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24.11.1989 - 

Untersuchung zur Software-Ausstattung kleinerer Maschinenbauer

Mangelndes SW-Know-how führt zu Herstellerabhängigkeit

Die deutsche "Musterbranche" hat Know-how-Defizite beim Software-Engineering: Für die Verwirklichung von Integrationskonzepten hängen kleine und mittlere baden-württembergische Maschinenbauer deshalb von den Software-Anbietern ab. Diesen Schluß ziehen Joachim Hahn und Bernd Volkert* aus einer Studie, die das Institut für südwestdeutsche Wirtschaftsforschung jetzt vorlegte.

Von vornherein war klar, daß der Untersuchungsgegenstand nicht zu breit angelegt werden durfte. So kam es etwa nicht in Frage, den Software-Einsatz über die gesamte Breite der Industrie zu untersuchen. Mit Blick auf Baden-Württemberg lag es daher nahe, einen zentralen Investitionsgüterbereich näher ins Auge zu fassen. Hier bot sich der Maschinenbau an - mit 260 000 Beschäftigten und einem Anteil am bundesdeutschen Branchenumsatz von 27 Prozent das Paradepferd des Landes.

Aber selbst mit dieser Beschränkung konnte es nicht darum gehen, einen repräsentativen Branchenquerschnitt abzubilden; denn dazu ist nicht nur die Softwarematerie, sondern auch die Branche selbst zu heterogen. Über Intensivinterviews wurden dann 29 mittelständische Maschinenbaubetriebe der Größenklasse 50 bis 300 Beschäftigte aus verschiedenen Fachgruppen mit Schwerpunkt Werkzeugmaschinen befragt.

Fragen der Software sind im Maschinenbau besonders interessant, weil dem Vordringen Software-unterstützter Lösungen durchaus exemplarischer Charakter für die Diffusion von Softwarelösungen innerhalb industrieller Unternehmen zugeschrieben werden kann. Der Software-Einsatz wird auch für diese Betriebe zu einer strategischen Ressource im Kampf um den Kunden (Wettbewerbsfähigkeit). Allerdings sind die Unternehmen dieser Größenklasse noch weit von den vieldiskutierten integrativen Fertigungskonzepten entfernt.

Besondere Bedeutung kommt gerade in diesem Marktsegment der sogenannten Standardsoftware zu. Der Siegeszug der vom Markt bezogenen Standardsoftware dokumentiert sich deutlich in der Tatsache, daß so gut wie alle untersuchten Unternehmen solche Produkte einsetzen

Der Königsweg Standardsoftware

Vor allen kleinere Unternehmen bauen überwiegend auf Standardsoftware. Individuallösungen sind aus Sicht dieser Anwender im Regelfall nicht rentabel. Doch auch größere Unternehmen, die als frühe DV-Anwender zunächst in Individuallösungen investierten, verzeichnen inzwischen einen steigenden Anteil an Standardlösungen.

Trotzdem ist die Diskussion um Standard- versus Individualsoftware aus Sicht der Anwender noch nicht endgültig abgeschlossen. Grundsätzlich bleiben die Investitionsbudgets in einigen Bereichen auch in Richtung individuell zugeschnittener Auftragssoftware offen. Dies gilt namentlich für Lösungen mittlerer Komplexität, wie sie etwa im Bereich des Vertriebs benötigt werden.

Mit Standardsoftware werden hingegen primär einfache, aber auch hochkomplexe Funktionen bearbeitet. So finden sich zum einen im Bereich der Finanzbuchhaltung, der Lohn- und Gehaltsabrechnung und zum anderen bei komplexen PPS-Systemen überwiegend Standardpakete.

Vereinfachend erklärt sich diese Tatsache aus zwei Entwicklungsaspekten: Einfache, von der Aufgabenstellung her schon früh genormte Anwendungen blicken auf eine lange Entwicklungsgeschichte zurück, sind ausgefeilt und bieten sich deshalb als Standardlösung an. Komplexe Software-Anwendungen dagegen sind noch jung, erfordern hohes Engineering-Know-how und erfahren ihren Fortschritt vor allem von Impulsen aus dem Softwaremarkt. Vielfach lassen diese Anwendungen die eigentliche betriebliche Aufgabe erst entstehen. Hier wird der neu entstandene Markt zum Schrittmacher der Softwaretechnologie.

