzureden. Und somit stimmt die Rechnung von der billigen Turnkey-Lösung nicht mehr. Zu unserer Mini-Anwendung vielleicht eine kleine Vorgeschichte: Vor dem Mini war bei uns eine IBM 1130 eingesetzt - der erste Vollcomputer, der von einem technischen Rechner zu einem kommerziell einsetzbaren System "vergewaltigt" wurde. Der Einsatz dieser Maschine erforderte damals sehr fundierte Kenntnisse. Und dieses Wissen kam uns bei dem Einsatz des Minicomputers zustatten.

Gustav Klein,

Geschäftsführer, Gustav Klein KG, Schongau

Die anfängliche Euphorie ist bei uns gründlich vorbei. Wir leiden nicht unter der Inflexibilität der Minicomputerlösungen - bei uns ist es gar nicht so weit gekommen. Seit eineinhalb Jahren steht unser Minicomputer, ein "Turnkey-System" - er würde heute noch nicht laufen, hätten wir nicht enormes Geld draufgelegt, um entsprechende Software von anderen Stellen zu bekommen, teilweise in Zusammenarbeit mit einer österreichischen Firma.

Die Vertriebsfirma, die uns das System verkauft hat und die auch die Software - maßgeschneidert - liefern sollte, gibt es nicht mehr. Und wir haben keine Spezialisten, die derartig umfangreiche Software programmieren können. Das große Problem ist, daß die Minicomputer-Hersteller keine entsprechende Software haben und - in unserem Fall - auch keine Verbindung zu Unternehmen, die die Programme liefern können.

Der Systemhersteller bringt einem eine Vertriebsfirma ins Haus und als EDV-Neuling muß man den Versprechungen glauben. Und hinterher stehen wir mit dem Computer da und wissen nicht weiter. Derzeit bezahlen wir die Programme doppelt, und wer uns - falls alles einmal laufen sollte - weiterhilft, steht in den Sternen.

In keinem Fall empfehlen wir aber EDV-Neulingen, eine derartige Anlage zu kaufen.

Ekkehard Delbrück,

Leiter der Gruppe EDV-Kalkulation, STRABAG Hauptverwaltung Köln

In unserem Unternehmen werden Minicomputer für den Bereich der Vorkalkulation und Leistungsermittlung als Stand-Alone-Rechner eingesetzt. Die DEC PDP 11-Systeme arbeiten zunächst aus preislichen Gründen mit Disketten.

Wir haben die Geräte von einem Systemhaus bezogen, denn das Verkaufsprinzip des Herstellers ist ja, daß der Anwender vorwiegend eine Software kauft und dazu die passende Hardware, also sogenannte Turnkey-Systeme. Unsere Software-Pakete haben wir in Zusammenarbeit mit dem Software-Haus geschrieben - bei Anwendern aber, die nur ein einziges derartiges System haben, ist es gar nicht möglich, mit der Effizienz und zu den niedrigen Kosten Anwendungspakete zu erstellen, wie ein spezialisiertes Software-Haus es kann. Zudem hat ein auf Branchen spezialisiertes Systemhaus Erfahrungen, die sich teilweise über zehn Jahre erstrecken und die dem Anwender mit zur Verfügung gestellt werden. Der große Vorteil dieser Lösungen ist, daß auch ein EDV-Neuling mit dem Minicomputer ein leistungsfähiges System zur Verfügung hat, das leicht zu bedienen und auch leicht zu programmieren ist. Im Gegensatz zur MDT sind die Minicomputer bereits in der Standardausführung mit 32 X ausgestattet. Unsere Rechner sind in Cobol und Fortran zu programmieren, und ein neueres System arbeitet schon mit Cobol. Die Pakete, die bei uns laufen, "leben" - von einer Inflexibilität kann nicht die Rede sein. Und auch der EDV-Neuling wird, wenn er einige Zeit mit der gekauften Standard-Software gearbeitet hat, ohne großen Aufwand das Programmieren lernen und sich selbst Programme schreiben.