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24.06.1994

Manuelle Installation wird immer personalintensiver Downsizing-Trend laesst die Turnschuhtruppe alt aussehen

Der Trend zum Downsizing hat neben seinen vielfaeltigen Vorteilen auch eine problematische Seite: Die Kosten fuer Softwaredi- stribution steigen. Um den personalintensiven Benutzerservice zu entlasten, haben sich hier einige Anbieter Loesungsmoeglichkeiten einfallen lassen. Uwe Toews* stellt unterschiedliche Ansaetze fuer eine elektronische Softwaredistribution (ESD) vor.

Ein so einfaches wie repraesentatives Beispiel: Das Versicherungsunternehmen X arbeitet mit ueber 2000 Aussendienstlern, die alle mit Laptops ausgestattet sind. Zum Zeitpunkt Y tritt eine neue Tarifregelung in Kraft und damit auch eine Aenderung der Vertragsabwicklungs-Verfahren. Nun muss sichergestellt sein, dass zur Stunde Null auf allen Aussendienst-PCs ausschliesslich die neuen Daten aktiviert sind und niemand mehr auf die alten zugreifen kann. Die Verantwortlichen fuer den Benutzerservice sollen jederzeit die Vorbereitungen auf diesen bestimmten Moment ueberblicken koennen, um beispielsweise darueber informiert zu sein, auf welchem Rechner und aus welchem Grund die neue Software noch nicht installiert wurde.

War es frueher noch moeglich, eine Gruppe von Supportmitarbeitern - die schon legendaere "Turnschuhtruppe" - mit Installationsdisketten durch die Lande zu schicken, so ist dieses Verfahren bei den inzwischen erreichten PC-Zahlen voellig unrealistisch. Das Einrichten neuer Software-Releases in die Haende des Endbenutzers zu legen, das verbietet sich allerdings ebenfalls von selbst.

Zahlreiche Wuensche blieben offen

Ganz zu schweigen von den Kosten, die wenig effiziente manuelle Installation und Wartung verursachen! In Insiderkreisen kursiert eine Zahl, die jedem Controller die Haare zu Berge stehen lassen muesste: Nach Untersuchungen eines namhaften Marktforschungsunternehmens fallen pro Arbeitsplatz-PC in amerikanischen Unternehmen 6000 Dollar im Jahr an Service- und Supportkosten an.

Nachdem das Kostenproblem erkannt war, entwickelten die Anbieter schon vor einigen Jahren eine "zweite Generation" von Loesungsansaetzen: Die Verteilung per Leitung mit Hilfe von File- Transfer-Produkten brachte zwar deutliche Rationalisierungsvorteile, liess aber auch einige Wuensche offen. Es mangelte an der Moeglichkeit der Automatisierung und an der Rueckmeldung ueber Erfolg oder Misserfolg der Aktion sowie an Statistikfunktionen.

Die Generation nach den Kinderkrankheiten

Andere Ansaetze zielten auf die Leistungsfaehigkeit bereits vorhandener PC-Netze und LAN-Server. Ein Problem blieb aber auch dort ungeloest: Es fehlt eine Uebersicht ueber die unternehmensweite DV-Situation. Auf die Leistungsmerkmale im Bereich Kontrolle und Reporting muessen die DV-Professionals bei derartigen Loesungen verzichten.

Gesucht war eine Strategie, die es erlaubt, Programme und Daten auf vernetzten PCs automatisch zu verwalten, zu verteilen und zu installieren. Die neue Konzeption fuer eine automatische Softwareverteilung sollte die Kinderkrankheiten vorangehender Generationen ueberstanden haben und auch unter dem Gesichtspunkt der Rentabilitaet ueberzeugen. Um diese Anforderungen zu erfuellen, entwickelte die Branche vor etwa zwei Jahren die elektronische Softwaredistribution der "dritten Generation".

Zur automatischen Verteilung von Softwareprodukten auf dezentralen Arbeitsstationen existieren prinzipiell zwei Verfahren: Bei ersterem wird mittels Cloning in der Zentrale ein identisches Software-Abbild der Umgebung auf der Anwenderseite erzeugt. Das Buendel geht an die Arbeitsplaetze, wo es dann automatisch vom System ausgepackt wird. Der Nachteil dieser Methode liegt in den oftmals uneinheitlichen Strukturen innerhalb der Unternehmen: Fuer unterschiedliche PC-Konfigurationen muessen unterschiedliche Clonings durchgefuehrt werden - das ist zeitaufwendig, personalintensiv und damit teuer.

