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04.06.1999 - 

Interview

"Marketiers verstehen E-Commerce am besten"

Mit John Swainson, General Manager für Applikations- und Integrations-Middleware bei der IBM, sprach Peter Wolchack von der "Computerworld Canada".

CW: IBM hat sich den Einstieg ins E-Business, wie E-Commerce bei Ihnen heißt, viel kosten lassen. Besteht nicht die Gefahr, daß Konkurrenten, allen voran Microsoft, von Ihren Erfahrungen lernen und Ihnen beim ersten Fehler den Markt aus den Händen reißen?

Swainson: Ich weiß, daß sich der Marketing-Chef von Oracle damit zitieren läßt, er freue sich über unsere E-Business-Kampagne, weil sich sein Unternehmen dann später das Geschäft um so leichter unter den Nagel reißen könne. Wir sind nicht so naiv zu glauben, daß wir diesen Markt vollständig kontrollieren werden, nur weil wir die Kunden weltweit dafür aufnahmebereit gemacht haben. Trotzdem sind wir aufgrund unserer breiten Angebotspalette in einer besseren Situation als andere. Die meisten unserer Mitbewerber sind wie Pferde, die nur einen einzigen Trick beherrschen - zu ihnen gehört Microsoft.

CW: Sie sehen in Microsoft also keine wirkliche Konkurrenz?

Swainson: Ich bin ziemlich sicher, daß es bei Microsoft nicht einen Zuständigen gibt, der die IBM-Aktivitäten verfolgt und sie auch ernst nimmt. Microsoft ist die am meisten mit sich selbst beschäftigte Firma der Welt. Aktivitäten anderer interessieren das Unternehmen nur wegen einer einzigen Frage: "Was bedeutet das für mich und meine Produkte?" Microsofts Management ist weder kunden- noch marktorientiert. Die von Ballmer betriebene Umorganisation soll hier abhelfen. Weil in der Geschäftsleitung ansonsten jedes Verständnis für Kundenorientierung fehlt, wird das aber nichts nützen.

CW: Zurück zum Geschäft via Internet. Wird dieses Konzept von den Anwendern verstanden?

Swainson: Ja, vor allem von den Marketing-Leuten. Die Techniker zeigen dagegen weit weniger Verständnis. Sie fragen immer: "Wie manipuliere ich damit Daten". Ein Marketier würde dagegen sagen: "Wenn ich ein solches System eingerichtet bekomme, kann ich tolle Sachen auf die Beine stellen". Deshalb treiben sie den E-Business-Fortschritt schneller voran, als die Technik mithält.

CW: Die eingesetztenTechniken sind doch nicht neu?

Swainson: Das ist richtig, aber die meisten Kunden haben nur Teile davon im Einsatz, so daß ein durchgängiges E-Commerce-System erst noch realisiert werden muß. Auf 80 Prozent der Web-Seiten steht nichts anderes als die Fotos der Chefs, Firmenprospekte und schöne Zahlen. Online-Einkaufen funktioniert selten, und wenn, wird meist per Schneckenpost ausgeliefert, nachdem ein Mitarbeiter die E-Mail ausgedruckt und die Bestelldaten in das operative System eingegeben hat.

CW: Wo liegt das Problem?

Swainson: Wie gesagt, es ist aber noch nicht ganz gelungen, ein rundes Gesamtsystem zusammenzufügen. Das frustriert die Marketing-Spezialisten, die wissen wollen, wie die Kunden Web-Seiten nutzen.

CW: Teilen sie die Frustration?

Swainson: Ja. Es dauert schrecklich lange, bis der Massenmarkt eine derart einleuchtende Idee aufgreift.

CW: Woher kommen dann die astronomischen Börsenbewertungen für E-Commerce-Firmen?

Swainson: Auch die Börsianer erwarten, daß die meisten dieser innovativen Unternehmen den Durchbruch nicht schaffen. Sie täuschen sich aber, wenn sie glauben, daß man nur auf die richtige Firma setzen müsse. Es werden noch andere Player auftauchen. Derweil haben viele Unternehmen Angst "amazoned" zu werden. Damit ist gemeint, daß irgendwelche Firmen mit Web-Techniken in eine Branche einbrechen und dort die Finanzstruktur durcheinander bringen, indem sie den Löwenanteil des Börsenkapitals an sich reißen.

CW: Ich habe immer öfters den Eindruck, daß die Unternehmen am meisten mit vagen E-Commerce-Konzepten um sich werfen, wenn sie nicht genau wissen, wie es weitergehen soll...

Swainson: Genau. Vor kurzem haben solche Firmen über Objektorientierung, Verteilung und Offenheit schwadroniert. Ein Zukunftsrezept ist das nur für die wenigsten.

CW: Wer wird bestehen, wer scheitern?

Swainson: Es geht darum, sein Unternehmen auf diesem Markt verkaufen. Schwer zu sagen, wer ein Schaumschläger ist, und welche Geschäftsideen auf Dauer tragen. Was die Anbieter aus dem fast nur über den Preis gesteuerten PC-Markt meinen könnten, wenn sie über E-Commerce reden, ist mir allerdings schleierhaft.