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Ex-CEO räumt Fehler ein


20.04.2001 - 

March First vor dem Aus

MÜNCHEN (CW) - Das Schicksal des Internet-Dienstleisters March First scheint besiegelt, noch bevor die Geschäfte so richtig ins Rollen gekommen sind. Die erst vor einem Jahr aus der Fusion dreier Unternehmen hervorgegangene Firma beantragte jetzt Gläubigerschutz in den USA.

Auch massive Entlassungen von rund einem Drittel der Belegschaft sowie die Schließung einiger Niederlassungen konnten das schwer angeschlagene Internet-Beratungsunternehmen nicht mehr aus der Finanzmisere befreien. March First wies in seinem vierten Fiskalquartal 2000 einen Nettoverlust von katastrophalen 6,81 Milliarden Dollar aus.

Ausverkauf einzelner BereicheZwar war es dem Unternehmen aus Chicago im Dezember noch gelungen, Kredite von bis zu 100 Millionen Dollar für die Weiterführung des Geschäftes an Land zu ziehen, doch letztlich zögerte die Finanzhilfe das dicke Ende lediglich hinaus. Im März schließlich gab das Unternehmen den Rücktritt seines Chairman und Chief Executive Officer (CEO) Robert Bernard sowie weiterer Manager bekannt. Anfang April verkaufte March First einen Teil seiner Niederlassungen an die Softwarefirma Divine für rund 120 Millionen Dollar. Divine übernahm außerdem 2100 der insgesamt 7000 Mitarbeiter.

Mit dem nun beantragten Gläubigerschutz in den Vereinigten Staaten soll die Web-Agentur Zeit haben, ihre Vermögenswerte in den USA zu liquidieren, hieß es in einer Stellungnahme an die US-Börsenaufsicht SEC. Gleichzeitig räumte das Unternehmen ein, dass es unwahrscheinlich sei, dass Gewinne zur Verteilung an die Aktionäre übrig bleiben werden. In dem Antragsschreiben an die US-Kontrollbehörde gab March First seine Vermögenswerte mit rund 790 Millionen Dollar sowie Verbindlichkeiten von knapp 430 Millionen Dollar an. Zu den größten der rund 1000 Gläubiger gehören die Investmentbank Credit Suisse First Boston sowie der Softwarekonzern Microsoft.

Der Antrag betrifft allerdings nicht die europäischen Geschäfte. Diese sollen verkauft werden beziehungsweise voraussichtlich bis Ende dieses Monats "mit einem strategischen Partner verschmelzen", so die offizielle Sprachregelung. Ziel sei es, das Europa-Geschäft so von den Turbulenzen des US-Marktes zu entkoppeln. March First beschäftigt in elf europäischen Ländern 1200 Mitarbeiter.

Das weltweit tätige Unternehmen entstand vor gut einem Jahr, als Bernard, Gründer des IT-Dienstleisters Whittman-Hart, für 7,1 Milliarden Dollar die Web-Berater von US Web/CKS übernahm. Dies sei ein schwerwiegender Fehler gewesen, wie Bernard jetzt einräumte. Die mit vier Jahren noch junge Web-Agentur US Web/CKS sei ein Potpourri aus über 40 kleinen Agenturen ohne einheitliche Firmenkultur gewesen. Danach ging es rapide abwärts: Kunden zahlten ihre Rechnungen nicht, zu hohe Ausgaben für Werbung und langfristige Mietverträge sowie eine unglückliche Hand bei Risikokapital-Investitionen führten das Unternehmen an den Abgrund.