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08.11.1985 - 

Im neuen Firmenstandort Moorenbrunn stellte Siemens sein Fabrikationskonzept vor:

MAP bringt entscheidenden Durchbruch bei CIM

MÜNCHEN (sch) - Im Hinblick auf Computer Integrated Manufacturing, kurz CIM, strebt auch Siemens zu neuen Ufern. Durch seine Mitarbeit bei dem von General Motors entwickelten Manufacturing Automatical Protocol (MAP) und die Erweiterung beziehungsweise Auslagerung seines Geschäftsbereiches "Produktionsautomatisierung" sollen die Weichen für eine von integrierte Fabrikautomation gestellt werden.

Im Gegensatz zu den "produktmanifesten" C-Techniken CAD und CAM handelt es sich beim Computer Integrated Manufacturing laut Siemens um eine konzeptionelle Vorgabe, für die im Falle von heterogenen DV-Strukturen noch keine allgemeine Patentlösung gefunden wurde. Die Konzepte, die der Münchner Elektro- und Elektronikkonzern anläßlich der Präsentation seines neuen Firmenstandorts in Nürnberg-Moorenbrunn präsentierte, bauen daher sehr stark auf der eigenen Produktpalette auf. Zur Sprache gebracht werden in diesem Zusammenhang die von Siemens zur Verfügung gestellten CIM-Komponenten wie beispielsweise die Arbeitsplatzrechner Sicomp WS, die CAD-Software Sigraph, das Prozeßleitsystem Teleperm M oder die speicherprogrammierbare Steuerung Simatic S5. In bezug auf die Einbindung fremden Equipments kann auch Siemens erst den Abglanz einer wahren CIM-Lösung bieten. Der Besucher mußte mit zwei konkreten Anwendungsbeispielen vorliebnehmen, bei denen IBM-Rechner zur Produktionsplanung in das Gesamtsystem eingebettet waren.

Der Forderung nach mehr Integration auf der Fertigungsebene wollen die ClM-Strategen bei Siemens nun zunächst mit der Markteinführung des lokalen und offenen Netzwerkes Sinec H 1 Rechnung tragen. Diese Kommunikationsschiene arbeitet nach dem Ethernet-Prinzip mit CSMA/CD-Verfahren. Weiteren Firmenangaben zufolge wird im Jahre 1987 ein zweites High-Performance-Netz mit der Bezeichnung Sinec H 2 auf der Basis des Token-Prinzips zur Verfügung stehen.

Den eigentlichen Durchbruch im Hinblick auf eine echte Durchgängigkeit bei der Fabrikautomation will Siemens gemeinsam mit anderen großen Herstellern im Rahmen des MAP-Projektes erreichen. Neben dem Münchner Computerbauer sind hier auf der DV-Seite unter anderem IBM, Digital Equipment, Honeywell General Electric und Gould mit von der Partie. Siemens beteiligt sich an MAP mit einem Team von 20 europäischen und amerikanischen Ingenieuren. Nach eigenen Angaben hat der Konzern aufgrund des Einsatzes von LANs für sein dezentrales Prozeßleitsystem Teleperm M und des daraus resultierenden einschlägigen Know-hows die MAP-Arbeiten wesentlich beeinflußt und geprägt.

Auf der Anfang November in Detroit stattfindenden Autofact wird Siemens mehrere Komponenten des Automatisierungssystems Simatic S5 mit MAP-Protokollen über einen Breitbandbus von General Motors mit Geräten anderer Hersteller kommunizieren lassen. Für das Unternehmen hat die Autofact aber auch insofern Bedeutung, als die im Rahmen der bisherigen Entwicklungsarbeiten gewonnenen Erkenntnisse direkt in die Konzipierung MAP-kompatibler Sinec-Produkte einfließen sollen.

Ausdrücklich weist die bei der Presseveranstaltung in Moorenbrunn versammelte Expertengruppe darauf hin, daß das MAP-Projekt von General Motors in keinem Konkurrenzverhältnis zu den übrigen Standardisierungsvorhaben steht. Die MAP-Kommission versuche vielmehr, mit anderen Normungsgremien zu kooperieren beziehungsweise auf vorhandenen Industriestandards aufzubauen. Auf die Dauer arbeitet man jedoch darauf hin, daß sich MAP nicht nur zu einem De-facto-Standard entwickelt, sondern auch in den internationalen Normengremien Berücksichtigung findet. Darum habe sich Siemens auch der Standards Promotion and Application Group (SPAG) der europäischen Hersteller im Rahmen des Projektes "Esprit" angeschlossen. Weiterhin "mische" das Unternehmen in den internationalen Normierungsgremien wie ISO, IEC, ICMA und CCITT mit.

Angekündigt wurde von Siemens in diesem Zusammenhang auch ein Engagement in den sich zur Zeit in Europa konstituierenden MAP-User-Groups. Als Etappe auf dem Weg zu CIM ist ferner das kürzlich unter Dach und Fach gebrachte Abkommen mit dem US-Unternehmen Western Digital Corporation zu sehen, das die gemeinsame Entwicklung und Herstellung eines Token-Bus-Protokoll-Chips für lokale Netzwerke im industriellen Bereich bezweckt.

Unabhängig von den MAP-Standardisierungsbemühungen versuchen derzeit verschiedene namhafte "CIM-Propagandisten" wie Digital Equipment und IBM Brücken zur Siemens-Fabrikautomation zu schlagen. So liefern diese beiden Hersteller beispielsweise die notwendigen Verbindungsstücke, um speicherprogrammierbare Steuerungen von Siemens in ein Gesamtsystem einzugliedern. (Zum Thema MAP siehe auch Seite 97)