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20.03.1998 - 

Marktübersicht

Marktübersicht Projekt-Management-Systeme nähern sich der Alltagspraxis

Rückmelde-Features, Risikoanalyse und Aufwandsabschätzung gehören mittlerweile zu den Funktionen, die ein professionelles Projekt-Management-System beherrschen sollte.Wie das Produktangebot derartige Anforderungen erfüllt, soll im folgenden anhand einiger Beispiele gezeigt werden.Dabei gilt auch für diese Programmsparte: Das mehr oder weniger gute Abschneiden eines Produkts in den einzelnen Funktionsdisziplinen muß mit den unternehmensspezifischen Belangen korreliert werden.

Powerproject 4.1

Die Projektplanungssoftware "Powerproject" ist auf die speziellen Bedürfnisse des Architektur- und Baubereichs zugeschnitten.Von Vorteil ist in diesem Zusammenhang auch die Branchenerfahrung des Karlsruher Distributors Management & Software im Bauwesen.Größere wie kleinere Projekte lassen sich mit Hilfe eines integrierten Plan-Managers schrittweise in hierarchisch gegliederte Ablaufstrukturen überführen.Zudem ist es ab der Version 4.1 möglich, Projekte über Summenbalken zu strukturieren.

Powerproject unterstützt die im Bauwesen zeichnerisch orientierte Bearbeitung von Projektplänen.Vorgänge lassen sich mit der Maus erzeugen, miteinander verknüpfen, verschieben und zeitlich festlegen.Unterbrechungen oder Wiederholungen von Arbeitsvorgängen können platzsparend in einer Zeile mit bis zu 127 Segmenten dargestellt werden.Dies erhöht nicht nur die Übersicht, sondern veranschaulicht auch den Ablauf unmittelbar aufeinanderfolgender Projektaktivitäten.Für zusätzliche Erläuterungen hält die Software einige grundlegende Zeichenfunktionen sowie eine Auto-Kommentarfunktion bereit.

Für den Soll-Ist-Vergleich lassen sich beliebig viele Projektzwischenstände abspeichern.Man kann bis zu neun Zwischenpläne gleichzeitig laden, um den Projektfortschritt zu veranschaulichen.Damit neben der Termintreue auch die wirtschaftliche Abwicklung eines Projekts im Auge bleibt, bietet das Programm zahlreiche Funktionen zum Finanz-Management.Kosten und Erlöse lassen sich dabei entweder auf Basis der Einsatzmittel (variable Kosten) oder direkt auf Vorgangsebene (Fixkosten) zuweisen und ermitteln.Die Verfügbarkeit von Ressourcen sowie Zugangs- oder Verbrauchsraten für bestimmte Güter können über Zuteilungskurven frei festgelegt werden.

CA-Superproject 4.0

Das Projektplanungssystem von Computer Associates (CA) läßt sich in Abhängigkeit vom Kenntnisstand des Anwenders in vier abgestuften Expertenmodi betreiben.Die bei früheren Versionen noch nicht ganz ausgereifte Benutzerfreundlichkeit wurde inzwischen wesentlich verbessert.

Die hierarchische Gliederung eines Gesamtvorhabens in Unterprojekte kann sowohl in listenförmiger als auch in grafischer Form dargestellt werden.Dabei unterstützt die Software benutzerdefinierbare Struktur-Codemasken, was dazu führt, daß sich unternehmensspezifische Numerierungssysteme berücksichtigen lassen.

Zur Herstellung einer logischen Reihenfolge zwischen den Arbeitsvorgängen "Anfang" (A), "Ende" (E) und den dazugehörigen Kombinationsmöglichkeiten stellt der Projektplaner erstmals auch eine Funktion bereit, die es erlaubt, Projektvorgänge so miteinander zu verbinden, daß sie zum gleichen Zeitpunkt beginnen und zur selben Zeit enden.Zeitliche Überlappungen oder Wartezeiten zwischen Projektvorgängen sowie neun verschiedene Termineinschränkungstypen erhöhen die Modellierungstreue der Software.