Soweit in den Unternehmen eigenständige DV-Abteilungen vorhanden sind, haben diese deutlichen Einfluß auf die Unternehmensentscheidungen im DV-Bereich. Mit Blick auf Standardsoftware erwiesen sich die DV-Abteilungen eher als ein retardierendes Moment. In der Individualprogrammierung groß geworden und ohne Zweifel auch von Eigeninteresse geleitet, fällt die Entscheidung im Zweifel eher für einen individuellen Ansatz.

Gruppiert nach Befürwortern und Gegnern von Standardsoftware waren folgende Argumentationen schwerpunktmäßig anzutreffen: Die Befürworter stellten besonders auf die Preiswürdigkeit, die hohe Effizienz der betriebswirtschaftlichen Konzepte sowie auf das Know-how und den Support der Softwarehäuser ab. Die Gegner betonten vor allem die Individualität der eigenen Organisation und die häufig anzutreffende Überdimensionierung von Standardprogrammen.

Die Ergebnisse zu der nicht unproblematischen Frage nach den Anwendungsbereichen zeichnen im wesentlichen die von den Großunternehmen her bekannten Strukturen der innerbetrieblichen DV-Diffusion nach. So ist der Einsatz von Software in Bereichen einfacherer Datenstrukturen wie etwa der Finanzbuchhaltung bei allen Unternehmen Standard.

Dagegen sind nur in ungefähr der Hälfte der Maschinenbaubetriebe Softwarelösungen in den Bereichen Verkauf/Vertrieb, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung oder Materialwirtschaft anzutreffen Allerdings wurden die beiden letzten Funktionsbereiche - vorwiegend in den größeren Unternehmen - bereits in integrativ ansetzende PPS-Systeme eingebunden.

Nur in wenigen Fällen sind Software-Anwendungen in die Unternehmensführung, das Personalwesen (mit Ausnahme der Lohn- und Gehaltsabrechnung) sowie die Fertigung und Montage vorgedrungen. Die Anwendungen im Bürobereich beschränken sich in der untersuchten Unternehmensklasse erwartungsgemäß auf die reine Textverarbeitung.

Damit ist für die kleinen und mittleren Unternehmen des Maschinenbaues gegenwärtig noch ein eingeschränkter Softwareeinsatz für betriebliche Problemstellungen typisch. Auch wird von kleineren Betrieben die rentable Nutzung bestimmter Softwareprodukte, etwa der CAD-Systeme, noch grundsätzlich bestritten. Und die heute so vieldiskutierte Vernetzung von Software-Anwendungen ist in diesen Unternehmen noch weitgehend Zukunftsmusik.

Insbesondere mangelt es vielen Unternehmen an einer Konzeption für das zentrale Bindeglied Betriebsdatenerfassung (BDE). Jedoch wurde auch deutlich daß die Zeichen stärker in Richtung auf eine Integration der Betriebsfunktionen weisen. Dies kommt etwa in den mittelfristigen Anwendungsplanungen für Software zum Ausdruck.

Wie schon angedeutet, erweist sich die Frage nach den Anwendungsbereichen von Software als nicht so eindeutig beantwortbar, wie das häufig in Studien, die allein auf einen Abhak-Empirismus setzen, nahegelegt wird. Es wird dort nämlich in der Regel nicht hinterfragt, wie weit die DV-Unterstützung einzelner Aufgaben tatsächlich reicht. Darüber hinaus resultieren aus der Aufhebung klassischer Betriebsfunktionen durch integrative Softwarelösungen auch Probleme bei der Abbildung realer betrieblicher Strukturen.

Für eine ausführliche Evaluation beim Kauf und bei der Implementierung von Standardsoftware gibt es viele Gründe; sie liegen angesichts der weitreichenden betrieblich-technischen und organisatorischen Effekte auch in der untersuchten Branche und der ausgewählten Unternehmensgrößenklasse auf der Hand. Die eigentlichen Probleme stellen sich mit der Durchführung der Evaluation.

Diese Probleme resultieren primär aus den Produkteigenschaften des Gutes Software und der Struktur des zugehörigen Marktes. So ist das abstrakte und zugleich komplexe Produkt Software nur schwer für den Anwender in seiner funktionalen Gesamtstruktur zu durchschauen.

