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15.12.1995

Marktzahlen von Diebold veroeffentlicht Big Blue verliert Marktanteile durch Einbussen bei Mainframes

FRANKFURT/M. (CW) - Als "Sensation" bezeichnete Diebold-Chef Gerhard Adler die juengste Entwicklung im DV-Markt: Seit zehn Jahren habe sich in Deutschland erstmals der Markt fuer Hardware mit einem Plus von 8,7 Prozent besser entwickelt als der fuer Software und Services. Insgesamt stiegen die Ausgaben fuer Informations- und Kommunikationstechnik um mehr als sieben Prozent auf 230 Milliarden Mark.

An diesem Wachstum sind Datenverarbeitung und Buerotechnik mit 68 Milliarden Mark oder einem Anteil von 29,5 Prozent beteiligt. Zahlen des Fachverbandes Informationstechnik im VDMA und ZVEI, nach denen dieser Markt noch um rund zehn Milliarden Mark hoeher eingeschaetzt wird, haelt Adler fuer unrealistisch.

Knapp 90 Milliarden Mark (39 Prozent) entfallen auf den Telekommunikationssektor, der bei neuen Diensten und im Mobilfunk stark zugelegt hat.

Maessig verlief dagegen in diesem Segment das Geschaeft mit Ausruestungen - laut Adler ist dies auf die Zurueckhaltung des Grossinvestors Telekom zurueckzufuehren, der seine Aktion "Aufbruch Ost" weitgehend abgeschlossen habe. Die restlichen Anteile entfielen auf Geraete-Elektronik und Anlagen (knapp 53 Milliarden oder 23 Prozent) und Bauelemente beziehungsweise Baugruppen (19 Milliarden oder 8,5 Prozent). Diese Zahlen gab der Geschaeftsfuehrer der Diebold Deutschland GmbH, Eschborn, anlaesslich des Marktforums '95 in Frankfurt bekannt.

Das starke Wachstum im Hardwaremarkt begruendet Diebold-Berater Dieter Sinn vor allem mit den hohen Umsaetzen im PC-Segment: Von 9,1 Milliarden im vergangenen Jahr schraubte sich dieser Markt auf 10,8 Milliarden Mark hoch - das entspricht einem Plus von 18,7 Prozent. Sogar um 20 Prozent legte der Workstation-Sektor zu. Das Marktvolumen betraegt hier 1,8 Milliarden Mark.

Bei Hardware gab es deutliche Zuwaechse - nur nicht bei Systemen oberhalb der 500000-Mark-Grenze. Dieser Sektor schrumpfte um sieben Prozent auf ein Volumen von 5,2 Milliarden Mark, da sich die Anzahl der verkauften CPUs deutlich reduzierte. In dieser Kategorie verlieren vor allem die kleineren Grossrechner an Boden - sie werden durch Unix-Server unterhalb der 500000-Mark-Grenze ersetzt. Fuer sehr grosse Mainframes im Preis von mehr als zehn Millionen Mark gibt es mittelfristig noch Bedarf.

IBM ist nach Beobachtungen von Diebold derzeit nicht in der Lage, seine Verluste im Mainframe-Geschaeft durch andere Hardwareverkaeufe zu kompensieren. Die Wachstumsquote bleibe hinter der von Konkurrenten wie HP zurueck. Siemens-Nixdorf ist im Gegensatz zu Big Blue offenbar imstande, seine Rueckgaenge im Mainframe-Geschaeft durch Zuwaechse bei PC- und Unix-Rechnern wettzumachen.

Der Software- und Servicesverkauf in Deutschland dehnte sich um knapp sieben Prozent auf ein Volumen von 35,6 Milliarden Mark aus. Dabei wuchs das Produktgeschaeft mit einer Quote von 10,4 Prozent schneller als das Projekt- (6,5 Prozent) und das Servicegeschaeft (2,7 Prozent). Das geringe Plus bei Services begruendet Diebold mit einem starken Rueckgang im Wartungs-Business.

Im Produktsegment verdienen die Anbieter vor allem an Datenbanken, Tools, Workflow-Produkten und Standardsoftware. Weniger wird im Bereich der Systemsoftware profitiert, wo proprietaere Systeme immer geringere Chancen haben und der Preisverfall deutlich spuerbar ist. Im Projektgeschaeft steigt die Nachfrage nach Leistungen im Bereich Systemintegration und kundenindividuelle Software-Entwicklung. Bodyleasing ist immer weniger gefragt. Umsatz mit Services wird vor allem mit IT-Beratung und Outsourcing generiert, waehrend die Maerkte fuer RZ-Services und Schulung ihre Schwierigkeiten haben. Die Goldgrube Hardwarewartung versickert mit zunehmender Standardisierung der Systeme.

Adler bezeichnete die Informations- und Kommunikationstechnik als Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. In der konjunkturell bedingten Reorganisationsphase seien Investitionen vorbereitet worden, doch mit Bestellungen haetten sich die Firmen noch zurueckgehalten. In der Erholungsphase werde nun gekauft. Die Belebung am Hardwaremarkt sei auf die grosse Nachfrage nach Softwarepaketen wie R/3 von SAP zurueckzufuehren, die ihrem Ruf als Ressourcenfresser alle Ehre machten.

Konjunkturbelebung zeigt positive Wirkung

Mit Informatik Geschaefte in Gang setzen und Kundennutzen schaffen - diese Vision, frueher als Utopie belaechelt, scheint nun Realitaet zu werden. "Seit letztem Jahr spueren wir eine Veraenderung", referierte Adler. "Informationstechnik in Kombination mit anderen Faktoren wird tatsaechlich als Chance gesehen, Wettbewerbsvorteile zu erringen." Unternehmen ueberspringen nach Beobachtungen Diebolds bei ihren Reorganisationsanstrengungen die Unternehmensgrenzen und beziehen Kunden und Lieferanten in ihre Geschaeftsprozesse mit ein.

Ausserdem werde die Informatik als Schluessel zum globalen Markt genutzt, um beispielsweise neue Geschaefte anzubahnen. Ein- und Verkauf ueber Online-Dienste und das Internet nehmen sprunghaft zu - laut Adler ist "Electronic Commerce das eigentlich Neue der letzten zwei Jahre". Multimedia-Praesentationen, die Verbindung von Telefon und Computer, die sich in der Entstehung von Call-Centern und Computer Aided Telephony widerspiegele, das Geschaeft mit Autorisierungs- und Sicherheitskarten sowie das immer staerker akzeptierte Database-Marketing seien Indizien fuer diese Entwicklung.