Eine der herausragenden Stärken von Superproject ist die flexible Einplanung von Einsatzmitteln.Ressourcenzuweisungen können innerhalb eines Vorgangs zu verschiedenen Zeitpunkten beginnen.

Daneben werden drei verschiedene Ressourcentypen explizit unterstützt, so zum Beispiel materialerzeugende und -verbrauchende Einsatzmittel.Auch das Kosten-Management ist überdurchschnittlich gelöst.Durch die Bereitstellung einer Vielzahl von sogenannten Earned-Value-Kennzahlen wird die Voraussetzung dafür geschaffen, Chancen und Gefahren für ein Projekt rechtzeitig zu erkennen.

Acos Plus.1

Das in Deutschland entwickelte und bereits seit längerer Zeit auf Unix-, VAX- und DOS-Rechnern einsatzfähige Planungssystem ist mit Version 8.0 (Freigabe laut Hersteller zur CeBIT) erstmals auch unter Windows lauffähig.

Die Grobstruktur eines Projekts läßt sich bei Acos wie üblich zunächst durch Teilprojekte und Blockvorgänge (Sammelvorgänge) festlegen, bevor sie im weiteren Planungsverlauf bis hin zu den detaillierten Einzelaktivitäten aufgeschlüsselt wird.

Bemerkenswerterweise unterstützt das Programm neben minimalen auch maximale Anordnungsbeziehungen sowie deren Kombinationen.Version 8 bietet erstmals auch die Möglichkeit, gezielt wichtige Anordnungsbeziehungsketten zwischen einzelnen Vorgängen zu selektieren und sichtbar zu machen.Auch ein Ressourcenbalkenplan zur grafischen Visualisierung wird neuerdings unterstützt.

Zur Terminplanung stellt Acos eine Mehrkalenderrechnung (Vorgangs- und Ressourcenkalender) bereit.Bei aktivierten Ressourcenkalendern ist es möglich, bis zu acht unterschiedliche Verrechnungssätze anzugeben, um vorhersehbare Kostenschwankungen zu berücksichtigen.Überstundensätze lassen sich dagegen nicht einplanen.Die Abbildung von Zahlungsein- und -ausgängen wird ebenso unterstützt wie die nichtlineare Ressourcenverteilung über Vorgangsdauern.

Eine der hervorzuhebenden Stärken des Produkts ist die Projektstrukturierung nach unterschiedlichen Gesichtspunkten.Neben dem manuellen und automatischen Kapazitätsabgleich ist auch eine Kapazitätsglättung durchführbar, um eine möglichst gleichmäßige Auslastung der Ressourcen beziehungsweise Einsatzmittel zu erzielen.

Weitere Pluspunkte: die grafische Earned-Value- und Meilenstein-Trendanalyse zur Ermittlung von Termin- und Kostentrends.

Project Scheduler 7 Enterprise (Version 7.5)

Die Projekt-Management-Software aus der Scitor-Schmiede präsentiert sich mit einer äußerst benutzerfreundlichen Oberfläche.Eindrucksvoll sind auch die Formel- und Filtermöglichkeiten des Programms: In Formeln können Filter verwendet werden, die einerseits verschiedenartige Kategorien betreffen (Vorgangs-, Ressourcenfilter etc.) und andererseits auch zur Berechnung von Werten herangezogen werden können.Ferner lassen sich in den Formeln Textpassagen unterbringen, etwa in Abhängigkeit von berechneten Earned-Value-Kennzahlen ("Es droht Überschreitung des Projektbudgets").

Project Scheduler bietet eine große Zahl von Strukturierungsmöglichkeiten, darunter auch grafische Pläne.Mit Hilfe einer speziellen Funktion ist es möglich, Projektvorgänge in Abhängigkeit von bestimmten Feldern in sortierter Reihenfolge, beispielsweise nach Abteilungen oder Erfahrungswerten gruppiert, darzustellen.Von großem Vorteil ist dabei, daß die Feldinhalte in einem Pulldown-Menü angeboten werden.Kostensätze lassen sich im Vergleich zur Vorgängerversion auch über die Projektdauer variieren, ohne daß die Planungssoftware auf die von Release 6 bekannten Inflationspläne zurückgreifen muß.