Das von der IBM erfundene Konzept "CID Support" (Configuration, Installation, Distribution) umgeht diese Schwierigkeiten und bringt gleichzeitig neue ein: Es vollzieht den Installationsprozess, der auf dem Arbeitsplatz-PC ablaufen wuerde, "zu Fuss" in der Zentrale nach. Jedem, der sich je einen PC gekauft hat, sind die beim Installationsprozess obligatorischen und laestigen Fragen bekannt. Beim CID Support werden die Antworten in ein Response-File eingetragen und innerhalb des Installationsprozesses automatisch abgearbeitet.

Dieses Verfahren ist zwar elegant, aber wenig praxisgerecht, denn ausser dem Betriebssystem OS/2 gibt es nur wenige Programme, die sich auf diese Art einrichten lassen. Der Bedarf fuer CID Support ist jedoch offenbar hoch. Mit der Haeufigkeit, in der OS/2-Anwender neue Versionen ihres Betriebssystems erhalten, steigt auch die Nachfrage nach dieser Art von Installationsroutine - trotz aller Nachteile.

Daneben ist ein drittes Verfahren zu nennen, das mit den Standardthemen der ESD nur noch wenig gemeinsam hat: das "Patching". In der Mehrzahl aller Faelle wird sich von Release zu Release naemlich nicht die gesamte Programmstruktur aendern, sondern nur einige wenige Features. Beispielsweise sollen in ein Logistikprogramm ausschliesslich die neuen Steuersaetze eingefuegt werden. Hier lassen sich die Aenderungen durch Patching gegenueber der alten Version automatisch extrahieren und in die neue einbauen. Dadurch sinken Fehleranfaelligkeit und Leitungskosten.

Die Elektronikseite ist ebenfalls optimierbar

Standardanforderungen wie den Abgleich von Hard- und Softwareprofilen oder Kompatibilitaets- und Plausibilitaetspruefung erfuellt mittlerweile nahezu jede erhaeltliche ESD-Software. Inzwischen zaehlen andere K.-o.-Kriterien: Der naechste, wenn auch kleinere Schritt in Richtung Kostenreduzierung besteht darin, die Elektronikseite zu optimieren.

Dazu wieder ein Beispiel: Eine Gemeinde mit 500 PC-Arbeitsplaetzen wird von einem kommunalen Rechenzentrum mit Software und Daten versorgt. Statt das neue Release 500mal ueber oeffentliche Leitungen an jeden einzelnen PC zu schicken, wird es von der Zentrale an den LAN-Server der Gemeindeverwaltung und von dort aus automatisch ueber das hauseigene Netz an die Arbeitsplaetze gesendet.

Ein dramatischeres Szenario tut sich auf, wenn etwa die Zentrale eines Kaufhauskonzerns Hunderte von Filialen, ueber ganz Europa verteilt, tagtaeglich mit grossen Datenmengen versorgen muss. In solchen Faellen hilft auch das einfache mehrstufige LAN-Konzept nicht mehr dabei, die Leitungskosten im Zaum zu halten. Hier bietet sich Broadcasting via Satellit an, das zunaechst noch Aussenseiterstatus auf dem ESD-Markt besitzt. Die Uebertragungskosten werden dabei unabhaengig von der Datenmenge mit der Kanalmiete pauschal abgegolten.

Die Entscheidung fuer oder gegen die eine oder andere ESD-Loesung haengt aber nicht allein von der Marktkonformitaet ab. Die Service- und Supportpolitik - die vielzitierte Naehe zum Kunden - bestimmt zunehmend ueber die Auftragslage der Unternehmen.

