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03.02.1984 - 

Nachdem IBM die 3,9-Zoll-Floppy einstampfte:

Marktgerangel um neue Diskettenstandards

03.02.1984

Nach den Schwierigkeiten der IBM mit Ihr ein 3,9-Zoll-Standard ist das Gerangel um die Vorherrschaft auf dem Diskettenmarkt im Größenbereich unter 5,25-Zoll erneut entbrannt. Wie es heißt, habe Big Blue die Entwicklung der 3,9-Zoll-Floppy eingestellt. Mitbewerber erwarten nun, daß sich der Marktführer schon bald für eine der derzeit gängigen Standards entscheidet.

Angesichts der Tatsache, daß die restliche DV-Industrie im allgemeinen in einer solchen Situation auf IBM starrt wie das Kaninchen auf die Schlange, erscheint das Scheitern von Big Blues selbstgestricktem 3,9-Zoll-Standard immerhin bemerkenswert. Die Schuld an dieser Entwicklung darf der DV-Riese nach Ansicht von Branchenkennern zum Großteil bei sich selbst suchen: Werde ein mit viel Aufwand angekündigtes Produkt nur für das OEM-Geschäft vorgesehen, ohne im eigenen Hause Verwendung zu finden, sei es nicht verwunderlich, wenn auch dem gläubigsten Anhänger der blauen Philosophie Zweifel kommen.

Als Hauptkonkurrenten unter den derzeit vermarkteten 3, 3,5- und 5,25-Zoll-Floppy-Systemen gelten die Produkte von Sony und Matsushita/Hitachi. Beide Entwicklungen stellen im Diskettengeschäft insofern eine Neuerung dar, als sie mit ihren Plastikgehäusen und automatischen Schutzblenden schon fast an miniaturisierte Plattenkassetten erinnern. Demgegenüber sehen Insider die nach dem herkömmlichen Baumuster gefertigte 3,25-Zoll-Disk mit ihrer Papphülle nur als Außenseiter.

Die Befürworter des hauptsächlich in Japan verbreiteten und von Matsushita/Hitachi gemeinsam entwickelten 3-Zoll-Standards verweisen vor allein darauf, daß ihr Produkt in den Abmessungen dein japanischen Standardbriefumschlag entspricht und deshalb besonders versandfreundlich ist. Marktkenner bezweifeln diese Darstellung allerdings und unterstellen eher, die eingesessenen DV-Riesen wollten sich nicht von dem Emporkömmling Sony bevormunden lassen.

Im Gegensatz dazu spreche für die 3,5-Zoll-Floppy von Sony neben der Verbreitung in Europa und in den USA die Tatsache, daß der Normenausschuß des ANSI (American National Standards Institute) das 3,5-Zoll-Format im September 1983 als Arbeitsgrundlage für die erste Mikrofloppy-Norm angenommen hat. Gleichartige Bestrebungen wurden auf dem Genfer Treffen der ECMA, der entsprechenden europäischen Normierungsorganisation, am 14. November 1983 erkennbar. Darüber hinaus halten sich die Gerüchte, daß Hitachi beabsichtige, von seiner eigenen Entwicklung abzuspringen und sich 3,5-Zoll-Standard zuzuwenden.

IBM-Wettbewerber vertreten die Auffassung, daß Big Blue auf Dauer ohne eine Mikrofloppy nicht auskomme. Für welchen der restlichen Standards sich der Marktführer nun entscheidet, bleibt Spekulation. Das Interesse der Branche konzentriert sich momentan vor allem darauf, ob IBM die Vorreiterrolle von Sony akzeptiert oder es vorzieht, einen anderen Standard zu unterstützen. Entscheidet sich Big Blue für die 3,5-Zoll-Lösung, so gilt das Standardisierungsgerangel als weitgehend abgeschlossen, zumal sich bereits so potente Anbieter wie Hewlett-Packard und Apple zum Einsatz dieser Diskette entschlossen haben. Sollte der DV-Gigant den 3-Zoll-Standard wählen, wird das Pendel nach Ansicht von Marktanalytikern zugunsten des von Matsushita und Hitachi entwickelten Laufwerks ausschlagen. In diesem Fall käme es zu einem Wettrennen um Marktanteile, bei dem so profunde Kenner der Materie wie der amerikanische Disketten-Guru Jim Porter trotz allem Sony vorne sehen.

Die Brisanz der Standardisierungsthematik wird erkennbar, beschäftigt man sich mit dem kürzlich erschienenen Disk/Trend-Report des Diskettenpapstes. In diesem Bericht wird für die Entwicklung des Floppymarktes bis zum Jahre 1987 ein rasanter Umsatzanstieg der Mini- und Mikrofloppies bei gleichzeitigem Rückgang der traditionellen 8-Zoll-Laufwerke vorausgesagt. Dabei prognostiziert das Porter-Team den 3,25-Zoll-Minis für diesen Zeitraum die Vorherrschaft. Ihr Umsatz bis 1987 soll den aller Mikrolaufwerke zusammen um das Siebenfache übertreffen. Dies gelte auch unter Berücksichtigung der Tatsache, daß Toshiba an neuartigen Minilaufwerken mit vertikaler Aufnahmetechnik arbeitet, die eine Kapazität von mehreren Megabyte erreichen sollen.