Mit der Erkenntnis, daß Software noch ein erklärungsbedürftiges Gut ist, ist es eben nicht getan, wenn die Leistungsfähigkeit mehrerer Softwareprodukte beurteilt werden soll. Aus der Wirkungskomplexität der Software folgt auch daß die Einführung meist betriebliche Umstellungen erfordert, die sich in den Gesamtkosten einer Lösung deutlich niederschlagen.

Zum anderen erweist sich für den Anwender der Softwaremarkt auf der Angebotsseite wie auf der Nachfrageseite als sehr unübersichtlich. Die Intransparenz auf der Angebotsseite resultiert sowohl aus der Vielzahl von Softwareproduzenten und Softwarelösungen als auch aus der hohen Entwicklungsdynamik des Marktes, der zu folgen gerade kleinen und mittleren Unternehmen schwerfällt. Auf der Nachfrageseite fehlt die Transparenz über bereits implementierte Lösungen, die für eine Bewertung relevant sind, infolge grundlegender Kommunikationsschranken zwischen den Anwendern.

Vor diesem Hintergrund zeigt das Untersuchungsergebnis die Notwendigkeit einer drastischen Verbesserung der Evaluation in den Betrieben.

Einseitigkeit der Informationsquellen

Die Mehrheit der Unternehmen führt bei Software-Investitionen überhaupt keine Evaluation durch, sondern bestellt ohne weiteres beim bekannten Lieferanten oder beschränkte sich allein auf das Einholen mehrerer Angebote. Die immer wieder auftretenden Enttäuschungen auf der Anwenderseite sind durchaus erklärlich, führen aber bei den betroffenen Unternehmen nur selten dazu die gewohnten Lieferantenbeziehungen in Frage zu stellen.

Diesem Befund entspricht ein enges Spektrum an genutzten Informationsquellen. Die Auswahl läuft bei den untersuchten Unternehmen nach dem Motto: Je beiläufiger, gewohnter und billiger die Nutzungsmöglichkeit, desto höher die Inanspruchnahme einer Informationsquelle. So wurden externe Datenbanken sowie User Groups, Messen und Kongresse nur wenig genutzt, während Softwarekataloge, Marktübersichten und vor allem persönliche Kontakte (Bekannte befreundete Unternehmen, Referenzkunden) die hauptsächlichen Informationsquellen bildeten.

Transfer-Einrichtungen verschiedenster Art spielten ebenfalls keine zentrale Rolle bei Investitionen in den Softwarebereich. Insgesamt weist das Informationsverhalten bei den untersuchten Unternehmen auf eine Unterbewertung des Gutes Information hin

Dies erklärt sich daraus, daß der Nutzen qualifïzierter externer Informationen nur schwer von vorneherein in vollem Umfang abzuschätzen ist, während die Kosten in Form von intellektuellem Aufwand, Zeit und Geldausgaben unmittelbar einsichtig sind.

Beratungsleistungen für den Software-Einsatz werden bekanntlich - entsprechend den Marketing-Zielsetzungen - vom Softwarelieferanten erbracht. Trotzdem wurden in fast jedem dritten Unternehmen Unternehmensberater zugeschaltet. Zu unterscheiden sind dabei die folgenden Fälle:

- Software-unspezifisch in Form der allgemeinen Unternehmensberatung, zum Beispiel mit dem Ziel einer Software-Investition,

- Software-spezifisch etwa für die Erstellung von Marktübersichten und Pflichtenheften sowie

- organisationsberatend in Verbindung mit der Implementierung von DV-Systemen insgesamt.

Im Einsatzspektrum der externen Unternehmensberater deuten sich bereits die Mängel der Beratungsleistungen von Softwarehäusern und Programmierbüros an, nämlich Know-how-Lücken im organisationstheoretischen und -praktischen Bereich sowie mangelnde personelle Kontinuität der Beratung

Allerdings werden auch die Leistungen der Unternehmensberater nicht einhellig positiv beurteilt. Die dabei geäußerte Kritik geht grundsätzlich in drei Richtungen:

1. Fehlinvestition als Folge von Beratungsempfehlungen (etwa falsches Soft- und Hardwaresystem),

2. schleppender Fortgang der Beratung (zum Beispiel die nicht termingerechte Umsetzung eines Organisationskonzeptes) und

3. keine objektive Beratung (möglicherweise durch eine direkte Bindung an einen Hardwarehersteller verursacht).

