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20.06.1975 - 

Hewlett Packard geht auf Gegenkurs

Marktanteil ist nicht das Ziel

MÜNCHEN - Inmitten der gegenwärtigen Wirtschaftskrise - in der die meisten Firmen im Bereich "Hightechnology electronics" einerseits ihre Preise senken, um die Verkaufseinnahmen zu erhöhen und andererseits die Ausgaben für Produktentwicklung verringern, um höhere Gewinne auszuweisen, hat sich die Hewlett Packard Co. für den Gegenkurs entschieden: Die Preise sind um durchschnittlich 10 Prozent erhöht worden und die Ausgaben für die Entwicklung neuer Produkte nahmen um 20 Prozent zu (1975. rund 80 Millionen Dollar). Wenn diese Strategie so einschlägt wie geplant, dann wird sich zwar die Wachstumsrate der Firma, deren Verkaufs-Umsatz sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelte, verlangsamen, - aber die Gewinnsituation wird profitabler. Und genau das ist im letzten Halbjahresergebnis sichtbar geworden: Wachstumsrate "nur" noch 14 Prozent. Gewinnzunahme 21 Prozent.

Wachstum nicht um Jeden Preis

Dieser Verzicht auf "Wachstum um jeden Preis" war dem amerikanischen Wochenmagazin "Business Week" eine Titelstory wert, weil -so der Tenor des Artikels - diese Formel für die Elektronik-lndustrie richtungsweisend werden kann. "Business Week" berichtet recht kritisch über die Ausgangsposition bei HP. Lagerbestände und ausstehende Rechnungen nahmen - besonders während des "Booms" von 1972 bis 73 - rasch zu, Erzeugnisse kamen auf den Markt, bevor sie voll entwickelt waren und die Preise wurden viel zu niedrig angesetzt. "lrgendwann bekamen wir die Idee, daß Marktanteil unser Hauptziel sei", schimpfte David Packard (63) vor kurzem im Kreise seiner Top-Manager, "und ich hoffe daß dieser falsche Kurs jetzt berichtigt ist."

Harte Konkurrenz

Packard ist der Business-Mann der Company. William Hewlett (62) gilt als der technische Tüftler. Beiden gehören immer noch etwa die Hälfte der Geschäftsanteile, jeweils im Wert von etwa 700 Millionen Dollar. 1975 wird HP die Schallgrenze von einer Milliarde Dollar Umsatz durchbrechen. Die neue Strategie: Entwicklung von Produkten, die so fortschrittlich sind, daß der Kunde gewillt ist, einen höheren Preis zu zahlen.

Aber die Konkurrenz ist hart. Die einstmals klaren Grenzen im Produktangebot hochspezialisierter Firmen verwischen sich. HP selber ist dafür ein Beispiel: Neben der Traditionslinie Elektronische Meßgeräte stellt die Firma auch Minicomputer und Taschenrechner her und versucht ihr Glück außerdem auch noch in der Produktion von Halbleitern und Elektronik-Bausteinen. Andererseits befassen sich die "alten" Hersteller von Halbleitern, wie zum Beispiel Texas Instruments oder National Semiconductor heute auch mit dem Computerbau. Unsicherheit kennzeichnet den Markt.

Preisverfall bei Minicomputern

Ein zeitlicher Vorsprung wird immer wichtiger, denn beispielsweise im Minicomputer-Geschäft wird die Zeitspanne für Produktgenerationen immer kürzer (derzeit etwa drei Jahre), dabei fallen die Preise jährlich um etwa 30 Prozent. Vielfach werden deshalb Produkte unausgereift und zu billig verkauft. Andererseits gibt es phantastische Marktchancen: Der wissenschaftliche Taschenrechner HP-35 beherrschte von 1972 bis 1974 den Markt praktisch konkurrenzlos und konnte einen Umsatz von über 120 Millionen Dollar erzielen, davon waren mehr als 40 Millionen Dollar Gewinn. Der HP-3000 Minicomputer mit seinem 4,096-Bit-Halbleiterspeicher soll jetzt zu einem ähnlichen Erfolg werden. hei