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07.10.1994

Marktbereinigung im Vorfeld der neuen AS/400-Ankuendigung IBM will /36-Kunden den Support-Hahn zudrehen

MUENCHEN (hv) - Die IBM Deutschland GmbH hat ihren Kunden der Rechnerreihe /36 (Modelle 5360 und 5362) schriftlich mitgeteilt, dass sie den Programmservice fuer das Betriebssystem SSP und fuer systemnahe Programme zum 4. April 1995 einstellen wird. Offenbar will Big Blue diese Kunden zu einem Umstieg auf die fuer Oktober 1994 angekuendigten "AS/400-Advanced-36"-Rechner bewegen.

Zirka 5000 Anwender der IBM-Midrange-Maschine /36 gibt es in Deutschland - diese Kunden versetzte der Hersteller vor wenigen Tagen in helle Aufregung: In einem Serienbrief teilte Big Blue mit, der Service fuer das IBM-Lizenzprogramm 5727-SS1 (System/36 SSP Base fuer IBM 5360/5362) sowie fuer saemtliche Systemprogramme, darunter Sprachen, Utilities und Werkzeuge fuer die PC- Unterstuetzung, werde zum Fruehjahr naechsten Jahres beendet.

"Es sieht danach aus, als wolle IBM uns die Schlinge um den Hals legen, damit wir ganz schnell wechseln", aergert sich Anwender Helmut Schwenker, Geschaeftsfuehrer der Hamburger HSP Service GmbH. Fuer ihn ist die IBM-Ankuendigung schlicht eine "Unverschaemtheit". Rufe man in Stuttgart an, um sich zu beschweren, erhalte man die lapidare Auskunft, die Systemsoftware laufe heute so stabil, dass sich ein weiterer Service und Support ohnehin eruebrige.

Im Gespraech mit der CW machte die IBM dagegen - zumindest teilweise - einen Rueckzieher. Auch ab April 1995 koennten /36- Anwender Serviceleistungen beziehen, sie haetten dann allerdings dafuer zu zahlen. Die Fehlerbereinigung werde auf Zeit- und Materialbasis berechnet.

Zu 99,9 Prozent funktioniere die SSP-Software mitsamt den systemnahen Anwendungen ohnehin zuverlaessig, so dass der Serviceaufwand minimal sein werde.

Warum hat die IBM diese neue Serviceregelung im Brief an ihre Kunden nicht erwaehnt? Anwendern draengt sich der Eindruck auf, der Hersteller wolle Verunsicherung schueren, um das Geschaeft mit der neuen "Super /36" (IBM-Jargon) anzuheizen. "Das ist keineswegs der Fall", dementiert IBM-Marketier Michael Stockmann. "Wir sind davon ausgegangen, dass diese Services ohnehin niemand haben will!" Dass man die Unterstuetzung fuer "alte Huete" irgendwann einstelle, sei doch bekannt - vor allem dann, wenn die Systemsoftware keine Fehlerquelle darstelle.

Bisher war jedoch der "alte Hut" System/36 noch recht beliebt. Ein Umstieg auf die AS/400 erschien nur wenigen IBM-Kunden erstrebenswert. Preis- und Performance-Gruende hielten die Klientel vom zeitaufwendigen Wechsel ab - selbst als in den spaeten 80er Jahren die /36-Aera zu Ende ging und das lautstarke Marketing- Gelaeut fuer die AS/400 begann. Bis zu 200000 Anwen-der setzen heute noch weltweit auf die "Liebhabermaschine" System /36.

Kunden, die IBMs Umstiegsempfehlungen folgten, wurden mit hohen Kosten, groesserer Systemkomplexitaet und zunaechst nur geringen Performance-Vorteilen konfrontiert. Hatten sie sich dennoch zu diesem Schritt durchgerungen, hielten sie zumeist an ihrer /36- Datenverarbeitung fest, indem sie die entsprechende Emulation auf der AS/400 verwendeten. "Nahezu alle /36-Anwender, die auf die AS/400 gewechselt haben, verwendeten die Maschine im /36-Modus", weiss der Muenchner Berater Rudolf Rammig zu berichten. Die Moeglichkeiten der AS/400 liessen sich vom unteren Mittelstand gar nicht nutzen, der Rechner werde dort nur selten ausgelastet.

Diese konservative Kundenhaltung will IBM nun mit dem neuen, Power-PC-basierten Rechner AS/400 Advanced 36 wandeln. Die Anwender arbeiten auf dieser Maschine zunaechst ausschliesslich mit dem unveraenderten /36-System Systems Support Program (SSP) - und zwar im Native-Mode. Hundertprozentige Objektcode-Kompatibilitaet soll die Uebernahme der Altanwendungen leicht machen. Auf derselben Maschine soll ab 1995 parallel das Betriebssystem OS/400 zum Einsatz kommen koennen (siehe auch Seite 35).