Soweit Softwarelösungen im Wege der Auftragsprogrammierung angestrebt wurden, äußerte sich auch Kritik an den beteiligten Programmierbüros. Diese Kritik entspricht weitgehend dem, was den kleinen Software-Anbietern im allgemeinen an Schwächen nachgesagt wird. Es sind dies die Funktionsmängel und die Unvollständigkeit der gelieferten Software, die Nichteinhaltung der vereinbarten Lieferzeiten, die Notwendigkeit von zeitaufwendigen Nachbesserungen, die niedrigen Freikapazitäten und die Defizite im Software-Engineering.

Software in ihrer Eigenschaft als zunehmend selbständiges Investitionsgut bedarf betriebswirtschaftlich gesehen einer eigenen Investitionsrechnung. Jedoch stellen sich mit diesem Produkt, wie es am Markt gehandelt wird, in mehrfacher Hinsicht Berechnungsprobleme, die mit den folgenden Stichworten zu kennzeichnen sind:

- funktionale Kopplung an ein Hardwaresystem,

- kurze Produktlebenszyklen

- schwer überschaubare Leistungsverbesserungen bei neuen Produktversionen,

- hohe Freiheitsgrade der Softwarenutzung bei etwas komplexeren Lösungen,

- schwer kalkulierbare Implementierungskosten sowie

- kaum faßbare Synergie-Effekte bei integrativen Softwareanwendungen. Auch wenn diese Liste nicht erschöpfend ist, so wird doch die Bewertungsproblematik deutlich, vor die sich die Unternehmen gestellt sehen.

Insoweit: ist es durchaus verständlich, daß die Mehrzahl der befragten Unternehmen keine Wirtschaftlichkeitsrechnung vornimmt. Dabei fand sich neben Einwänden wie zu hoher Berechnungsaufwand, fehlende personelle Ressourcen und beliebige Manipulierbarkeit der Investitionsrechnung auch eine gehörige Portion an Irritation bei den Befragten.

Vor diesem Hintergrund sind Aussagen wie: "Software-Investitionen sind letztlich unternehmenspolitisch-strategische Entscheidungen" durchaus auch als problemcharakterisierend zu bezeichnen. Die wenigen Unternehmen, die angaben, Investitionsrechnungen bei Software-Anschaffungen durchzuführen, offenbarten freilich nicht die dabei jeweils angewendete Methode.

In das beschriebene Bild zur Evaluation paßt auch hinein daß die Leistungskontrolle der Softwareprodukte in den Betrieben sehr stiefmütterlich behandelt wird. So werden teilweise zwar Marktübersichten für die Entscheidungsvorbereitungen herangezogen jedoch war die Existenz zusätzlicher Prüfkriterien wie etwa des Gütesiegels der Gütegemeinschaft Software e.V. unbekannt.

Die Erfolgskontrolle im Betrieb selbst beschränkte sich im wesentlichen auf die Kontrolle des Lieferumfanges. In wenigen Fällen wurde gleichzeitig der Funktionsumfang einschließlich der Konsistenz des Datenkonzeptes überprüft. Eine Prüfung der durch den Softwareeinsatz hervorgerufenen Ergebnisse vor dem Hintergrund festgelegter Ziele erfolgte in keinem Unternehmen.

In Großunternehmen wird der DV-Einsatz ganz selbstverständlich von eigenständigen Abteilungen betreut und gesteuert. In den untersuchten Maschinenbaubetrieben ist dies erwartungsgemäß nur bei einer kleinen Minderheit der Fall. Dabei handelt es sich durchweg um die größeren Unternehmen des befragten Bereichs.

Für die anderen Unternehmen gilt: Wäre noch heute zur Nutzung der Datenverarbeitung eine spezielle Abteilung zwingend erforderlich so hätte der größte Teil der kleinen und mittleren Betriebe schon aus Kostengründen noch keine DV im Betrieb. Neben den Fortschritten in der Rechnertechnik (MDT-Anlagen, Workstations, PC) beschleunigten vor allem Fortschritte in dem System- und Anwendungssoftware die Nutzung von DV-Anwendungen in kleineren Fertigungsbetrieben.

In, den befragten Unternehmen ohne DV-Abteilung werden die entsprechenden Aufgaben in die bestehenden Organisationsstrukturen eingebunden, was der allgemein geringeren Arbeitsteilung der kleinen und mittleren Unternehmen entgegenkommt. Bei der Hälfte dieser Unternehmen ist die DV-Zuständigkeit zentral einer Fachabteilung zugeordnet. In den anderen Fällen verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Stellen im Betrieb.

