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11.11.1988 - 

Neue Manufacturing Message Services vereinheitlichen Kommandosprache:

MAP-Multivendor-Schau mit ISO-Format

MÜNCHEN (sch) - Auf der Suche nach einer einsamen MAP-Spitze auf der diesjährigen Systec tat sich der Messebesucher nicht schwer. Für das Manufacturing Automation Protocol (MAP) liegt seit Oktober der erste anwendungsorientierte ISO-Standard vor, dessen Funktionsfähigkeit eine von der Emug gesponserte Multi-Vendor-Demonstration in den Mittelpunkt rückte.

"Es ist das erste Mal in Europa, daß der MAP-Standard 3.0 herstellerübergreifend zu sehen ist. Wir haben hier begeisterte Besucher, die wirklich die Offenheit des Manufacturing Automation Protocols begrüßen", erklärte Thomas Nebe, Marketingleiter für Netzwerke bei Hewlett-Packard. Seine Begeisterung kommt nicht von ungefähr, da HP als einziges größeres Unternehmen - wenn auch nicht ganz aus eigener Kraft, sondern zusammen mit der Softing GmbH aus München - die MAP-Version 3.0 vorführen konnte.

Noch mit von der Partie bei den im Rahmen dieser MAP-Fassung festgelegten sogenannten Manufacturing Messages Services (MMS) sind als Softwareproduzent die amerikanische Firma Sisco und der deutsche Distributor Telemation. Außerdem konnte IBM mit einer eigenen in Kanada entwickelten MMS-Fassung aufwarten, die sich aber an dem nunmehr festgelegten ISO-Standard orientiert. Dazu Bernhard Resch von der Electronic Data Systems GmbH (EDS) aus Rüsselsheim, die hauptamtlich für die Koordinierung der MAP-Schau "aufkam": "Es war weltweit das erste Mal, daß DEC und IBM über Breitband auf der Basis von MAP miteinander kommunizierten. Das fand noch nie statt und ist wahrscheinlich während der Präsentation etwas untergegangen."

Auch der für den technischen Bereich des CIM-Zentrums von EDS zuständige MAP-Experte, der auf dem Emug-Stand in Halle 7 selbst kräftig Hand bei der Implementierung anlegte, zeigte sich zufrieden über die Resonanz auf seiten des Fachpublikums: Wenig hohles Geschwätz, sondern viele Diskussionen über konkrete Problemlösungen. Resch dazu weiter: "Es war eigentlich nicht die Frage, was MAP ist. Das haben die meisten ja schon einmal gelesen oder irgendwo aufgeschnappt. Die Frage lautete vielmehr, inwieweit ist ein Produkt schon verfügbar und auch stabil."

Besonders an den ersten beiden Tagen sei das Besucher-aufkommen höher gewesen als ursprünglich erwartet. Zu den Unternehmen, die aus allen Branchen gekommen seien, hätten unter anderem Karmann, Beiersdorff, Asea Brown Boveri (ABB), Opel, Bosch und BMW gehört.

MAP-Stand zeigte Migrationspfade auf

Ein wesentlicher Zweck des MAP-Verbunds war es, neben der Präsentation von MAP 3.0 - so der Wortlaut der offiziellen Emug-Unterlagen - Migrationsmöglichkeiten von früheren MAP-Versionen oder von herstellerspezifischen Netzen vor Augen zu führen. Es könne davon ausgegangen werden, daß aus den gezeigten Prototypen 1989 in der Praxis einsetzbare, kaufbare Produkte würden.

Die Mehrzahl der vertretenen Anbieter begnügte sich bei ihren Systec-Vorführungen indes "noch" mit den MAP-Vorgängerversionen oder zeigte eine firmenspezifische Lösung - wie zum Beispiel Siemens. So wurde die Lösung Sinec H1 des Münchner Elektro- und Elektronikkonzerns mit seinem eigenen Automatisierungs-Protokoll für intelligente Steuerungen von der Emug als Beispiel für ein herstellerabhängiges Netz nach IEEE 802.3 mit der Übergangslösung zum MAP-Backbone ausgewählt.

