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04.06.1999 - 

Produktintegration und Profitabilität bleiben vorrangige Aufgabe

Mary Coleman soll krisengeschüttelte Baan wieder auf Kurs bringen

MÜNCEN (CW) - Chief Executive Officer (CEO) Tom Tinsley verläßt Baan. Seit Beginn dieser Woche versucht seine Nachfolgerin Mary Coleman (44) das angeschlagene Softwarehaus wieder auf Kurs zu bringen. Vor allem eine klare Produktstrategie wird von ihr erwartet.

Coleman ist kein Newcomer. Sie hatte vier Jahre lang als CEO und President den Hersteller von Vertriebs- und Marketing-Lösungen Aurum Software geführt, bevor dieser 1997 von Baan übernommen wurde. Bei den Holländern betreute sie seither den Front-Office-Bereich, stieg im Oktober 1998 zur Präsidentin auf und arbeitete fortan eng mit Tinsley zusammen.

Der scheidende CEO ließ sich indes mit den Worten zitieren, man habe das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs gebracht: " Ich denke, das ist ein guter Moment, um mich neuen Aufgaben zu stellen." Hinter ihm liegen dreieinhalb Jahre bei Baan, zunächst als Vorstandsmitglied, später als Chef. Im Juli 1998 löste er den Firmenmitbegründer und CEO Jan Baan ab, der sich nach Skandalen um undurchsichtige Bilanzierungspraktiken seines Unternehmens und tiefroten Quartalsergebnissen ins Privatleben zurückgezogen hatte.

Tinsley hält Sanierung für einen Erfolg

Tinsley begann daraufhin unter Mithilfe von Colman ein 100- Tage-Restruktuierungsprogramm, das eine drastische Reduzierung der Ausgaben, die Straffung die Geschäftsbereiche und die Entwicklung er Zukunftsstrategie bei Baan zum Ziel hatte. Erst kürzlich hatte er hierbei den Aufsichtsrat ausgetauscht. Seinen Abschiedsworten zufolge habe die Sanierung Erfolg gehabt und das Unternehmen sei in ruhigere Gewässer gelotst worden.

Tinsleys Zufriedenheit spiegelt sich indes nicht in der derzeiti- gen Situation Baans wider. So übertraf das erste Quartal 1999 mit 19 Millionen Dollar Verlust die schlimmsten Erwartungen der Analysten. Insbesondere das Lizenzgeschäft ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 92 Millionen Dollar auf 65 Millionen Dollar zurück. Zwar erhält der Hersteller mitterweile wieder bessere Noten beim Service, eine klare Produktstrategie wird hingegen noch vermißt (siehe CW 21/99, Seite 13). Für Laurent Lachal, Analyst beim britischen Marktforschungsunternehmen Ovum, hat Tinsley denn auch seine Machtposition nicht genügend genutzt. "Er hat sehr gute kurzfristige Entscheidungen getroffen, aber keine Visionen geliefert." Daher muß die Arbeit Colemans mit der Definition und Kommunikation einer klaren Strategie für die nächsten Jahre beginnen. Wichtig sei es dabei, mehr auf eine Integration der bestehenden Produkte zu achten als um jeden Preis wachsen zu wollen. Auch Annelise Wang, Leiterin des für Europa zuständigen Expertise Center Software bei IDC, warnt Baan vor einer Fortsetzung des unkontrollierten Wachstums durch den Kauf anderer Firmen. "Eine Unternehmens-Organisation, die so schnell gewachsen ist wie Baan, mußte irgendwann Probleme bekommen." Das Unternehmen durchlaufe einen schmerzhaften Reifungsprozeß und sei seit dem Rückzug der Baan-Brüder auf dem Weg zu einem modernen marktorientierten Anbieter. Allerdings sei Baan derzeit noch zu sehr mit der Integration der zugekaufen Produkte und Firmen sowie der Entwicklung einer gemeinsamen Unternehmenskultur beschäftigt. Darüber habe man es versäumt, die Firmenpolitik klar nach außen zu vermitteln.