Doch ist die DV-Zuständigkeit im einzelnen sehr unterschiedlich geregelt. Drei Prinzipien kommen dabei zum Tragen, das Prinzip der "early adoptors", nach dem die betrieblichen Erstanwender die Verantwortung erhalten, das Prinzip der sachlich-organisatorischen Kompetenz, nach dem die Abteilung für Querschnittsaufgaben wie Organisation oder Controlling mit der DV-Zuständigkeit betraut wird, und das Prinzip der fachlich-persönlichen Kompetenz, nach dem das DV-Aufgabengebiet demjenigen Mitarbeiter zugewiesen wird, dem man dies zutraut.

Bei der Software-Anpassung sind ebenfalls drei Formen vorstellbar: der Zuschnitt der Software auf die Wünsche des Kunden, die Neuordnung der Aufgabenstellung und Organisation im Kundenbetrieb sowie die Teilung der Anpassungsleistung zwischen Kunde und Anbieter. An der Frage, welcher der drei Möglichkeiten in der betrieblichen Praxis der Vorzug zu geben ist, scheiden sich allerdings auch heute noch die Geister.

Kennzeichnend für Standard-Softwarelösungen ist die Abbildung von Aufgabenstellungen auf der Basis durchschnittlicher Strukturen und Abläufe. Standardisierung heißt auch hier Reduzierung von Individualität. Vernünftigerweise wird dabei die Entwicklung von Standardlösungen über Erfahrungen aus konkreten Betrieben abgestützt. Die notwendige Flexibilität wird über modulare Konzepte und individuelle Ergänzungen gewährleistet.

Das empirische Bild zur Frage organisatorischer Anpassunsmaßnahmen stellt sich so dar: In den Betrieben werden bei der Einführung von Standardsoftware regelmäßig Anpassungsmaßnahmen erforderlich. Hierbei bestehen in den meisten Betrieben merkliche Probleme. Besonders schwer tun sich die noch unerfahrenen Firmen, was deutlich auf die Möglichkeit und zugleich Notwendigkeit verweist, gewinnbringend Erfahrungswissen anzusammeln.

Unerfahrene Firmen tun sich besonders schwer

Ursächlich für gravierende Anpassungsprobleme ist dabei die organisatorische Individualität der Betriebe die wesentlich von der werkstattorientierten Fertigung in den Maschinenbau-Unternehmen geprägt wird. Insgesamt bestätigen die Erfahrungen der untersuchten Unternehmen mit Software-Implementationen die These daß eine Softwarelösung nicht unmittelbares Instrument zur Behebung organisatorischer Probleme sein kann. Diese müssen vielmehr bereits vorher behoben sein.

Die Nachvollziehbarkeit der Softwarelösung ist für die Anwender der wesentliche Zweck eine - Dokumentation. Die Notwendigkeit dieser Dokumentation resultiert sowohl aus der komplexen Funktionalität als auch aus der leichten Zerstörbar- und Veränderbarkeit der Software. Im Extrem kann die Dokumentation damit zum entscheidenen Kriterium werden.

Auch spricht die große Dynamik am Softwaremarkt, die sich unter anderem mit einer hohen Unternehmensfluktuation verbindet, für Sicherheitsvorkehrungen im genannten Sinn. Im wesentlichen ermöglicht beziehungsweise erleichtert eine umfassende Benutzer- und Systemdokumentation folgende Aufgaben: die Softwarenutzung die Anwenderschulung, die Wartung und Weiterentwicklung die Rekonstruktion des Softwaresystems sowie die Kontrolle der Systemeigenschaften.

Benutzerdokumentationen sind in allen Befragten Unternehmen zumindest rudimentär vorhanden. Jedoch spiegelt sich in den Antworten eine große Unzufriedenheit mit den Handbüchern und ähnlichen Hilfen wider Bemängelt wurden primär die Unübersichtlichkeit Unvollständigkeit Unverständlichkeit und die Fehlerhaftigkeit der Dokumentationen.

Hierin offenbart sich einerseits eine deutliche Lücke im Marketing der Softwareanbieter andererseits aber auch eine mangelnde Vermittlungsbegabung. Im Ergebnis wird im Betrieb das Befragen kundiger Personen dem Blick ins Handbuch vorgezogen Dieses Verhalten erhöht allerdings die Fehleranfälligkeit und letztlich die Kosten für das Unternehmen.

