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11.01.1985 - 

Ein Jahr im Zeichen einer Betriebssystem-Gruppe:

Marktszene läßt Unix-Zweifler verstummen

MÜNCHEN (CW) - Das vergangene Jahr war auch das Jahr des Betriebssystems Unix. Obwohl sich das Operating System immer noch nicht auf breiter Basis durchgesetzt hat, gehen Experten davon aus, daß der große Durchbruch innerhalb der nächsten Jahre kommen wird. Probleme bereitet momentan noch die Standardisierung, die allein eine Portabilität verschiedener Anwendungspakete ermöglicht.

Die Industrie hat diesen Trend erkannt und bemüht sich, eine einheitliche Basis zu finden, auf der sowohl reine Unix- Betriebssysteme und -Derivate als auch Unix-ähnliche Produkte aufgebaut sind. Die Entwicklung der letzten drei Jahre, die recht stürmisch verlief, beschreibt Jean Yates in ihrem Beitrag, der sich auch mit Zukunftsaspekten auseinandersetzt.

Die Historie von Unix ist eine Geschichte verschiedener Software-Organisationen, die getrennt daran gearbeitet haben, ein Betriebssystem von seinen Anfängen in den Bell Laboratories bis zum gegenwärtigen Status als portables Multi-User-Betriebssystem zu bringen.

Programmierfreundliche "C-shell" für Profis

Von Beginn an haben sich Universitäten intensiv mit diesem Betriebssystem auseinandergesetzt. Die berühmteste ist die Universität von Californien in Berkeley. Mit Unterstützung des Defense Departments Advanced Research Project Agency fügte Berkeley virtuelle Speicherplatten hinzu, die Programmiersprachen Lisp und Pascal, ein Datenbankmanagement-System und Netzwerkunterstützung.

Darüber hinaus ist die erweiterte Anwenderschnittstelle, bekannt als "C shell" oder "csh", in Berkeley entwickelt worden, die Unix programmierfreundlicher macht - insbesondere für Profis, denen die "shell"-Features die Arbeit erleichtern. Als Resultat dieser Berkeley-Erweiterung wurden ihr Versionen von Unix sehr populär, insbesondere bei hochtechnisierten Firmen, speziell im Bereich des Militärwesens. Da Hochtechnologie-Unternehmen und Universitäten den größten Teil der frühen Unix-Anwenderbasis darstellten, gehören die BSD-Releases zu den meistverwendeten Versionen auf Minicomputern, die typischerweise in solchen Umgebungen eingesetzt werden.

Zur gleichen Zeit versuchten Software-Unternehmen Unix für die kommerzielle Nutzung aufzubereiten und es zu einem Büro-Betriebssystem zu machen; Die Microsoft Corporation zählt dabei wohl zu den bekanntesten Unternehmen und auch Interactive Systems Corporation gehörte zu den ersten, die eine kommerzielle Unix-Version auf den Markt brachten.

Darüber hinaus offerieren verschiedene Anbieter Betriebssysteme, die Unix ähnlich sind, die aber nicht auf dem Quellcode der Bell Laboratories basieren. Xenix von Microsoft ist das bekannteste Derivat. Das Unternehmen entwickelte Features, die Unix von einem Systemadministrator unabhängig machen und es dadurch ermöglichen, dieses Betriebssystem auf kommerziell genutzten Mikrocomputern einzusetzen. Die Unterstützung, die von dem Unternehmen gewährt wurde, machte außerdem dieses Betriebssystem-Derivat sehr attraktiv für die nichttechnische kommerzielle Welt - attraktiver als es Unix jemals war. Mit der Ankündigung von Xenix für den IBM Personal Computer AT scheint der Erfolg als Mikro-Unix-Standard gesichert.

Unisoft ist spezialisiert auf die Portierung von Unix auf Mikrocomputer, die auf dem Motorola 68000 basieren. Der 68000-Chip hat sich als der populärste für Unix-Mikros entwickelt. So läuft Uniplus jetzt auf mehr als 60 verschiedenen Maschinen.

Unix-Entwicklung auf verschiedenen Routen

Interactive Systems, das erste Softwarehaus, das für ein Unix-Derivat Support anbot, erweiterte das Betriebssystem um Office-Automation-Pakete. Das Unternehmen, dessen Unix-Version "IS/1" ursprünglich nur für Minis von Digital Equipment verfügbar war, wurde vor kurzem als, Wartungsunternehmen für IBMs PC/IX ausgewählt.

Während Microsoft, Unisoft und Interactive Systems mit dem Quellcode starteten, der von Bell Labs entwickelt wurde, bewegten sich andere Unternehmen auf verschiedenen Routen, um Unix-ähnliche Betriebssysteme zu entwickeln um so die hohen Kosten einer Quellizenz einzusparen. Die bekanntesten darunter sind White-Smith Ltd. (Idris), Mark Williams Co. (Coherent) und Charles River Daten Systems (Unos).

