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13.01.1995

Marktvolumen fuer Internetworking liegt bei 1,9 Milliarden Mark Token-Ring-Switching sichert Migration und Investition ab

Trotz nach wie vor rezessiver Wirtschaftslage in der DV-Branche gibt es immer noch Bereiche, die Wachstum verzeichnen. Dazu zaehlt in erster Linie der Markt fuer LANs. Augenfaellig dabei ist, dass Token Ring gegenueber Ethernet langsam aufholt. Verantwortlich dafuer zeichnet die Switching-Technologie fuer Token Ring sowie dadurch geschaffene Migrationswege zu FDDI und ATM, die Rudolf Hamann* beschreibt.

Die Vernetzung von Computern schreitet unaufhoerlich voran, denn Inselloesungen sind in Unternehmen schon aus Rentabilitaetsgruenden laengst nicht mehr gefragt. Allein in Deutschland betrug der Wert an Netzwerkkomponenten 1993 rund 1,65 Milliarden Mark. Bei einer Wachstumsrate von annaehernd 15 Prozent ist fuer 1994 mit einem Wert von rund 1,9 Milliarden Mark zu rechnen.

In dieser Summe sind sowohl die verkauften Netzkarten als auch Connectivity-Produkte enthalten. Die Netzwerkkarten verzeichnen hierbei mit 52 Prozent den weitaus groessten Anteil, gefolgt von Netzwerk-Betriebssystemen mit 23 Prozent, Hubs mit 15 Prozent sowie Routern (sechs Prozent) und Bridges (vier Prozent).

Bei den eingesetzten Topologien in Deutschland fuehrt, die verkauften Netzadapter zugrunde gelegt, immer noch unangefochten Ethernet mit rund 73 Prozent Marktanteil vor dem Token Ring mit 23 Prozent. Arcnet mit drei und FDDI mit derzeit einem Prozent spielen eine sehr untergeordnete Rolle.

Dass Ethernet noch in fast drei Viertel aller LANs eingesetzt wird, liegt in erster Linie an den herkoemmlichen DV-Strukturen. Doch mit der schrittweisen Abloesung der altehrwuerdigen Mainframes durch Client-Server-Anwendungen verschiebt sich dieses Bild allmaehlich zugunsten von Token Ring und FDDI. Denn moderne LAN-Anwendungen haben heute eines gemeinsam: Sie benoetigen Bandbreite im LAN.

Waehrend zum Beispiel Token-Ring-Netze mit 4 Mbit/s noch genug Kapazitaeten fuer Hunderte von Benutzern an Mainframe-Terminals zur Verfuegung stellten, erreichen die Netzwerke heutiger Auspraegung ziemlich schnell ihre Leistungsgrenzen, sobald darin Client- Server-, Groupware- und Multimedia-Anwendungen genutzt werden.

Ethernet-Netze verbrauchen bei Netzlasten ueber 40 Prozent durch die auftretenden Kollisionen die gesamte restliche Bandbreite, so dass Anwender mit sehr unterschiedlichen Bandbreiten arbeiten muessen. Angesichts der ohnehin schon geringen Geschwindigkeit (10 Mbit/s) wird die effektive Durchsatzleistung von Ethernet auf etwa 4 Mbit/s reduziert.

Auch Fast Ethernet enttaeuscht in der Praxis

Die Ethernet-Anbieter reagierten auf diese unverkennbare Leistungsgrenze mit Fast und Switched Ethernet. Doch bei Fast Ethernet ist keine einheitliche Normierung in Sicht. Erste Testergebnisse haben ausserdem enttaeuschende Resultate erbracht. Die Leistung liegt nicht, wie rechnerisch zu erwarten, bei der zehnfachen Performance von Standard Ethernet. Bei Switched Ethernet, einem Verfahren, das die Unterteilung des LANs in mehrere Segmente sowie deren Koppelung verkoerpert, stellen sich bei Server-Verbindungen Leistungseinbussen ein, die sich zwar durch den Einbau weiterer Server kompensieren lassen, aber erhebliche Mehrkosten verursachen.

Die Token-Ring-Architektur kann hingegen die Bandbreitenanforderungen heutiger LANs durchaus erfuellen. Mit einer Uebertragungsgeschwindigkeit von 16 Mbit/s und dem Token- Passing-Protokoll werden den Benutzern auch bei Netzlasten ueber 95 Prozent der Bandbreiten garantierte Antwortzeiten geboten.

Doch auch fuer Token-Ring-Anordnungen gibt es Performance-Grenzen, schon alleine im Vergleich zu den neueren High-speed-Technologien FDDI mit 100 Mbit/s und ATM mit 155 Mbit/s. Die Hersteller beginnen deshalb jetzt damit, das Switching- Konzept auch auf Token Ring anzuwenden. Vor allem Investitionsschutz sowie die Migration hin zu den Hochgeschwindigkeitsnetzen mit FDDI und ATM bilden hierbei den Grundgedanken.

Diese Entwicklung war bei Betrachtung des deutschen Token-Ring- Markts auch ueberfaellig. Nach 133 000 verkauften Token-Ring-NICs in 1992 und 160 000 in 1993 wird 1994 mit 188 000 und 1995 gar mit 213 000 Stueck gerechnet. Bedenkt man ferner, dass rund 90 Prozent der mittleren und groesseren sowie immerhin rund 60 Prozent der kleineren Unternehmen in Deutschland bereits LANs installiert haben, ist die Forderung nach innovativen, zukunftsorientierten Technologien um so verstaendlicher.

Fuer den LAN-Markt 1995 lassen sich vor allem zwei Trends prognostizieren: Die Unternehmen werden erstens versuchen, ihre vorhandene LAN-Basis zu behalten und zu erweitern, zum Beispiel durch Switching Devices zur Performance-Steigerung. Zweitens wird ATM mit der besseren Nutzung der Netzressourcen der Uebertragungsmodus der Zukunft werden - dieser Trend wird 1995 jedoch erst langsam einsetzen. Noch ist die Standardisierung nicht komplett abgeschlossen, und die Preise fuer ATM-Produkte sind noch zu hoch.

FDDI spielt mit prognostizierten 22 000 verkauften NICs zunaechst eine bedeutendere Rolle. Die Migration zu diesen beiden Technologien bleibt aber eine entscheidende Option, die Anbieter und Kunden beruecksichtigen sollten. Seit wenigen Wochen macht ausserdem ein neuer Standard von sich reden: ATM 25. Gemeint ist damit ein ATM-Standard mit einer Full-Duplex-Uebertragungsrate von 25 Mbit/s. Aufgrund der relativ einfachen Umsetzung werden schon Mitte 1995 ATM-25-Produkte auf den Markt kommen, zu Preisen, die ATM auch fuer den Desktop sehr schnell attraktiv machen koennten.

Die Token-Ring-Switching-Technologie verspricht durch die Moeglichkeit zur weitergehenden Segmentierung und der extrem geringen Latenzzeit bei der Uebertragung eine deutliche Steigerung der Performance. Darueber hinaus haben Unternehmen damit die Gewaehr, zu FDDI und ATM migrieren und ihre Investitionen schuetzen zu koennen.

* Rudolf Hamann ist Marketing-Leiter bei Madge Networks in Neu- Isenburg.