Die Systemdokumentationen liegen in puncto Wahrnehmung der Entscheidungsträger einer im Hintergrund. Das weitgehende Fehlen von Unterlagen dieser Art deckt sich mit dem mangelnden Problembewußtsein der Anwender in dieser Hinsicht. Damit gehen die Unternehmen aber auf zweifache Weise eine Abhängigkeit ein: Erstens machen sie sich extern vom jeweiligen Softwarelieferanten abhängig und zweitens betriebsintern von wenigen Kundigen oder im Extremfall von einer einzelnen Person, die sich Systemwissen angeeignet hat.

Als zentrale Ergänzung softwaretechnologischer Möglichkeiten werden heute Experten-Systeme angesehen, die in den letzten Jahren vor allem ihre industriellen Einsatzbereiche deutlich ausweiten konnten. Dies gilt auch mit Blick auf den Maschinenbau. Allerdings war den befragten Unternehmen mehrheitlich der Begriff des Expertensystems noch fremd.

Die wenigen Befragten, die zumindest das Thema Experten-Systeme kannten, hatten bisher nur erste persönliche Vorüberlegungen zu den Anwendungsmöglichkeiten von Expertensysteme in ihrem Betrieb angestellt. Vor dem Hintergrund fehlender Beispiele aus der Praxis offenbarten sich dabei zum einen grundlegende Zweifel an der Leistungsfähigkeit dieser neuen Softwaretechnologie, und zum anderen wurden Qualifikationsengpässe im Betrieb gesehen, die einer näheren Beschäftigung mit dem Thema entgegenstehen.

Zu den dargelegten Problemen kommt hinzu, daß das innerbetriebliches Know-how im Bereich Software-Engineering bei der befragten Unternehmensgrößenklasse im allgemeinen schwach entwickelt ist. So entsteht eine technologische Außenabhängigkeit, die die Entwicklungspotentiale der Fertigungsbetriebe entscheidend bestimmt Auf dem Weg zu integrativen Fertigungslösungen (CIM, CIB) sind die Maschinenbaubetriebe daher stark auf die Fähigkeiten und das Marktverhalten der Software-Anbieter angewiesen .

Neben dem rein quantitativen Bedeutungszuwachs der Software-Industrie verweist: die Abhängigkeit der Kundenunternehmen gerade auf eine qualitative Zunahme bei der volkswirtschaftlichen Relevanz dieser Branche. In der Konsequenz stellt sich den Software-Anbietern künftig namentlich ein verantwortliches Marketing als nicht geringe unternehmerische Herausforderung.

Die Untersuchung über den Software-Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen des Maschinenbaus wurde vom Institut: für südwestdeutsche Wirtschaftsforschung in Stuttgart, Urbanstraße 62 A, angestellt. Weitere Informationen sind unter der Telefon-Nummer: 07 11/29 48 28 zu erhalten.

*Joachim Hahn und Bernd Volker sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Südwestdeutsche Wirtschaftsforschung Stuttgart.

Konjuktur für Standardsoftware

Wenn zwei gleiches tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Laut einer Studie treten kleine und mittlere Maschinenbauer - die Renommierunternehmer Baden-Württembergs - in die Fußstapfen ihrer umtsatzstärkeren Mitbewerber und setzen zunehmend auf Standardsoftware. Doch der "Gleichschritt" ist lediglich Zufall. Grund: Die Manager der Großbetriebe demonstrieren, mit ihrer Entscheidung für Standardsoftware ihr wachsendes Selbstbewußtsein gegenüber den mit Individuallösungen mächtig gewordenen DV-Abteilungen. Ganz anders die Kleinen der Branche. Dort verfügt nur jeder zweite Betrieb über Softwareunterstützung für die Bereiche Verkauf/Vertrieb, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung oder Materialwirtschaft. Bis in die Unternehmensführung ist die Software jedoch noch kaum vorgedrungen. Kein Wunder, denn im Kleinbetrieb bestimmt nach wie vor der Chef selbst. Der tut sich jedoch ohne DV-Abteilung schwer, den Nutzen von Softwareprodukten einzuschätzen und greift deshalb lieber zum "Programm von der Stange". Auf dieser Basis führen Investitionsentscheidungen nur allzuleicht in die Abhängigkeit von Herstellern. Von kundigem Management-Selbstbewußtsein also keine Spur. gfh