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24.10.1986 - 

Informationstechnik als Produktionsmittel, Information als Produktionsfaktor:

MAP soll die Pforten zur CIM-Welt öffnen

MÜNCHEN (CW) - Rund 40 Milliarden Mark werden derzeit welt-weit in Fabrikautomatisierung (MAP) gesteckt, bis zum Ende der Dekade rechnen Experten mit einer Verdoppelung der Investitionen. Dem steilen Aufwärtstrend dieser Entwicklung in Richtung computeritegrierter Fertigung (CIM) soll jetzt das Messeprogramm der " Systec '86" Rechnung tragen.

Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche mikroprozessor- oder rechnergesteuerte Maschinen und Einrichtungen in den Unternehmen ausgebreitet. Es entstanden sogenannte Automatisierungs-Inseln, die selten in der Lage sind, untereinander Daten auszutauschen - letztlich ein diffuses Nebeneinander, ohne Durchgang zwischen Logistik, Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Qualitätssicherung. Dies soll nun mit MAP. (Manufacturing Automation Protocol) eine Lösung finden, die auf der Systec '86 den Interessierten aus allen Branchen vorgestellt werden soll: auf einem Sonderstand des MAP-Initiators General Motors und auf einem offiziellen Informationsstand der EMUG, der Vereinigung der europäischen MAP-Nutzer.

Dem Lösungsansatz MAP liegt die Überlegung zugrunde, daß die Wirtschaftlichkeit eines modernen Unternehmens heute nicht nur durch Mengenfertigung und hohe Umsätze gekennzeichnet ist, sondern auch dadurch, daß die Betriebe sich schnell und flexibel auf Kundenwünsche einstellen können. Sie müssen eine zunehmende Produktvielfalt höherer Qualität in kürzerer Zeit entwickeln und fertigen. Dieses Ziel ist nur mit moderner Mikroelektronik und Informationstechnik erreichbar, denen leistungsfähige Fertigungseinrichtungen und -verfahren sowie ein rechnerunterstützter Material- und Informationsfluß zur Seite stehen. Jedoch müssen die einzelnen Funktionskreise so offen gestaltet sein, daß sie jederzeit zu einem Gesamtsystem verknüpft und neue Erkenntnisse, Verfahren und Produkte problemlos einbezogen werden können.

MAP nun stellt Regeln für die innerbetriebliche Datenkommunikation auf und hat es innerhalb der letzten zwei Jahre geschafft, als De-facto-Standard in Fertigungsumgebung weltweit Anerkennung zu finden bei Herstellern von Fertigungseinrichtungen ebenso wie bei den Computeranbietern. MAP soll Dienste, Protokolle und Schnittstellen für offene Kommunikationssysteme in Produktionsanlagen definieren und damit gewährleisten, daß Steuerungen und Rechner unterschiedlicher Hersteller einschließlich der Software ohne spezielle Anpassungen in einem Produktionssystem zusammenarbeiten können. Aus diesem Zusammenhang wird deutlich, daß MAP übergeordnet mittel- und langfristig geplant werden muß: Informationstechnik als Produktionsmittel, die Information als Produktionsfaktor. Indes ist mit MAP alleine noch kein CIM zu erreichen - zumal MAP noch im Fluß ist. Und es ist zugleich im Zusammenhang mit der Büro-Automatisierung zu sehen, wo ähnliche Initiativen - von Boeing ausgelöst - unter der Bezeichnung TOP (Technical and Office Protocols) entstanden sind.

Für die Verwirklichung von MAP sind lokale Netze (LAN - Local Area Networks) Voraussetzung, die durch den vielfältigen Datenaustausch zwischen Produktentwicklung, Fertigungsplanung und -vorbereitung, Fertigungssteuerung und -überwachung, zum Rückgrat einer modernen Fabrik werden. LANs erlauben die Kommunikation zwischen zwei Partnern des Netzes sowie gleichzeitige Kommunikation mehrerer Partner. MAP ist der Vorschlag von General Motors, in LANs eine aus sieben Schichten bestehende Protokoll-Hierarchie aufzubauen, die von der technischen Kommunikationsebene eins bis zur Anwendungsebene sieben reicht. MAP beruht auf einem Breitbandsystem mit einer Übertragungsrate von zehn Megabit pro Sekunde; dadurch wird die Überbrückung großer Entfernungen möglich, die parallele Übertragung mehrerer Informationsströme unterstützt und von vornherein jede Beschränkung der Übertragungskapazität vermieden. Das verwendete Token-Bus-Protokoll gestattet den konfliktfreien Zugang zum Medium; es bietet Prioritäten und eine Direktantwort auf eine Anforderung.

Dennoch sind nicht alle konzeptionellen und technischen Probleme von MAP gelöst. Deshalb soll mit der derzeit jüngsten MAP-Spezifikation 2.1, die bis 1987 unverändert bleiben soll, in Pilot- und Testinstallationen Erfahrung gesammelt und ausgewertet werden.