In der MAP-Multivendor-Landschaft dominierten als Werksrechner Systeme von DEC (VAX) und IBM (9370), die mit den Anwendungen über ein MAP-Breitband-Backbone nach IEEE 804.2 unter Benutzung des Token-Bus-Protokolls kommunizierten. Über dieses Medium lief auch der Datenverkehr mit dem flexiblen Fertigungssystem des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften der Technischen Universität München (IWB). Die Verbindung mit einem untergeordneten TOP-Netzwerk nach IEEE 802.3 realisierte ein spezielles Gateway. Neben Breitband verständigten sich die "MAP-Verfechter" auf den Einsatz des einfacheren, billigeren Carrierbands, ebenfalls mit Token-Passing-Busprotokoll. Die Übertragungsrate auf dem Backbone lag bei 10 Megabit pro Sekunde. Der Beitrag der Hersteller für das Netz: Siemens lieferte unter anderem das Breitband-Netzwerk, von LIS stammte das Carrierband-Subnetz und von HP ein Netzwerk-Analysator beziehungsweise eine MMS-Workstation.

Für alle Geräte im Netz: genormte Kommandosprache

Der signifikante Unterschied zwischen den beiden MAP-Versionen 2.1 und 2.2 sowie der Version 3.0 liegt nach Angaben der Emug in der Leistungsfähigkeit der Schnittstelle zu den Anwendungsprogrammen. Jede der an ein Netzwerk angeschlossenen Komponenten muß in der ihr eigenen Sprache angesprochen werden. Für diese Aufgabe würde MAP ohne MMS lediglich einen gesicherten Datentransport zur Verfügung stellen oder eine systemnahe CASE-Programmierung erfordern. MAP 3.0 definiert MMS als Dienst der Anwendungsschicht, die eine genormte Kommandosprache für alle Geräte des fertigungsnahen Bereichs darstellt. So kommt man im Rahmen des neuen Services, der als ISO-Standard 9506 festgelegt wurde, durch das Upload- und Download von Programmen von einem Zellenrechner in verschiedene speicherprogrammierbare Steuerungen, mit ein und derselben Kommandosprache aus. Wie die Emug ausdrücklich betont, weist die neue Norm "eine größere Funktionsvielfalt auf als jedes herstellerabhängige Protokoll zur Fertigungsautomation."

Die wichtigsten der insgesamt 87 Funktionen von MMS für die Programmierung einer Anwendung sind: Upload und Download von Programmen sowie Parametern, File Copies, Lesen und Schreiben von Variablen, Abfragen des Gerätestatus, Synchronisation, Alarmbedingungen und Journale.

CIM/OSA-Projekt geht einen Schritt weiter

Mit dem neuen MAP-Standard 3.0, der für die Zeitdauer von sechs Jahren festgelegt wurde, wollen sich die Anbieter in der Fertigungsindustrie - oder zumindest einige davon - allerdings noch nicht zufrieden geben. Auch das zeigte die Messe deutlich. Das Esprit-Projekt CIM/OSA 688 wurde durch Mitglieder des Amice-Konsortiums auf einem eigenen Stand in Halle 1 vertreten. Nach Worten von Manfred Klittich, Abteilungsleiter in der Systemtechnischen Entwicklung von der an dem Projekt beteiligten AEG, strebt man die Entwicklung einer Referenzarchitektur für Gesamtsysteme an. Dabei ginge es vor allen Dingen um die weitere Spezifizierung der anwendungsbezogenen Ebene. Klittich: "MAP ist ja eigentlich nur der untere Teil des Layer 7. 96 Prozent der Arbeit bleibt eigentlich dem Anwender überlassen. Von den jetzt bestehenden MAP würde nur ein API mitgeliefert.

Die "Integrated Infrastructure" (IIS) dagegen wolle dafür sorgen, daß sich wiederholende Funktionen wie Data Management, Informations Management und Front-End-Services wie externe Funktionen in Robotern, NC-Steuerungen weiter erleichtert werden.

Die CIM/OSA angeschlossenen Unternehmen gehen davon aus, 1989 erste Prototypen als Echtzeit-Anwendungen zeigen zu können.

Klittich gestand ein, daß der Anwender momentan noch zu häufig auf der Strecke bleibe: "Man sieht nicht, wann welche Produkte verfügbar sind. Danach werden wir oft gefragt."