Was die Kommunikationsmöglichkeiten angeht, bietet die Software ODBC- und OLE-2.0-Unterstützung, einen objektorientierten Berichtsgenerator inklusive Assistent sowie E-Mail.Projektgrafiken und -berichte lassen sich im HTML- und JPEG-Format speichern.Die seit kurzem verfügbare "Enterprise"-Variante unterscheidet sich von der Standardversion durch eine Kommunikations-Schnittstelle (Project Communicator) zwischen Projektmitarbeitern und Projektleiter.Alle Beteiligten können ihre geleisteten Arbeitszeiten direkt in das Programm rückmelden.

Primavera Project Planner (P3) 2.0

Das von Intec, Landshut, vertriebene Produkt genießt schon länger einen guten Ruf als professionelles Projekt-Management-System.Die Organisation von Projekten kann über einen listenförmigen Strukturplan, Vorgangsschlüssel oder die Einführung von Teilprojekten erfolgen.Einen grafischen Strukturplan unterstützt P3 nicht, dafür wartet die neue Version 2.0 erstmals mit einem editierbaren Vorgangsknoten-Netzplan auf.Als Multiuser-System mit einer Vielzahl von Multiprojekt-Fähigkeiten vereinfacht P3 insbesondere die Verwaltung komplexer Projekte.Teilprojekte lassen sich unabhängig steuern.

Neben der Möglichkeit, die übliche oder maximale Verfügbarkeit eines Einsatzmittels festzulegen, erlaubt der Planer auch, Kapazitätsgrenzen in Abhängigkeit von der Arbeitsschicht zu definieren.Um Engpässe zu vermeiden, kann es im Gegensatz zur Vorgängerversion Projektaktivitäten splitten, strecken und stauchen (Kapazitätserhöhung).

Auf der Finanzseite unterstützt P3 die Verfolgung von Plan- und Ist-Kosten, kumulierten Kosten, Earned-Value-Kennzahlen und Gesamtkosten.Ein Highlight: Mit Hilfe der "Autocost"-Funktion kann der Verantwortliche eigene Regeln für Projektkosten vorgeben.Ein Undo-Befehl sowie Features zur Formelauswertung werden dagegen nach wie vor nicht unterstützt.

Der neue OLE-2.0-Automation-Server, das mitgelieferte "Postoffice" (Rückmeldeunterstützung) sowie der Web-Publishing-Assistent runden den an sich leistungsstarken Projektplaner ab.

Project Workbench 3.0

Das Projektplanungs- und -steuerungssystem von Applied Business Technology (ABT) ist Bestandteil der Gesamtlösung "Results Management" des Herstellers. Werkzeuge unterstützen das Projekt-Management in Bereichen der Risikoanalyse, der Erstellung und Realisierung von Vorgehensweisen (V-Modell) sowie der Aufwandsabschätzung.

Bereits nach dem Start der Software offenbart sich dem Benutzer eine Besonderheit: Der grundlegende Arbeitsablauf wird durch ein grafisches Benutzer-Interface dargestellt.Auf Mausklick erscheinen diverse Dialogfelder und Ansichten, die für die Umsetzung des gewählten Arbeitsschrittes notwendig sind.

Das Programm erlaubt eine übergreifende Zuordnung der Einsatzmittel und Terminplanung, indem über ein sogenanntes Masterprojekt auf Vorgangs- und Ressourcen-Daten aus Unterprojekten zugegriffen wird.Arbeitsvorgänge lassen sich als variabel oder fest definieren, eine Unterbrechung ist jederzeit möglich.Die kapazitäts- oder termintreue Einplanung von Vorgängen läßt sich wahlweise manuell oder automatisch mit der Autoplan-Funktion verwirklichen, wobei das Produkt auch Vorgangsprioritäten berücksichtigt.