In der Zwischenzeit waren die Entwickler in Berkeley nicht untätig. Berkeleys Release 4.1 BSD wurde zum neuen Standard der High-Tech-Gemeinschaft. Die Erweiterungen, die auch von anderen Unix-Herstellern durchgeführt wurden, reichen von einer Steigerung der Geschwindigkeit über angebotene Applikationssoftware bis zur Unterstützung für Real-Time-Systeme. Allerdings ist bis heute nicht klar, was die Zukunft für diejenigen Unternehmen bereit hält, die ihre eigenen Unix-Versionen entwickelten.

AT&T, Mutter der Beil Labs und Haupt-Unix-Lizenzgeber, wird erwartungsgemäß die Erweiterungen, die andere bereits eingeführt haben, übernehmen; vielleicht sogar, um Unix enger an die 3B-spezifischen Hardware Gegebenheiten anzupassen. In dem Moment, wo System V genügend Erweiterungen besitzt, um es für die Bürowelt wettbewerbsfähig zu machen, wird der Raum für Unix-Derivate immer enger werden.

Da Berkeley ein Support der eigenen Unix-Version nicht möglich ist, werden sogar eingefleischte BSD-Fans langsam aber sicher zum System V umschwenken müssen. Die anderen Versionen von Unix werden weiterhin im Markt kursieren, aber es scheint, daß ihr Zenith Auftritt schon überschritten ist.

Das Fehlen von Anwendungssoftware für Unix-Supermikros, so meinen Kritiker, sei nur eine der Gefahren, die Unix als kommerzielles Operating System den Garaus machen könnten. Doch nutzten verschiedene Hersteller das vergangene Jahr, um das Loch fehlender Anwendungspakete zu füllen. Heute gibt es sehr viel kommerzielle Software für Minicomputer, die unter Unix laufen.

Vielleicht ist es ebenso wichtig, daß derzeit viele Programmierer in "C" beenden und soweit in der Lage sind, die DV-Welt mit entsprechendem Anwendungsprogrammen zu versorgen. Dennoch fehlt zur Zeit eine ausreichend große Hardware-Basis, um die Entwicklung und den Vertrieb von Anwendungen profitabel zu machen. Dieser Meilenstein wird aber erst Ende nächsten Jahres erreicht sein.

Die letzten zwei Jahre waren dadurch gekennzeichnet, daß auch viele Anwendungsentwickler begannen, ihre Programme in "C" umzusetzen. Die Portabilität dieser Sprache, die sich zu einer Standard-Entwicklungssprache zu mausern scheint, ermöglicht es Software-Herstellern auf verschiedene Betriebssysteme, die sich als Standard herauskristallisieren werden, aufsetzen. Konsequenterweise gibt es bereits Hunderte von Anwendungsprogrammen, die in "C" geschrieben sind und die in den Unix-Supermikromarkt gebracht werden können, sobald die HW-Installationen an einen Punkt gelangt sind, der die Anstrengung profitabel macht.

Als Katalysator könnte man den IBM PC/AT ansehen. Der AT läuft unter MS-DOS und Xenix. Software-Entwickler, die an Multi-Tasking und Multi-User-Anwendungen interessiert sind, sehen Xenix als potentiellen Vorläufer der erwünschten installierten Basis. Viele Marktgegebenheiten wurden durch AT&T's Memory Limit von drei Megabytes, die Hard-Disk-Kapazität von 40 Megabytes und die starke Z 86-CPU geschaffen.

So etablierte AT&T den Independent Software Vendor (ISV), die Vendor Involvement Programme (VIP) und System V Bibliotheksprojekte, um System V als Standard zu forcieren. Die Strategie besteht darin, unabhängige Software-Hersteller zu ermutigen, die Qualität und Quantität von Programmen auf Unix-Rechnern zu steigern.

Damit soll unter anderem den Distributoren, die sich bereits im Unix-Markt etabliert haben, eine Hilfestellung gegeben werden. Diese bereits etablierten Unternehmen schrieben in der Regel Pakete für den Minicomputer-Markt unter Unix, speziell für DEC-Hardware.

Den erstaunlichsten Erfolg verzeichnete wohl die Relational Technology Inc. mit dem DBMS-Paket "Ingres". Ursprünglich war diese Software in Berkeley entwickelt worden und auf der DEC VAX gelaufen, wird jetzt aber auf Unix-Hardware eingesetzt, unter anderem auf dem Modell 16 von Tandy Corp., dem 586 von Altos Computer Systems Inc. und dem Zilog-Rechner 8000.

Im Sommer 1984 unterschrieben Relational Technology und AT&T einen Langzeit-Entwicklungs- und Marketing-Vertrag. Ingres wurde als relationales Datenbank-Management-System für AT&T's 3B-Produkte ausgewählt; so ist Ingres/CS (Compact System) bereits auf der 3B2 verfügbar.

Verschiedene andere Software-Pakete haben aber ebenfalls Markterfolge zu verzeichnen. Dazu zählen Multiplan von Microsoft, Informix von Relational Database Systems, Horizon, Ultracalc, Unify und auch MBSI von Real-World Systems.