Deutschsprachige Anbieter gibt es in diesem Markt nur wenige. "Deutschsprachig" bedeutet aber nicht nur, die ESD-Version und die zugehoerigen Handbuecher in der heimischen Sprache bereitzustellen, sondern auch gezielt den deutschen Markt mit seinen Eigenheiten zu bedienen. Amerikanische Firmen wie Novell, Legent oder neuerdings auch Tangram haben "typisch deutsche" Uebertragungssysteme wie das - gerade von Versicherungsanstalten genutzte - Datex-J ueberhaupt nicht in ihrem ESD-Repertoire.

Das ESD-Angebot der IBM wird sich wohl in Unternehmen durchsetzen, die ueber viele Jahre tragfaehige, strategische DV-Loesungen in ihrem Haus einsetzen wollen. Der damit verbundene Aufwand erfordert jedoch teure Projektarbeit - wenn etwa ein Grosskonzern den gesamten Softwarebestand mittels ESD staendig aktualisieren lassen will.

Die kleineren Anbieter glaenzen eher mit Loesungen fuer Teilbereiche im Unternehmen: Vom Kauf ueber die Implementierung und vor allem bis zur Lauffaehigkeit solcher ESD-Loesungen ist es meist nur ein kleiner Schritt.

Anbieter wie Novell, die sich dem Prinzip "Central Management - not Central Control" verschrieben haben, werden kaum Chancen bei Kunden haben, die eine "Big brother is watching you"-Loesung bevorzugen. Allerdings dienen zentrale Kontrollfunktionen weniger der gezielten Ueberwachung einzelner Personen an ihren Arbeitsplaetzen - obwohl auch dies zuweilen sinnvoll sein mag -, sondern ueben vielmehr eine Kontrolle ueber sicherheitsempfindliche Bereiche aus. Bundesbehoerden beispielsweise sind potentielle Anwender dieses Features, mit dessen Hilfe sich im Ernstfall alle kritischen Daten zentral loeschen lassen - ESD sei Dank.

Apropos Sicherheit: Es hat sich zwar die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine unternehmenskritische Software staendig up to date gehalten werden muss; dass beim Betrieb der Software unternehmenskritische Daten entstehen, ist aber noch nicht vollstaendig in die Koepfe der Verantwortlichen gedrungen. Es tut sich hier ein Nebenkriegsschauplatz der elektronischen Softwareverteilung auf: das elektronische Backup/Restore.

Zirka 40 Millionen vernetzte PCs waren 1993 weltweit im Einsatz, und 60 Prozent davon werden nie oder nur zeitweise einer Datensicherung unterzogen. Vier Fuenftel aller Datenverluste entstehen jedoch durch Fehlbedienung. In der Mainframe-Welt ist dieses Thema laengst abgehakt, dank ESD vielleicht auch bald in der PC-Welt.

Trotz einiger Kinderkrankheiten und noch fehlender Standards macht der Einsatz von ESD die zentrale Administration dezentraler Workstations moeglich und mindert so die Kosten fuer Installation und Verteilung von Software und Daten. Vergleichsstudien lassen erwarten, dass der Aufwand gegenueber der manuellen Softwareverteilung um 80 Prozent reduziert ist.

Doch selbst bei einer Effizienzsteigerung von nur zehn Prozent macht sich der Einsatz bezahlt. Denn eine Rueckmeldung ueber den Installationserfolg gibt Sicherheit, und die Automatisierung erspart dem PC-Benutzer die Belastung mit DV-Technik.

Zielgruppe nahezu aller ESD-Anbieter sind Betriebe mit einem hohen Anteil an Individualsoftware wie Zeit- und Betriebsdatenerfassungs-Programme. Ein gutes ESD-System laesst alle Organisationsformen von der vollautomatisierten Verteilung bis hin zur eigenverantwortlichen manuellen Installation zu - je nach Option. Es bietet dem Software-Distribution-Manager den Komfort einer etablierten Benutzeroberflaeche und bringt die Umkompliziertheit der PC-Welt mit der Sicherheit bewaehrter Host- Loesungen in Einklang. Die Anwenderunternehmen erreichen eine homogene Software-Ausstattung, und die Lizenzsituation bleibt an zentraler Stelle transparent.

*Uwe Toews ist Produktbereichsleiter Kommunikation bei der ICR Internationale Consulting und Rechenzentrum GmbH in Neustadt an der Weinstrasse, die das Produkt "Capri SD" anbietet.