Die Project Workbench ist besonders für größere Projekte etwa in der Software-Entwicklung ausgelegt.Deshalb wird eine detaillierte Terminplanung (Arbeitspausen, Vorgangsdauern in Stunden, Termineinschränkungen etc.) nicht explizit unterstützt.

Zur praxisorientierten Überwachung des Projektfortschritts beinhaltet das Produkt unter anderem ein zweistufiges Rückmeldeverfahren: Die Mitarbeiter können ihre tatsächlichen Aufwände und geschätzten Restaufwände zunächst in vorläufiger Form eingeben.Erst nachdem der Verantwortliche die Rückmeldedaten geprüft und genehmigt hat, werden sie in den Projektplan übernommen.

CS Project Professional 2.6

Der Projektplaner wurde 1993 auf dem Markt eingeführt und ist in diesem Jahr erstmals auch in Deutschland verfügbar.Das vorbildliche Handbuch vermittelt zunächst Grundlagenwissen zum Projekt-Management, bevor es auf die eigentliche Funktionalität der in Südafrika entwickelten Software eingeht.

Die Applikation gestattet eine besonders gut gelöste Projektmodellierung: Elf Termineinschränkungstypen, absolute Vorzieh- und Wartezeiten, periodische Termine und Vorgangskalender werden unterstützt.Ein Pluspunkt: Der Projektplaner beherrscht die Definition von mehreren Anordnungsbeziehungen zwischen zwei Projektvorgängen.

Auch der Kapazitätsabgleich zur Vermeidung von Konflikten bei den Einsatzmitteln weist einige Besonderheiten auf.Bei aktivierter Carlo-Methode (Cost and Resource Leveling Optimization) erzielt das Programm gute Abgleichsergebnisse (kapazitätstreue Terminpläne mit möglichst geringer Projektdauer).Dies gelingt, indem alle möglichen Kombinationen für Prioritätsregeln ausprobiert werden, was natürlich etwas länger dauert als der Standardabgleich.Die Glättung von Kapazitäts- und Kostenkurven ist ebenfalls möglich.

Auch im Bereich der Kostensteuerung hat CS Project einiges zu bieten: variable Kosten- und Überstundensätze, eine grafische Earned-Value-Analyse, S-Kurven und eine integrierte Risikoanalyse.Letztere nimmt eine Monte-Carlo-Simulation vor, um die verschiedenen Eintrittswahrscheinlichkeiten für die termin- und budgetgerechte Projektfertigstellung zu ermitteln.E-Mail- und Internet-Funktionalität bietet das Produkt noch nicht.

Daran sollten Sie denken...

Wer mit der Einführung eines Projekt-Management-Systems (PMS) liebäugelt, wird sich mit einer Fülle von Angeboten konfrontiert sehen.Bevor man hier eine übereilte Kaufentscheidung trifft, sollten folgende Ratschläge berücksichtigt werden:

- niemals nur den Bekanntheitsgrad eines PMS-Herstellers oder den Preis des Produkts als Bewertungsmaßstab heranziehen,

- es gibt nicht das "beste PMS", das sich für alle individuellen Einsatzzwecke eines Unternehmens eignet; Stärken und Schwächen eines Produkts sollten im Vorfeld an dem jeweiligen Anforderungskatalog gemessen werden,

- PMS sind kompliziert und erklärungsbedürftig; damit es nicht zu Akzeptanzproblemen in der Praxis kommt, sollten die Dienstleistungen des Herstellers (Schulung, Anpassung, etc.) unter die Lupe genommen werden,

- die Bedürfnisse der Anwender in den Fachabteilungen müssen in ein PMS-Projekt mit einfließen,

- Vorsicht vor der Produktauswahl anhand von kommerziellen Kriterienkatalogen; sie wurden meist vom Hersteller ausgefüllt und sind deshalb nicht von neutraler Stelle verifiziert.

Volker Jungbluth ist Wirtschaftingenieur und Informatiker in Wiesbaden.