Die Popularität von Unix ist ein Resultat verschiedener Aktivitäten der Industrie: - Die Ankündigung der Produkte 3B2, 3B5 und 3B20 von AT&T, einer Computerserie, auf denen Unix als primäres Betriebssystem eingesetzt wird. AT&Ts extensive Werbung, IBMs Ankündigung des PC/IX sowie das Gemunkel um weitere Unix-Announcements des Marktführers bewirken eine steigende Nachfrage der DV-Manager für vernetzte Mikroeinsätze und Mikro-Mainframe-Verbindungen, die allesamt mit derselben Anwendungs-Software laufen. Diese und andere Marktkräfte haben die Hardware-Manufakturen veranlaßt, ihre kompetitiven Strategien zu ändern, um der wachsenden Nachfrage der Konsumenten für ein standardisiertes flexibles Multiuser-Betriebssystem nachzukommen.

"Ring frei" für Unix

Obwohl Unix im harten Wettbewerb zu Microsofts MS-DOS und Digital Research CP/M liegt, wird dieses Betriebssystem zum Ende dieser Dekade in der Mehrzahl der Büros, vor allem in mittelständischen Betrieben, zum Einsatz kommen. Bis 1989 werden die Evolution des Workstation-Marktes, die multiplen Betriebssysteme und die Netzwerk-Verfügbarkeit die Wichtigkeit aller Betriebssysteme zunehmend verringern. Bevor dies jedoch passiert, wird der Unix-Markt ein starkes Wachstum, eine hohe Durchdringungs- und dann eine abflauende Phase durchleben, so wie es bei Marktzyklen bekannt ist.

Bis jetzt kann man generell davon ausgehen, daß die kontrollierende und beeinflussende Kraft im Unix-Markt AT&T ist. Im Dezember kündigte das Unternehmen das System V.2 an, um Unix als "Standard" zu etablieren. Das Resultat war eine Verunsicherung bei den anderen Unix-Herstellern. Begleitet wurde die Ankündigung der Version V.2 von dem AT&T-Versprechen, die Lizenzgebühren zu verringern und die Lizenznahme zu vereinfachen.

Wichtiger allerdings war AT&Ts Committment, den Unix-Markt im Hardware-Bereich aktiv anzugehen und zu unterstützen. IBM zog direkte Konsequenzen aus dieser Aktion, um nicht abseits im wachsenden Markt zu stehen. Kurz nach dem AT&T-Announcement beglückte Big Blue den US-Markt mit dem PC/IX, einer System-3-Implementierung für den IBM Personal Computer. Diese Ankündigung kam kurz nach einem Versuchsballon der IBM Instruments Devision, die Xenix für die IBM 9000 ankündigte.

Zum dritten stellte Big Blue Xenix auf der 9002 vor und versuchte, dieses Gerät als ein Office-Automation-Produkt zu vermerkten. Zum Geburtstag des Personal Computers kündigte IBM den PC/AT an, der die letzte große Lücke in der Personal-Computer-Produkt-Linie schloß und den Unix-Markt öffnet.

Es kann nun unter Vorbehalt behauptet werden, daß Unix auf dem besten Wege zu einem Standard ist. Das Betriebssystem selbst wird hauptsächlich als Multiuser-System für 16- und 32-Bit-Mikros eingesetzt. Die Marktnachfrage führte in letzter Zeit dazu, daß die wichtigsten Hersteller Unix auf Mikros, Minis und Mainframes implementieren.

Nahezu jeder Hersteller besitzt jetzt eine Unix-Strategie, sei es für ein Einzelprodukt oder für eine ganze Produktlinie. Nicht zuletzt aufgrund der Reorganisation des Telephon-Riesen AT&T wird System V als Standard-Unix immer aggressiver forciert.

Die Akzeptanz von Unix als ein Industrie-Standard wurde durch das Fehlen eines Standard-Unix behindert. So dominiert Xenix den unteren Marktbereich mit mehr als 50000 Installationen. Das System 3 und die Version 7 sind in der Regel in Installationen zwischen 25000 und 100000 Dollar zu finden und darauf basierende Versionen beherrschen den Mainframe-Markt.

Zweifler werden kleine Brötchen backen

Diese Unterteilung der Unix-Typen wird enden, wenn AT&T erfolgreich die Pläne verwirklichen kann, System V als Standard durchzusetzen. AT&T arbeitet sehr eng mit Digital Research und verschiedenen wichtigen Chip-Herstellern zusammen, um das Produkt zu standardisieren. Dennoch wird der Standardisierungsprozeß durch die Tatsache behindert, daß das Standard-Unix geändert werden muß, um es Endanwendern mit wenig technischer Erfahrung schmackhaft zu machen.

Dieses Jahr und auch das nächste Jahr werden gekennzeichnet sein durch die Ankündigungen weiterer Unix-Produkte oder Unix-Linien durch weitere große Hardware-Hersteller.

Software-Entwickler, die ihre Anwendungen in "C" umgesetzt haben, werden dann die Produkte verstärkt in diesem wachsenden Markt anbieten. Die Verfügbarkeit dieser Produkte wird die letzten Zweifler zur Ruhe bringen.